Geheimnisse der Planfindung – Michael Richter

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 30.10.2011
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: fritztrainer mittelspiel
Chess Base GmbH, Hamburg – ISBN 978-3-86681-241-3, Preis 27,90 Euro

Aus meiner persönlichen Einschätzung und Erfahrung glaube ich sagen zu dürfen, dass weltweit – und somit auch beim Hamburger Anbieter ChessBase – seit langer Zeit ein quantitativer Schwerpunkt auf der Darstellung / Untersuchung / Analyse von Eröffnungen und Endspielen beim Schach liegt. Das Mittelspiel, also der weitaus kreativste, schöpferischste Bereich einer Partie wird immer nur nebensächlich, fast stiefmütterlich am Rande abgehandelt. Natürlich ist jedem Schachspieler klar, dass es nahezu unmöglich ist, in diesem Bereich analytisch präzise und strukturiert Lehrinhalte zu vermitteln und als immer gewinnbringende Stellungsmuster zu präsentieren.
Was nützen mir aber alles Theoriewissen um Eröffnungen und die Fähigkeiten, ein Endspiel dominant, zielgerichtet und vor allem erfolgreich gestalten zu können, wenn ich erst gar nicht dorthin gelange oder schon längst in den Irrungen und Wirrungen des Mittelspiels verloren gegangen bin?
Hier möchte nun der 33-jährige Internationale Meister und lizensierte FIDE-Schachtrainer Michael Richter (seine bisher höchste ELO-Zahl war 2476), der bereits zwei Großmeisternormen erreicht hat, ansetzen und dem Interessenten ein elementares Thema des Mittelspiels als Lerngrundlage anbieten: Wie finde ich einen Erfolg versprechenden Plan, um mein Mittelspiel Gewinn bringend gestalten zu können? Für Richter sind die wichtigsten Kriterien und Prinzipien, eine Stellungseinschätzung mit Schemaplänen, sowie eine solide Variantenberechnung durchzuführen. Wer das konsequent tut, hat nach Meinung unseres Trainers bereits eine große Hilfe bei der Planfindung erhalten.
Auf dieser DVD mit einer Gesamtspielzeit von etwa 4,5 Stunden führt der Berliner uns 40 präzise analysierte Partiestellungen oder –sequenzen vor, aus denen wir die richtige Planfindung erlernen sollen. Ein besonderes Merkmal liegt darin, dass der / die Lernende(n) typische Denkfehler erkennt und vor allem vermeidet, sowie dass man sich die richtige Frage zur Fortsetzung im richtigen Augenblick stellt und daraus die folgerichtige Variante berechnet.
Bei den vorhandenen Trainingsstellungen geht es um die strategischen Schwerpunkte:

1. Bauernhebel
2. Bauernschwächen
3. Felderschwächen
4. Raumvorteil
5. Ungleichgewichte
6. Verführung
7. Prinzip der schlechtesten Figur
8. Prinzip der zwei Schwächen
9. Denken aus der Sicht des Gegners
10. Variantenberechnung

Ich gebe gerne zu, dass es sich bei diesem Lehrgang um keine leichte Kost handelt. Hier geht es nicht um das bloße „Auswendig“-Lernen von Stellungsbildern (wie so oft in Eröffnungen und Endspielen), sondern dem Wissbegierigen wird der sich immer wiederholende Umgang mit den Zielen der Planung abverlangt. Das erfordert eine stetig wiederkehrende Beschäftigung mit den vorgestellten Themen. Es gilt die Devise „Übung macht den Meister“ an erster Stelle. Das spielt sich wahrlich nicht von selber!
Systemanforderungen: Pentium-Prozessor mit 300 MHz, 64 MB RAM, Windows XP, Vista oder Windows 7, DVD-ROM-Laufwerk, Maus und Soundkarte.
Fazit: Ein interessanter Weg, den uns der junge Berliner IM in seinem Lehrwerk vorstellt. Keine exquisiten Welt- oder Großmeister, die er uns zur Untermauerung seiner Ideen und Erkenntnisse vorstellt. Die Partiebeispiele sprechen für sich – egal, wer sie gespielt haben mag. Wer sich die Zeit nimmt, dieses Training ggf. mehrmals durchzuarbeiten, steht vor einem enormen Lernzuwachs – eine Empfehlung meinerseits für diese Silberscheibe. Sie lohnt das Geld auf jeden Fall!

Danke an Chessbase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)