Sam Collins „Lerne aus den Offenen Spielen“ - englischsprachig

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 13.01.2013
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: fritztrainer eröffnung (englischsprachig) Chess Base GmbH, Hamburg – ISBN 978-3-86681-312-0, Preis 27,90 Euro

Der aus Irland stammende Internationale Meister Sam Collins ist als Schachtrainer, sowie Autor zahlreicher Eröffnungsbücher und gleichartiger DVDs im Hause ChessBase wohl bekannt. Dass er als Schachexperte auch am Brett über die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten verfügt, darf als gegeben vorausgesetzt werden. Die bei dieser Rezension vorliegende (leider wieder einmal nur) englischsprachige DVD beschäftigt sich ausführlich mit Eröffnungsabspielen zu den sog. „Offenen Spielen“ (1. e4 e5, ECO-Codes C20 – C99), womit sie ein weites Terrain betritt, das bereits von manchem Experten untersucht / analysiert wurde. Wollen wir doch nun einmal im Folgenden betrachten, was uns Collins anzubieten hat.
Gleich zu Beginn des Schachlehrgangs, dem wie immer der kostenlose ChessBase-Reader als Abspielsoftware beiliegt, weist der Ire darauf hin, dass auf diesem Datenträger quasi eine Kombination aus „good games and my games“ vorgestellt wird, wobei mir nicht klar ist, ob sich das nun gegenseitig ausschließt oder nur belegen soll, dass auch Collins einige „good games“ gespielt hat. Aber diese kleine Randnotiz ist nicht völlig ernst gemeint...
Das Training ist unterteilt in 22 Kapitel (plus einer Einführung), die man aufgrund der recht gut verständlichen Sprache problemlos verfolgen kann. In jedem dieser Abschnitte finden wir eine Partie, die exemplarisch vorgestellt und anschließend sehr ausführlich bei einer Gesamtspielzeit von etwa 4 Stunden für alle Präsentationen analysiert wird. Die Auswahl der Partiebeispiele zeugt wie so oft bei ChessBase-DVDs von hoher Expertenqualität: Ponomariov, Bronstein, Keres, Carlsen, Beliavsky, Nakamura, Adams, Radjabov, Short, Kramnik, Spassky und natürlich Collins „himself“ zeigen neben anderen hochrangigen Spielern sehenswerte Partien zum Thema „Offene Spiele“. Mit Ausnahme von drei Partien stammen alle übrigen aus der Zeit zwischen 2003 – 2012 und können somit als durchaus zeitgemäß und in ihren Analysen der modernsten Theorie entsprechend angesehen werden. Die Themenpalette reicht von Abtausch, Gambits, Opferspiel, ungleichfarbigen Läufern, Einschränkung gegnerischer Figuren, Mittelspiele ohne Dame, bis letztlich hin zu den Endspielen der gewählten Einzelbilder.
Die wichtigsten Varianten, die zum Tragen kommen, will ich keinesfalls unterschlagen. Es geht konkret um: die Spanische Partie (Haupt- und Abtauschvariante), das Tschigorin-System (incl. Abweichungen), die Archangelsk- und Möller-Variante, die Berliner Verteidigung, das Jänisch Gambit, die Schottische Partie, das Schottische Vierspringerspiel, die Italienische Partie (Hauptvariante), das Zweispringerspiel, das Vierspringerspiel, bzw. auch Rubinstein-Variante genannt und Königsgambit (Moderne Variante). Wer diese Partienfolge intensiv abarbeitet, kann sicherlich auf manche neuen Erkenntnisse zugreifen, wenn man sich bisher noch nicht als klassischen Experten in den „Offenen Spielen“ bezeichnen konnte.
Systemanforderungen: Pentium-Prozessor mit 300 MHz o. besser, 64 MB RAM, Windows XP, Vista oder Windows 7, DVD-ROM-Laufwerk, Maus und Soundkarte.
Fazit: Eine handwerklich gut gemachte DVD aus der „30-Euro-Klasse“, deren Zielrichtung und Intention manchem Schachfreund sowohl für das Spiel mit den weißen als auch den schwarzen Steinen durchaus gut passen könnte. Wer „Offene Spiele“ liebt und gerne unterschiedliche Analysen verschiedener Experten einholen möchte, kann mit dem Lehrgang in seiner Sammlung an Übungsmaterialien sicher etwas anfangen. Ob man die Software haben muss (!), vermag ich letztlich nicht zu entscheiden. Brauchbar ist sie auf jeden Fall.

Danke an ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)