The ABC of Alekhine (2. Edition) – Andrew Martin

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 16.10.2011
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: fritztrainer opening (englischsprachig)
Chess Base GmbH, Hamburg – ISBN 978-3-86681-249-9, Preis 27,90 Euro

25 Videosequenzen mit einer Gesamtdauer von 5 Stunden und 40 Minuten, sowie 22 Partien zum Thema „Aljechin-Verteidigung“ waren das Basismaterial, das von Chess Base mit Hilfe des englischen IM Andrew Martin auf dieser DVD der neugierig-wissbegierigen Schachgemeinde schon in der Ausgabe von 2007 dargeboten wurde. Aktuell wurde diese Erstausgabe mit einer modernisierten, aktualisierten Ergänzung um 15 Kapitel erweitert, so dass wir auf eine neue Videospieldauer von ca. 7 Stunden und 30 Minuten kommen (Zuwachs = 1 Stunde 50 Minuten).
Der Kommentator (mittlerweile 53 Jahre alt und auch FIDE Senior Trainer) hat mehr als 20 DVDs zu unterschiedlichsten Schachthemen erstellt, so dass man von einem sehr routinierten und eloquenten Experten sprechen kann, der es geschafft hat, auch nicht englischsprachigen Interessenten Feinheiten des königlichen Spiel aufzuzeigen, wenn man bereit war, sich auf seinen Sprachstil und exorbitanten Dialekt einzulassen.
Die alten bisher vorliegenden Partien waren zwar nicht von den bekanntesten Größen des Schachs mit wohlklingenden, berühmten Namen, aber das, was dem Schachlernenden geboten wurde, zeugte schon von hoher Qualität. Nahezu alle analysierten Zweikämpfe demonstrieren eine erstaunliche Quote an Gewinnpositionen für Schwarz, so dass man einerseits dem mit den schwarzen Steinen Spielenden nur raten konnte, sich mit dieser Eröffnung gewinnorientiert zu beschäftigen, andererseits war es jedoch für den Weißen sehr ratsam, diese Eröffnungsvariante konsequent nach- und durchzuspielen, um eventuell Schlüsse ziehen zu können, wie man in damaligen Zeiten dem guten Aljechin hätte begegnen müssen (…wenn man denn jemals am Brett auf ihn getroffen wäre).
Wer an dieser Stelle Zeit und bekannte Trainingskapitel sparen möchte, weil er die zitierte DVD bereits damals erworben hatte, der kann dann eben mit den Neuerungen / Aktualisierungen starten, die deutlich von den „alten“ Inhalten auf dem Datenträger getrennt wurden.
Ich wiederhole gerne noch einmal, dass kennzeichnend für „Alekhine’s Defence“ (1. e4 Sf6) die aggressive Vorgehensweise von Schwarz ist, der von Anfang an versucht, die Initiative zu übernehmen und auf unbedingten Sieg zu spielen, sobald Weiß passiv reagiert und ebenso fortsetzt. Natürlich ergeben sich zwangsläufig für den Weißen Konterchancen, wenn die Genauigkeit im schwarzen Spiel fehlt oder verlorengeht, aber dennoch muss eindringlich davor gewarnt werden, die Aljechin-Verteidigung zu unterschätzen. Viele Welt- und Großmeister von heute haben sich deutlich mehr als vor einigen Jahren zu dieser noch intensiver analysierten Eröffnungsvariante entschieden und gerade im Vereinsbereich dürften diese auf Aljechin zurückzuführenden Ideen höchst praktikabel sein.
Die ersten Partiebeispiele, die noch überwiegend aus den Jahren 2006 und 2007 waren, wurden durch weitere Analyse-Sequenzen ergänzt, die den moderneren Stand der Eröffnungstheorie und –praxis der Gegenwart aufzeigen. Stellvertretend für diese Veränderungen stehen dieses Mal auch ein paar bekanntere Namen von Schachgrößen, als da u. a. wären: Topalov, Carlsen, Grischuk, Svidler, Leko oder Short.
Wer Schach im Verein spielt, sollte sich meines Erachtens unbedingt mit diesem Software-Training beschäftigen, vielleicht auch, um mit den schwarzen Steinen als Nachziehender einen Überraschungscoup landen zu können, weil der Gegner den Fortgang der Partie nach 1. e4 wohl eher mit Sizilianisch oder Spanisch erwartet hätte.
Systemanforderungen: Pentium-Prozessor mit 300 MHz, 64 MB RAM, Windows XP, Vista oder Windows 7, DVD-ROM-Laufwerk, Maus und Soundkarte.
Fazit: Für ambitionierte Schachspieler/-innen ist dieses Werk eigentlich ein nach wie vor ein Muss, um bei Vereinskämpfen oder Turnieren gerüstet zu sein, falls „Aljechins Söhne oder Töchter“ auf der anderen Brettseite sitzen und einen ansonsten leicht übertölpeln könnten. Ob allerdings die ChessBase‘sche Marketingstrategie bei zwei so ähnlichen Themen-DVDs sinnvoll ist, vermag ich nur aus meinem subjektiven Blickwinkel zu beurteilen. Was war der Grund für diese Strategie? Nur die Verkaufsperspektive oder aus der Notwendigkeit entstanden, aktuellen Veränderungen und Erkenntnissen Folge zu leisten? Lohnen 15 kleinere Kapitel mit neueren Analysen für ein weiteres Produkt in der 30-Euro-Klasse? Wo die Wahrheit liegt und damit die Kaufintention, muss leider wieder einmal der potentielle Käufer selbst entscheiden.
Danke an Chessbase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)