Maurice Ashley – What Grandmasters Don’t See - Vol. 1 (englischsprachig)

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 21.05.2011
 Auf Amazon.de kaufenVol. 1: Protected Squares; aus der Reihe: fritztrainer middlegame
ChessBase GmbH, Hamburg; ISBN: 978–3–86681–236-9; Preis 29,90 Euro

Maurice Ashley (geb. 1966 in Jamaica) ist der bisher einzige Afro-Amerikaner, dem es 1999 gelang, den Titel eines Schach-Großmeisters zu erringen. Mittlerweile ist er ein sehr erfolgreicher Schachlehrer und –trainer, der unter anderem in Zeitungen und Zeitschriften wie „The New York Times“, „USA Today“, „Time Magazine“, „Sports Illustrated“, „Reader's Digest“ seine Texte und Publikationen veröffentlicht, sowie große Aufmerksamkeit im US-Fernsehen erzielte. Seine derzeitige ELO-Zahl beträgt 2465, wobei zu ergänzen ist, dass er ab etwa 2003 nicht mehr zu öffentlichen Wettkämpfen und Wertungspartien angetreten ist.
Nachdem Ashley vor einiger Zeit sein Erstlingswerk beim Hamburger Anbieter ChessBase mit dem Namen „The Secret To Chess“ veröffentlicht hat, liegt nun eine weitere DVD vor, auf der er sich mit den sogenannten „Protected Squares“ – also den durch Bauern gedeckten Feldern auf dem Schachbrett – beschäftigt. Es folgt mittlerweile schon seine nächste DVD „What Grandmasters Don‘ t See, Vol. 2“ nach mit dem Untertitel „Discovered Attack“, die allerdings in dieser Rezension nicht zum Thema werden wird.
Der US-Amerikaner bemüht sich in absolut gutem, dialektfreiem Englisch und auf äußerst unterhaltsame Art – humorvoll garniert – , dem Zuhörer, bzw. Zuschauer zu verdeutlichen, dass es bei seinen Ausführungen nicht nur darum geht, Schachweltmeister oder Großmeister lediglich bloßzustellen im Sinne von „Wie konnte das einem solchen Könner nur passieren?“, sondern zu beweisen, wie unsere eigene Art, Schach zu lernen oder zu spielen, solche vermeidbaren Fehler („Blunders“) nachvollziehbar erscheinen lässt. Er will uns in seiner Trainings-DVD zusätzlich in den Genuss kommen lassen, welch ein erhebendes Gefühl es ist, sein Gegenüber durch einen Zug so zu überraschen, dass es zu einem wahren Schock für letzteren werden kann, so überrumpelt worden zu sein. Selektives Sehen und Wahrnehmen spielen hier eine herausragende Rolle – salopp formuliert möchte man hier auch schon zum Begriff „Betriebsblindheit“ greifen dürfen.
Was wird nun en détail auf der Silberscheibe geboten? Bei einer Gesamtspielzeit von ca. 4 Stunden und 20 Minuten treffen wir auf die von ChessBase bevorzugte Methode, Schachthemen multimedial mit Hilfe des ChessBase-Readers zu präsentieren. Wie immer sei erwähnt, dass auch andere Software (s. zurückliegende Rezensionen) geeignet ist, die Inhalte darzustellen. Einführung und Schlusswort, 18 Themenpartien, sowie 14 Teststellungen, die den Betrachter mit steigendem Schwierigkeitsgrad herausfordern, seinen Wissenszugewinn unter Beweis zu stellen, findet der Käufer auf dieser Silberscheibe. Methodisch sicherlich ein gutes Konzept, das sich auch in der Pädagogik in dieser Form bewährt hat.
An Schachgrößen, die zur Dokumentation und zum Beleg der Themenstellung dienen, haben sich u. a. versammelt: Anand, Bareev, Bologan, Carlsen, Dreev, Ivanchuk, Karpov, Kramnik (allesamt Welt- oder Großmeister mit einem ELO-Wert über 2600!!!).
Schon das Betrachten der beiden ersten Beispielpartien lässt vermutlich jeden Schachfreund mit der Zunge schnalzen und es wird die Theorie Ashleys bestätigt, das selbst routinierte Großmeister von selektiver Wahrnehmungsstörung befallen werden können. Wohl gemerkt, es handelt sich hier nicht um typische Patzer, die jedem von uns immer wieder unterlaufen. Wir erhalten eindrucksvoll vorgeführt, dass selbst vermeintlich perfekt geschützte Felder für Attacken verfügbar sind, wenn unser „Schachauge“, das sich im Laufe des Lernens entwickelt hat, plötzlich erblindet – keine pure Flüchtigkeit, sondern einfach ein „blinder Fleck“ in unserer Schachwahrnehmung --- grandios!
Die sich anschließenden Testsituationen ermöglichen abschließend dem Betrachter, sein eigenes „Sehen“ zu überprüfen und die entsprechend dem Thema zu suchenden „schwachen“ starken Felder zu finden und die Partien erfolgreich zu beenden.
Systemanforderungen: Pentium Prozessor 300 MHz, 64 MB RAM, Windows XP bis Windows 7, DVD-ROM-Lauf¬werk, Maus und Soundkarte.
Fazit Ich muss gestehen, ich bin begeistert von dieser DVD! Für knapp 30 Euro erhält der Lernende ein Feuerwerk an Erkenntnissen, mit denen wahrscheinlich in den jeweiligen Situationen nicht zu rechnen war. Sicherlich hätte man vor dem Studium des Lehrgangs manche Gewinn bringende Fortsetzung nicht „gesehen“, aber jetzt nach Ashleys Anregungen wird man über seinen eigenen Kenntniszugewinn erstaunt sein. Klare, uneingeschränkte Empfehlung für alle Schachbegeisterten, die etwas Neues „sehen“ lernen möchten.
Danke an Chessbase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)