„Das Schachbuch für Einsteiger“ – Klaus Bischoff

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 18.11.2012
 Auf Amazon.de kaufenRegeln – Taktik – Übungen
ChessBase GmbH, Hamburg; Oktober 2012 ISBN 978-3-86681-251-2, Preis bei Amazon 19,90 Euro

Der vorliegende Schachlehrgang von Großmeister Klaus Bischoff ist ein wenig anders gestaltet als die meisten Trainingsmedien aus dem Hause ChessBase. In diesem Fall dürfen wir getrost von sogenannter „Bookware“ sprechen. Einem knapp 50 Seiten umfassenden Büchlein liegt eine entsprechende DVD bei – das darf man gerne auch umgekehrt sehen (der DVD liegt ein Büchlein bei). Aber sei’s drum: der zu beurteilende Artikel richtet sich an den absoluten Neueinsteiger in die Welt des Königlichen Spiels.
Bischoff vermittelt Grundlagen in der Form, die seiner Meinung nach der Beginner braucht. Brettlayout, Koordinaten, Figuren, ihre Gangart, ihren Wert, Rochade, Definitionen von „Schach“, „Matt“, „Remis“, aber auch Eröffnung und Endspiel. Unser GM erläutert ergänzend grundlegende taktische Motive (Spieß, Gabel, Fesselung, Opposition, Abzugsschach), erklärt das einfache Mattsetzen (mit Doppelschach oder Dame, Turm, Narrenmatt, Schäfermatt, ersticktes Matt) und führt uns am Ende seines Einführungstrainings noch eine der berühmtesten Partien zwischen Bobby Fischer und Boris Spassky (Reykjavik, 1972) als ausführlich analysiertes Lehrbeispiel vor Augen.
Das Konzept scheint durchdacht: nach jedem der 13 Kapitel, bzw. jeder Vortragssequenz zu einzelnen Themenbereichen (mit 14 Videos [inkl. Partie Fischer – Spassky] in einer Gesamtlänge von 3,5 Stunden) folgen etliche Aufgabenstellungen für den Anfänger, die das Gelernte durch Auswahl der geeigneten Züge auf dem Brett überprüfen sollen. Um dieses Prozedere umsetzen zu können, benötigt man das der DVD beigefügte Modul „Fritz Schachprogramm für interaktives Üben“, was sich aber genauso gut mit dem ChessBase Reader oder anderer Schachsoftware wie zum Beispiel der Fritz-Software-Reihe oder der Datenbank ChessBase nachvollziehen lässt. Interessant in diesem Zusammenhang ist vielleicht auch noch der dreimonatige kostenlose Zugang zum weltgrößten Schachserver „Schach.de“.

Systemvoraussetzungen:
Pentium Prozessor, Windows XP (SP3), Vista, Windows 7, Maus, DVD-ROM-Laufwerk und Soundkarte.

Fazit:
Dieses Werk ist wirklich nur für den absoluten Neubeginner geeignet – niemand, der schon Schach spielen kann, wird dem Lehrgang wissenswerte Neuheiten entnehmen können. Wenn allerdings mit dem Begriff „Neubeginner“ auch Kinder und Jugendliche gemeint sein sollten, passt die fachbezogene, anspruchsvolle Terminologie von Klaus Bischoff nicht dazu – auch wenn sie sprachlich absolut ausgefeilt ist. Mancher Heranwachsende wird eventuell nicht verstehen, welche Absichten und Lehr-/Lernschritte im Raum stehen und wenn er/sie auch noch „gesiezt“ wird, spürt der junge Mensch, dass er eigentlich gar nicht gemeint ist.
Seltsam auch, warum sich der Großmeister zu Aussagen verleiten lässt, wie z. B. sinngemäß „Läufer auf a1 und b1 nennt man Horowitz-Läufer – aber das brauchen Sie sich nicht unbedingt zu merken!“ oder „das ist die Tartakower-Variante – aber das ist hier auch nicht entscheidend für Sie, können Sie getrost wieder vergessen...“. Wenn es wirklich unwichtig ist, hätte ich es auch nicht geäußert. Der Anfänger wird schon genug mit den Grundlagen zu tun haben, als sich auch noch Varianten-Namen einzuprägen, die seinen Lerndefiziten im Kernbereich des Schach nicht abhelfen können.
Danke an ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar, das dem erwachsenen Lernenden, der in die Welt des Schach neu eintauchen möchte, durchaus hilfreiche Dienste leisten kann.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)