First Steps In Defence & First Steps In Opening Play – Andrew Martin (2 DVDs)

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 21.01.2012
 Auf Amazon.de kaufenTitel: „First Steps In Opening Play“ – Andrew Martin aus der Reihe: fritztrainer eröffnung (englische Sprachversion) ChessBase GmbH, Hamburg; ISBN 978-3-86681-287-1; Preis 19,90 Euro
Titel: „First Steps In Defence“ – Andrew Martin aus der Reihe: fritztrainer mittelspiel (englische Sprachversion) ChessBase GmbH, Hamburg; ISBN 978-3-86681-277-2; Preis 19,90 Euro

Zwei weitere „First Steps“-DVDs des englischen IM und FIDE Senior-Trainers Andrew Martin möchte ich in dieser Rezension gemeinsam prüfen und beurteilen, weil es sinnvoll erscheint, in dieser Themenreihe nicht weiter nach Einzelthemen-DVDs zu trennen, da sich die Zielgruppen als nicht signifikant unterschiedlich darstellen.
Der deutschsprachige Arbeitstitel der erstgenannten Trainings-Software lautet: „Erste Schritte in der Verteidigung“ und hat eine Videospielzeit von etwa 3 Stunden und 15 Minuten. Auch hier, sowie auf dem zweiten Datenträger liegt als mediale Abspielhilfe der ChessBase-Reader bei, der als eine einfach zu handhabende, kostenlose Programmoberfläche hinreichend ist.
Anders noch als auf der DVD „Erste Schritte im Positionsspiel“ (wurde bereits für die Zielgruppe Spieler unter ELO 1500 von mir bewertet) definiert Martin hier den Vereinsspieler mittlerer Stärke als Zielperson, dem fundierte Grundlagen der Eröffnung ergänzend zu seinen bisherigen Erkenntnissen und gespielten Eröffnungssystemen vermittelt werden sollen, damit seine Spielstärke in vielerlei Hinsicht optimiert wird. Besonderes Augenmerk legt der englische IM hier auf die Vermittlung von Verteidigungskonzepten, die allerdings manches Mal nicht besonders aktiv zu sein scheinen. Dazu ist er auch bereit, Verfahrensweisen wie Dauerschach oder radikalen Figurenabtausch als effektives Mittel der Defensive zu empfehlen – für kreative Schachästheten sicherlich nur Hausmannskost, aber der Zweck heiligt die Mittel.
In 19 Kapiteln (einschl. Einleitung und Schlussbetrachtung) werden unterschiedlichste Verteidigungskonzepte vorgestellt, die man ohne besondere Schwierigkeiten betrachten und nachvollziehen kann. Besonders sinnvoll ist die Bearbeitung des Lehrgangs immer dann, wenn man bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Notationsfenster ausblendet, um nicht schon die Zugfolgen im Voraus ablesen zu können. Fünf Weltmeister und 14 Großmeister geben mit ihren Partiebeispielen eine gute Basis zum Lernen ab, die durch Martins englischsprachige Ausführungen und Analysen an Tiefgang gewinnen – so man sie versteht. Die zweite hier getestete Scheibe mit dem deutschsprachigen Titel „Erste Schritte in der Eröffnung“ führt uns in weiteren 21 Kapiteln bei einer Videolaufzeit von etwa drei Stunden in die Grundlagengedanken der Eröffnungen ein – Zielgruppe dieses Mal wieder der eher unerfahrene Schachfreund mit ELO-Zahlen unter 1500. Der Beginner soll durch diesen Lehrgang befähigt werden, nach einer soliden Eröffnungsstellung überhaupt erst ein weitgehend offenes Mittelspiel und möglichst auch ein Endspiel erreichen können. Man wäre jedoch blauäugig zu glauben, dass nach Durcharbeiten der Martin’schen Ausführungen, jeder sofort befähigt wäre, alle Tücken der Eröffnungstheorie erfolgreich umschiffen zu können. Das erinnert mich an die fatale Gedankenführung, man brauche nur ein einziges einbändiges Universallexikon, um die gesamte Welt mit ihrem Wissen erfassen zu können. (Nein, auch mit Google und Wikipedia geht das nicht...)
Unser englischer Lehrmeister vergisst nicht, den Fast-Novizen an systematisches Arbeiten heranzuführen. Seine These lautet unter anderem: wenn du seriös Schach trainieren willst, dann sei diszipliniert. Vor allem was die Ernsthaftigkeit deiner Trainingszeiten anbetrifft, Schach erlernt man nicht „nebenbei“ – das tägliche konzentrierte Üben (egal ob 10 Minuten oder 90 Minuten oder noch länger) ohne jegliche Ablenkung oder Störungen ist Martins Credo. In seinen Sequenzen auf der DVD trägt er dem Betrachter, wohl auch um das Niveau auf überschaubarer Höhe zu halten, lediglich banale Grundgedanken mit, wie z. B. entwickle deine Figuren, beherrsche das Zentrum, gewinne Raum, gib deinem König eine sichere Stellung. Nichts für den fortgeschrittenen, schon länger spielenden Schachbegeisterten, sondern lediglich erste Schritte für den Ungeübten.
Zur Untermauerung seiner Theorie setzt der Brite auf Partiebeispiele durchaus erlesener Vorbilder. In diesem Fall sind es u. a. die GM Alekhine, Short, Wang Yue, Malakhov, Onischuk, Van Wely, Keres, Nepomniachtchi, Gurevich oder Smeets – die meisten allerdings wohl nur aus der zweiten Garnitur, was das Weltspitzenschach im Jahr 2011 anbetraf.
Systemanforderungen für beide DVDs: Pentium-Prozessor mit 300 MHz o. besser, 64 MB RAM, Windows XP, Vista oder Windows 7, DVD-ROM-Laufwerk, Maus und Soundkarte
Fazit: Andrew Martin hat mit diesen beiden Lehrwerken die Messlatte absolut niedrig gehalten, keine glorreichen „Hurra-Schlachten“, keine Opfer-Überfälle, kein Fallenstellen, sondern solides einfaches Handwerkszeug für Eröffnung und Verteidigung. Für Einsteiger brauchbar und leicht nachzuvollziehen, für Vereinsspieler und langjährig geübte Schachspieler eher zu anspruchslos.

Danke an ChessBase für die kostenlosen Rezensionsexemplare.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)