„Meine besten Partien“ – Wolfgang Uhlmann

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 18.11.2012
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: Weltklasseschach ChessBase GmbH, Hamburg; ISBN 978-3-86681-315-1, Preis 29,90 Euro

Wolfgang Uhlmann – wer kennt ihn nicht? Ich glaube jeder, der dem Schachvirus verfallen ist, weiß, welche Karriere der 1935 in Dresden geborene Schachgroßmeister und Schachtheoretiker am Brett im Laufe seines bewegten Lebens durchlaufen hat. Der mittlerweile 77-Jährige galt lange Zeit als absolutes Aushängeschild der ehemaligen DDR, legendenhaft sind seine 11 DDR-Meistertitel und seine hohe Quote an internationalen Turniersiegen, bzw. exzellenten Platzierungen. Nur das höchste Ziel – der WM-Titel – blieb für ihn (trotz Teilnahme an einem Kandidatenturnier) in unerreichbarer Ferne.
Bei der Schacholympiade 1964 in Tel Aviv belegte er mit der Mannschaft der DDR den ersten Platz in der Finalgruppe B. GM Uhlmann erreichte 83% der möglichen Punkte und erhielt eine Goldmedaille für das beste Resultat am ersten Brett. Von 1956 bis 1990 nahm er für die DDR elfmal an Schacholympiaden teil; wäre der Mannschaft nicht in der Zeit von 1974 bis 1986 durch den Deutschen Turn- und Sportbund die Teilnahme an Olympiaden untersagt worden, hätte die Bilanz noch erfolgreicher ausfallen können. Sicherlich eine traurige Lebensphase für den erfolgsverwöhnten gelernten Buchhalter.
Wolfgang Uhlmann ist auch Schachautor. Er ist einer der größten Experten der „Französischen Verteidigung“ und publizierte seit den 1980er Jahren auch in zahlreichen Schachzeitschriften. Die vorliegende DVD führt uns „Die besten Partien“ Uhlmanns vor, der bei der Präsentation seiner 20 schönsten Siege unterstützt wird durch den auch bei ChessBase sehr bekannten deutschen Großmeister Dr. Karsten Müller (s. auch seine bisher 10-teilige Endspielreihe). Die ausgewählten Höhepunkte seines schachlichen Könnens umfassen Partien gegen die folgenden Welt- und Großmeister:
Fischer, Botwinnik, Smyslov, Anand, Khalifmann, Geller, Speelmann, Larsen, Farago, Ujtumen, Padevsky, Kostro, Prandstetter, Schmidt, Schoene, Hamann, Unzicker, Osmanovic, Savon und Radulov.
Eingerahmt wird die Abfolge der Partien durch eine persönliche Einleitung, sowie ein Interview des Dresdners. Als „Sahnehäubchen“ beigefügt sind alle 3.450 Schachpartien Uhlmanns, die er in seinem erfolgreichen Schachleben gespielt hat. Eine Handvoll Zusatzvideos mit netten Anekdoten zu exponierten Schachgrößen / Vorbildern des GM und auch seine Reiseerlebnisse („Wo ist mein Gepäck?“) dürfen auf einem solchen Datenträger natürlich nicht fehlen.
So weit, so gut – eigentlich müsste man nun meinen, dass alles Wichtige zur Silberscheibe gesagt worden wäre. Leider nein, es bleiben noch einige Details anzumerken, die mir ein wenig die Freude am Dargebotenen genommen haben.
Nichts gegen die Qualität der ausgewählten Partien, aber wie die beiden Großmeister in den Videos agieren, darf nicht unkommentiert hingenommen werden. Man merkt dem 77-Jährigen bisweilen doch an, dass die Zeit für ihn nicht stehen geblieben ist. Kleinere Black-Outs, suchendes, fast ein wenig hilfloses Blättern in Unterlagen und Aufzeichnungen, Verwechslungen von Orten, Gegnern und sogar Zugfolgen trüben den positiven Einstieg. Karsten Müller bemüht sich während der gesamten Zeitdauer, Uhlmann zu bremsen (damit evtl. der Zuschauer eigene Gedanken zu den Brettpositionen entwickeln kann) – das dauert jedoch nur wenige Sekunden und weiter geht’s......
Lehrmeisterhaft korrigiert Müller Jahreszahlen („nein, nein, das war nicht 1966, das war...“), fällt seinem Partner zu oft heftig in die Parade und unterbricht ihn abrupt, ein Blickkontakt zu seinem Mit-Moderator fehlt gänzlich – beide bemühen sich, den Blick steif und starr auf den Monitorbildschirm oder das Konzeptpapier zu richten und weder Zuschauer noch jeweiligen Sitznachbar eines einzigen Blickes zu würdigen. Man spricht gleichzeitig, ohne dass der Betrachter noch eine Chance zum Folgen hat – ab und an ein hektischer Blick auf die Armbanduhr...... das ist Darstellungs-„qualität“, wie ich sie nicht haben möchte. Natürlich geht es um die Glanzlichter des Uhlmann‘schen Schachlebens, aber warum um alles in der Welt kann das nicht genauso glänzend umgesetzt werden? Auf anderen DVDs aus dem Hause ChessBase gelang dies doch auch angemessen, als Gegenbeispiele möchte ich die Veröffentlichungen von Helmut Pfleger („Die schönsten Partien der Schachgeschichte, Bd. 1 – 3“) oder Yasser Seirawan („My Best Games“) benennen, die zwar auch kein reines Schachtraining beinhalten, aber dem Unterhaltungsanspruch von Schachbegeisterten viel besser entsprechen.

Systemvoraussetzungen:
Pentium Prozessor 300 MHz oder besser, 64 MB RAM, Windows XP, Vista, Windows 7, Maus, DVD-ROM-Laufwerk und Soundkarte.

Fazit:
Wer Schachentspannung sucht, wird sich an den Partien dieser DVD sicherlich erfreuen. Die Personen und die Präsentation sind in dieser Form sicherlich mehr als gewöhnungsbedürftig. Schade, hier wurde durch den Hersteller eine bessere, genussvollere Darstellung versäumt.
Danke an ChessBase für das Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)