Sam Collins „Das angenommene Damengambit“ - englischsprachig

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 15.01.2013
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: fritztrainer eröffnung (englischsprachig) Chess Base GmbH, Hamburg – ISBN 978-3-86681-313-7, Preis 27,90 Euro

Sam Collins – erfolgreicher Schachtrainer, Autor zahlreicher Eröffnungsbücher und gleichartiger DVDs beim Hamburger Giganten für Schachsoftware, Experte am Brett, 6-maliger Teilnehmer für Irland bei Schacholympiaden – möchte bei diesem Lehrgang etwas für den Spieler / die Spielerin mit den schwarzen Steinen tun. Das angenommene Damengambit soll als ein Erfolg versprechendes Repertoire für Schwarz dienen. Wenn dem allerdings grundsätzlich immer so wäre, würde höchstwahrscheinlich niemand mehr das Damengambit mit den weißen Steinen beginnen und jeder sofort nach der Annahme des solchen die Partie als Weißer aufgeben. Das wäre jetzt aber unerlaubte Schönfärberei, deshalb sollen die folgenden Ausführungen ein wenig untersuchen, wie viel Potential denn in den Analysen des Internationalen Meisters steckt.
Das angenommene Damengambit entsteht nach den üblichen Zugfolgen 1. d4 d5 2. c4 dxc4, zählt zu den geschlossenen Spielen (ECO-Codes D20 bis D29) und war für den hoch geschätzten Schachkönner Siegbert Tarrasch verpönt, sowie minderwertig, weil Schwarz mit seinem 2. Zug das Zentrum preisgab – nach Tarrasch ein Kardinalfehler. Somit wurde in der Vergangenheit bedingt durch Tarraschs starken Einfluss auf die Theorie diese Variante selten gespielt – meist wurde das Damengambit vom Nachziehenden abgelehnt. Das führte andererseits dazu, dass der Schwarze bei Ablehnung seinen Damenläufer selten bis auf g4 entwickeln konnte, eine Konsequenz, die u. a. Steinitz – der das angenommene Damengambit gerne spielte – umging, indem er den weißen Damenbauern nachfolgend isolierte und somit spürbar schwächte. Der Versuch, den gewonnenen Gambitbauern auf c4 zu verteidigen (z. B. mittels 3. ... b5), scheitert an der nachfolgenden Schwächung des schwarzen Damenflügels.
Sam Collins beschränkt sich auf dieser DVD auf eine für ihn wesentlich stringentere (und sehr wahrscheinlich erfolgversprechendere) Form der Fortsetzung für Schwarz, indem er den Damenläufer aktiv auf g4 postieren will. Damit verzichtet er auf ein logisches Analysieren des klassischen Hauptabspiels, um den Fokus nahezu ausschließlich auf seine persönliche Priorität zu legen. Viele aktuelle Welt- und Großmeister gaben ihm recht und spielen diese Fortsetzung regelmäßig mit Vorliebe. Daraus ergeben sich häufig große Ähnlichkeiten zu Stellungen wie bei der Nimzoindischen oder Slawischen Verteidigung, wobei der irische IM ergänzend darauf abzielt, Weiß zu blockieren und sich einer gewinnbringenden Strategie, die auf den weißen Feldern basiert, zuzuwenden.
Auf dem Datenträger liegen in 5 sogenannten „Sektionen“ (= Kapiteln) insgesamt 18 Partiebeispiele mit einer Gesamt-Videolaufzeit von ca. 3 ½ Stunden vor – wie immer ist als Abspielhilfe der kostenlose ChessBase-Reader dabei, der sich auch, wie hinlänglich bekannt, durch andere ChessBase- oder Fritz-Software ersetzen lässt. Als Schachkönner stehen uns dieses Mal eine Vielzahl an GM mit ELO-Werten zwischen ca. 2400 bis ca. 2750 zur Verfügung.

Die themenbezogen analysierten Stellungen haben folgende Schwerpunkte in ihren Zugfolgen:
Kapitel 1: 1. d4 d5 2. c4 dxc4 3. Sf3 Sf6 4. e3 Lg4
Kapitel 2: 1. d4 d5 2. c4 dxc4 3. e3 e5 4. Lxc4 exd4 5. exd4 Sf6 6. Sf3 Ld6
Kapitel 3: 1. d4 d5 2. c4 dxc4 3. e4 Sc6
Kapitel 4: 1. d4 d5 2. c4 dc4 dxc4 3. Sf3 Sf6 4. Da4+

Obwohl damit – wie bereits gesagt – lediglich ein kleiner Ausschnitt aus dem Gesamtrepertoire behandelt wird, ist die Auswahl Collins‘ sehr durchdacht und wohlbegründet. Wer Erfolg mit dem angenommenen Damengambit haben will, sollte sich dieser Abspiele wohl bewusst sein.
Systemanforderungen: Pentium-Prozessor mit 300 MHz o. besser, 64 MB RAM, Windows XP, Vista oder Windows 7, DVD-ROM-Laufwerk, Maus und Soundkarte.
Fazit: Das vorgestellte „angenommene Damengambit – Repertoire für Schwarz“ wirkt solide und in seiner Darbietung verlässlich. Ob man es konsequent als Hauptvariante spielen sollte, möchte ich offen lassen, weil sich im Zentrum zu viele Eventualitäten sowohl für Weiß als auch für Schwarz einstellen können. Als Überraschungseffekt halte ich die vorgestellten Analysen für wesentlich sinnvoller. Hier kann der fortgeschrittene Spieler seinem ebenbürtigen Gegner durchaus Unannehmlichkeiten verschaffen. Damit ist die DVD für jeden Interessenten mehr als nur einen einzelnen Blick wert.
Danke an ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)