Fritz 13 – Das ganz große Schachprogramm

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 03.11.2011
 Auf Amazon.de kaufenChessBase GmbH, Hamburg; erschienen Oktober 2011
ISBN: 978–3–86681–250–5; Preis ca. 49,90 Euro

...und ich habe doch Recht behalten: ChessBase aus Hamburg bleibt beim Bewährten! Schon vor knapp zwei Jahren habe ich geschrieben:
„(...) beim Erscheinen von ,Fritz 8‘ (fügte) der Hersteller im Untertitel hinzu ,Das ganz große Schachprogramm‘ – bei ,Fritz 9‘ hieß es ,Das ganz große Schachprogramm‘ – ,Fritz 10‘ kam mit dem Attribut ,Das ganz große Schachprogramm‘ – ,Fritz 11‘ wurde ergänzt durch ,Das ganz große Schachprogramm‘ – (...die nächste Ausgabe...) nennt sich (...) ,Twelve‘, allerdings auch ,Das ganz große Schachprogramm‘.“ Tja, nun darf dreimal geraten werden, wie der überraschende Titel der aktuellen Version von Fritz heißt...... – richtig, ,Fritz 13 – das ganz große Schachprogramm‘. Das ist nun wirklich sensationell, da wäre man nie drauf gekommen – ein Lob an die Autoren aus der Marketing-Abteilung des Hauses!
Kann jetzt auf jegliche weitere Berichterstattung zum Produkt verzichtet werden? Nein, auf gar keinen Fall. Die Schöpfer dieser Chess-Engine und der grafischen Oberfläche haben sich mit der Ausgabe 13 einiges Neues einfallen lassen, was in diesem kleinen Testbericht publik gemacht werden soll. Das Einverständnis der Leser und Leserinnen voraussetzend, darf ich in dieser Rezension einen etwas anderen Weg beschreiten als sonst üblich.
Die schachliche Qualität der Fritz-Engine kann ich gar nicht mehr einschätzen, geschweige denn bewerten. Wir sind an einem Punkt angelangt, wo so viele Maschinen konkurrieren, dass es normal Sterblichen unmöglich ist abzuwägen, welche Software oder welches Autorenteam besser ist. Ob ich jetzt einen ELO-Wert von 2953, 2896 oder 3004 mit Hilfe des Programms erreichen kann, ist letztendlich nicht mehr alleine von der Engine abhängig, sondern zu einem großen Teil von der verwendeten Hardware (Prozessor, RAM etc.) und der Systemumgebung.
Also habe ich für meinen vorliegenden Text beschlossen, keinen Vergleich der Spielstärke in meine Beurteilung einfließen zu lassen, was vielleicht auch unfair wäre, da Fritz 13 zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht als „Deep Fritz“ mit Multiprozessor-Unterstützung vorliegt – die konkurrierenden Produkte, die ihrerseits die 64-bit-Systeme voll ausreizen können, gibt es sehr wohl schon seit einiger Zeit. Deshalb gibt es in diesem Testbericht nur Details und Neuerungen zum „Look and Feel“ zu lesen. Meines Erachtens helfe ich manchem Kaufinteressenten mit der Bewertung des Handlings dadurch umso mehr.
Nach dem Einlegen der DVD läuft alles Weitere weitgehend automatisch ab und nach recht kurzer Wartezeit wurden ca. 2,4 GByte Daten auf die Festplatte geschaufelt. Auffallend ist der Hinweis während der Installation, man möge Virenscanner oder ähnliche Überwachungstools deaktivieren, um einen Neustart des Rechners zu vermeiden. Ich habe das getan mit dem Ergebnis, dass der Computer neu gestartet werden musste – dieser Hinweis war also nutzlos! Anschließend nach dem ersten Start des Programms wird man zur Eingabe der Seriennummer aufgefordert. Dem folgt die notwendige Zwangsaktivierung per Internet. Sollte man Fritz 13 erneut installieren wollen, sollte man – wie bereits in der Vergangenheit – die Version zuerst deaktivieren. Das grafische Interface lässt sich (zumindest liest man es so im Internet) maximal dreimal installieren, dann muss (!) man die Vorversion deaktivieren. Interessant an dieser Stelle ist übrigens die Tatsache, dass bereits ein Update vom Server gemeldet wird und zwar von Version 0 auf Version 5. Was nun im Einzelnen und en Detail aktualisiert wird, entzieht sich meiner Kenntnis, jedoch fiel mir auf, dass im Bereich einer gravierenden Neuerung der Oberfläche in einem datentechnisch sensiblen Bereich nachgearbeitet wurde – doch dazu noch mehr an späterer Stelle.
Nach diesem Prozedere fällt unser erster Blick auf die Programmoberfläche, die im Stil des derzeit aktuellen Office 2010 gehalten ist (Ribbon-Struktur), was nicht ungünstig ist, da diese Büro-Software sicherlich vielen Nutzern mittlerweile gut bekannt ist. Damit wird für eine wirklich gute Bedienbarkeit gesorgt. Mein persönlicher Eindruck ist, dass sich eine individuelle Anpassung der Programmoberfläche noch leichter als zuvor realisieren lässt. Vieles bleibt vertraut, niemand muss sich in diese Software neu einarbeiten, wenn er die 1 – 2 letzten Versionen von Fritz kennt. Allerdings gibt es etwas – nach Meinung des Herstellers – Sensationelles: die Weltneuheit „Let’s check“ (limitiert bis 31.12.2014).
Was verbirgt sich dahinter? Mehr oder weniger handelt es sich dabei um eine Live-Schachwissensdatenbank, die mit den eigenen Analysen und Erkenntnissen wächst. Die Zielsetzung hinter dieser Idee ist, dass sich Anwender auf der ganzen Welt am Aufbau einer gigantischen Wissensdatenbank beteiligen können. Egal welche Stellung untersucht wird, nach kurzer Zeit erhält der Schachfreund hochwertige Erkenntnisse durch Analysen anderer Schachprogramme zum Vergleich – quasi vollautomatisch. Aber genau an dieser Stelle hat ChessBase wohl unter dem Druck von Nutzern (wie oben erwähnt) nachgebessert. Die Auswahlbox zum Deaktivieren dieses Automatismus war ursprünglich ausgegraut, so dass alle Analysen eines Spielers oder einer Spielerin automatisch auf dem Schachserver landeten – eine fatale Vorgehensweise im Sinne des Datenschutzes meinen sicherlich viele Anwender weltweit. Das hat dann der Anbieter schnell korrigiert. Nun kann ich Gott sei Dank eigenverantwortlich entscheiden, ob meine Ideen und Erkenntnisse ins Netz gehen sollen oder nicht.
Eine weitere Neuerung ist das sogenannte „LiveBook“, das für jede Stellung eine komplette Statistik liefert, die wöchentlich von ChessBase in einer Online-Datenbank mit mehr als 5 Millionen Partien aktualisiert wird. Besonders hilfreich ist dieses Feature, weil es mir zeigt, wie aktuell und wie gut meine derzeitige Variante ist. Auch im Management des Datenbestands bietet Fritz Neues, so kann ich beispielsweise auf verschiedenste Datenbanken im Modus einer Direktauswahl zugreifen. Wer nicht zur Download-Variante sondern zur Box-Version der Software greift, bekommt noch ein Schmankerl obendrein: das „Eröffnungs-Tutorial Band 1 – Offene Spiele“ aus dem Hause ChessBase gibt es als kostenloses E-Book auf dem Datenträger dazu. Wenn man bedenkt, dass für diese Software seinerzeit 29,90 Euro fällig wurden, erhält eine interessante, lohnenswerte Beigabe – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Was gibt es noch Erwähnenswertes zu berichten? Alle übrigen bereits bekannten Features des Programms blieben erhalten: variable Spielstärke, Coaching, Stellungsanalysen und Zugerklärungen, Trainingsmodule für Eröffnung, Mittelspiel, Endspiel, eine Datenbank mit mehr als 1,5 Mio. Partien, incl. 5 Stunden Videotraining. Des Weiteren gibt es eine Premium-Mitgliedschaft auf „Schach.de“ – allerdings leider nur noch 6 Monate. In den Vorversionen gab es eine einjährige Mitgliedschaft – dafür blieb im Gegenzug vermutlich der Preis der DVD gleich.
Ich kann mich auch an dieser Stelle nur der Meinung des Magazins „Der Spiegel“ anschließen: „Fritz ist das populärste deutsche Schachprogramm.“ Weiterhin leistet es für Anfänger, viele Fortgeschrittene, Vereinsspieler und eventuell sogar Profis das Gewünschte.
Systemvoraussetzungen:
Minimal: Pentium III 1 GHz, 1 GB RAM, Windows 7, Windows Vista, Windows XP SP3, DirectX9-Grafik¬karte mit 256 MB RAM, DVD–ROM–Laufwerk, Windows–Media Player 9, Internetzugang für Aktivierung und Updates, Zugang zu Schach.de und Let’s Check.
Empfohlen: Intel Core 2 Duo 2,4 GHz oder besser, 3 GB RAM, Windows 7, DirectX10-Grafik-karte mit 512 MB oder mehr, DirectX10-kompatible Soundkarte, Windows Media Player 11, DVD–ROM–Laufwerk, Internetzugang für Aktivierung und Updates, Zugang zu Schach.de und Let’s Check. Wer seine Vorliebe im 3-D-Bereich sieht, braucht allerdings eine hochwertige Grafikkarte, da selbst die empfohlene Konfiguration nur teilweise alle Wünsche befriedigen kann.
Fazit: Wer in erster Linie nicht nur auf die Stärke einer Schach-Engine schaut, wird bei Fritz 13 eine Reihe an Neuerungen entdecken, die lohnenswert erscheinen. Es ist deutlich mehr als nur eine marginale Korrektur von Kleinigkeiten. Das Team, das für Programmierung und Gestaltung zuständig war, hat meiner Meinung nach seine Hausaufgaben gemacht. Demjenigen, der mit der Single-Prozessor-Variante nicht zufrieden ist, sei gesagt, dass sich jede andere UCI-Engine problemlos einbinden lässt – auch 64-bit-Engines.
Wer auf die originäre Fritz-64-bit-Software setzt, der muss eben noch ein wenig warten. Ich würde das Produkt wegen seiner sinnvollen Optimierungen ohne weiteres kaufen. Somit freue ich mich sehr darauf, dann irgendwann in vielen Jahren „Fritz 91 – das ganz große Schachprogramm“ wieder rezensieren zu dürfen.

Danke an Chessbase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)