Battle vs. Chess: Eine schlagkräftige Alternative unter den Schachprogrammen?!

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Dr. Matthias Bergmann am 04.03.2012
aus der Reihe: Games for Windows
TopWare Interactive; Preis ab ca. 33,-- Euro (online je nach Anbieter);
freigegeben ab 12 Jahren

„Battle vs. Chess“ ist sicher ein Schachprogramm der besonderen Art. Es wendet sich wohl nicht zuerst an den schachversierten Vereinsspieler, für den alles andere als das „nackte Brett“ Schnickschnack ist. Diesen gibt es nämlich in diesem Programm durchaus reichlich:
Als Erstes ist natürlich die Grafik ins Auge fallend: In einem harmonischen (oder auch endzeitlichen, wenn man es möchte) Ambiente steht unser Schachbrett: fünf unterschiedliche sind angeboten, reichlich animiert und nett anzusehen, wenn man es denn so mag. Das Schachbrett wird „lebendig“ – die weißen Figuren entsprechen wahren „Lichtgestalten“, während die schwarzen reichlich düster erscheinen – ein Kampf „Gut gegen Böse“, könnte man meinen. Mag man diese Figuren samt Animationen nicht, kann man auch klassische Figuren oder sogar die Symboldarstellung wählen (Tipp: einen Eindruck der Animationen kann man auf der Homepage dieses Programms bekommen). Praktischerweise kann man den Figurensatz direkt im Spiel wechseln, falls die animierten Figuren mal nerven sollten oder falls man eine bessere Übersicht braucht. Das Ganze wird entsprechend untermalt mit durchaus stimmiger, zum Teil orchestraler Musik, diese ist natürlich auch auszustellen.
Der Spieler bzw. die Spielerin hat zweitens die Wahl, eine klassische Schachpartie zu spielen oder zum Beispiel eines der Minigames, die durchaus kreative Übungen auf dem Schachbrett darstellen. Hier muss man in einer vorgegebenen Zugzahl ein Problem lösen. Es ist sogar möglich, eine bzw. zwei Kampagnen zu spielen, in der man in mehreren Schritten verschiedene Aufgaben lösen muss. Ich persönlich hatte durchaus Spaß, diese zu bearbeiten. Dieser Kampagnenmodus ist – so kann man es wohl zusammenfassen - ein nettes Angebot für eine kurze Schachvariation nebenbei.
Weiterhin können auch 2 Spieler direkt an einem PC oder online über Windows-Live gegeneinander antreten, wozu man einen Account benötigt (diese Spieloption habe ich aber nicht ausprobiert).
Drittens will ich auch die durchaus bemerkenswerten „Battlegrounds“-Modi anmerken, die sich „Duell“ und „Slasher“ nennen. Hier hat der Spieler die Möglichkeit, auf dem Feld selbst mitzukämpfen, wenn eine Figur geschlagen wird. Beim „Duell“ geht es um Reaktionsgeschwindigkeit, Tasten bzw. Tastenkombinationen im richtigen Moment zu drücken um erfolgreich zu sein. Im „Slasher“-Modus schlägt man tatsächlich selbst per Mausklicks um sich um die gegnerische Figur zu unterwerfen. Hierdurch lassen sich dann entsprechende Materialvorteile, natürlich auch Verluste, erzielen. Damit verlässt das Spiel dann spätestens den „Köpfchenmodus“ – das mag zum Vorteil gereichen, aus schlechteren Stellungen eine bessere zu machen... Der Geist des eigentlichen Schachspiels wird aber nicht mehr getroffen. Letztlich ist es somit „Geschmackssache“, ob man sich in dieser Weise dem Schachspiel widmet – ich persönlich werde diese Spielmodi eher weniger nutzen, dafür aber vielleicht eher meine Kinder... Kurzum, Battle vs. Chess ermöglicht – so finde ich – einen durchaus kreativen Zu- und Umgang mit dem Schachspiel. Der große Vorteil ist, dass man sich die wesentlichen Spielelemente einstellen kann, je nachdem wie man es denn möchte. Der eingangs erwähnte versierte Schachspieler kann das starke Schachprogramm nutzen, um seriös zu spielen, sich Eröffnungshilfen bzw. Varianten geben zu lassen etc. Der Hobbyspieler oder Anfänger nutzt vielleicht das Tutorial um die Regeln zu lernen (in kurzer und knapper Art, finde ich gut gelungen!) oder lässt es auf dem Brett in anderer Weise „krachen“ – zum Beispiel im oben genannten „Slasher“-Modus. Der Umfang der animierten Umgebungen sowie der Aufgaben ist zwar begrenzt, aber das stört mich eher weniger – ein Nachteil ist allerdings, dass man laufende Partien bei Unterbrechung nicht abspeichern kann, bestimmte Stellungen eigener Wahl lassen sich ebenfalls nicht aufbauen. Dies alles sind natürlich wichtige Standardelemente, die die Schachprogrammkonkurrenz beinhalten.
Fazit: Spielt man gerne Schach, kann das Programm mit seinen oben beschriebenen Besonderheiten eine Alternative zu den etablierten Angeboten wie etwa die Fritz-Reihe bieten. Wie oben schon gesagt, es ist eben Einstellungssache!

Dr. Matthias Bergmann (Lehrer an einer Bielefelder Gesamtschule)