Power Play 16 – Technik-Test Turmendspiele – von Daniel King

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 01.11.2011
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: fritztrainer power play
Chess Base GmbH, Hamburg – ISBN 978-3-86681-258-1, Preis 29,99 Euro

Noch vor wenigen Wochen habe ich in meiner Rezension zu „Power Play 15“ geschrieben, dass Schach-Großmeister Daniel King bereits eine 16. Ausgabe vorbereitet hat. Deshalb freue ich mich umso mehr, diese heute in Händen zu halten und testen, sowie bewerten zu können. Ich spare mir jegliche Vorrede zu den oft geschilderten Qualitäten unseres englischen Fachmannes, der nach wie vor einer der besten und qualifiziertesten Trainer im Hause ChessBase ist und steige ohne Umschweife ins Thema ein.
Schon der Titel lässt anklingen, dass wir es mit bereits in der Vergangenheit oft analysierten Turmendspielen zu tun haben werden, jedoch kommt beim Beiwort „Technik-Test“ eine gewisse Neugierde auf. Welche King’schen Intentionen werden uns beim vierstündigen Video-Training begegnen, für das in altbekannter Art und Weise der ChessBase-Reader als geeignete Präsentationssoftware für Schachthemen beigefügt wurde? Dürfen wir Neues betrachten oder liefert uns der Engländer nur altbackene Hausmannskost an, die es gerade zum Thema Turmendspiele bereits zur Genüge gibt (s. u. a. die Serie über Turmendspiele mit Karsten Müller, erschienen auch bei ChessBase)?
Da sind zuerst einmal die bei Daniel King bekannten Testaufgabenstellungen (23 auf dieser DVD), die der Betrachter eigenständig lösen soll. Ebenso typisch ist der immer wiederkehrende, mahnende Hinweis Kings, ein „echtes“ Schachbrett zur Übung heranzuziehen und (natürlich) das Notationsfenster auszublenden. Die Absicht hinter dem Ganzen verrät er uns sofort:
1. eigenständiges Lösen der Aufgaben,
2. intensives Durcharbeiten des Video-Lehrgangs,
3. erneute Analyse der Teststellungen unter Berücksichtigung des neu Erlernten und letztlich
4. die demonstrierten Lösungen nachvollziehen.
Ein ganz einfaches Ablaufmuster, welches meines Erachtens aber wie immer höchste Effizienz aufweist. Wer sich nicht selber betrügt, wird schnell erkennen, welch hoher Nutzen hinter dieser Vorgehensweise steckt.
Im 2. Theorieteil mit weiteren 22 Kapiteln schildert der Experte Grundmuster nach Philidor, Lucena und Lasker, die es zu kennen gilt, wenn ein Turmendspiel erfolgreich angelegt werden soll. Einfache Strukturen, aber verblüffend effektiv in ihrer Ausführung. Auch in verschiedenen Konstellationen (z. B. Turm gegen Bauer, Turm mit Bauer gegen Turm, Turm mit Bauern gegen Turm mit Bauern, Turm und Bauern gegen Turm und Bauern auf einem (!) Flügel, Turm mit Mehrbauern, Turm mit Mehrbauern auf zwei Flügeln gegen Turm mit Bauern usw.) geht es kleinschrittig, aber sehr intensiv voran. Wer schon einmal mit Kindern und Jugendlichen trainiert hat, wird aus eigener Erfahrung wissen, dass bereits bei diesen simplen Strukturen eine Menge an Fallgruben vorhanden sind. Umso ärgerlicher wäre es demnach, in eigenen Partien in genau diese Fallen zu tappen. Es darf bei den gewonnenen Erkenntnissen allerdings nicht verschwiegen werden, dass auch bei Daniel King öfter ein Remis schon als Erfolg bei Turmendspielen gesehen wird, vor allem, wenn es gegen Bauernmehrheiten geht. Also bitte nicht im „Hurra-Stil“ vorgehen, wenn ein Sieg überhaupt nicht mehr erreichbar ist. Dann ist ein Remis schon fast ein „kleiner“ Sieg. (Ich wäre froh, gegen einen IM oder GM irgendwann einmal ein Remis erzielen zu können...)
Systemanforderungen: Pentium-Prozessor mit 300 MHz, 64 MB RAM, Windows XP, Vista oder Windows 7, DVD-ROM-Laufwerk, Maus und Soundkarte. Der Lehrgang ist auch mit Hilfe von PocketFritz 4 abspielbar.
Fazit: Daniel King öffnet erneut seine „Schatzkiste“ und präsentiert uns seinen Fundus an präzisen Analysen. Er vermittelt durch äußerst kleinschrittiges Vorgehen Erkenntnisse auf überzeugende Art und Weise, die beim Betrachter neue Horizonte öffnen können.
Als besonders bemerkenswert beurteile ich die Tatsache, dass der GM am Ende seiner Ausführungen ehrlich genug ist, zwei Fehler aufzuzeigen, die ihm während des Trainings unterlaufen sind. (Ich habe übrigens bei meinen Betrachtungen diese Fehler niemals bemerkt, daher Hochachtung vor dem Lektoren- oder Expertenteam, dem es aufgefallen war.) Es ist ihm deutlich anzusehen, wie ärgerlich und peinlich diese kleineren Schwächen waren.
Damit kann festgehalten werden, dass noch nicht einmal Großmeister ohne jeden Fehlgriff bleiben – letztlich können dies nur „Chess-Engines“. Bleibt nur zu fragen: War es für ChessBase preiswerter, dieses Outing anzufügen oder hätte man auch die fehlerhaften Sequenzen herausschneiden und ersetzen können? Dann wären die zwei Fehler sicherlich für die Öffentlichkeit unentdeckt geblieben. Trotz dieser kleinen Fehlanalysen erfüllt dieses Lehrprogramm wieder einmal seine Aufgabe mehr als gut – eine Empfehlung, auch wenn der Preis der gesamten Power Play-Reihe damit auf etwa 480,-- Euro ansteigt. Vielleicht lässt sich ja irgendwann die Hamburger Firma ChessBase zu speziellen „Serien- oder Sonderpreisen“ hinreißen.

Danke an Chessbase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)