ChessBase 12 – Wissen ist Matt

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 15.01.2013
 Auf Amazon.de kaufen(ChessBase GmbH, Hamburg) erschienen Ende 2012; ISBN: 978–3–86681–349–6 [Das Download-Paket kostet 99,90 Euro, das Update von ChessBase 11 ebenfalls 99,90 Euro, das Start-Paket 179,90 Euro, das Mega-Paket 269,90 und schließlich das Premium-Paket 369,90 Euro.]

Die Philosophie des Hamburger Schachgiganten ChessBase gilt weiterhin: ca. alle 2 Jahre folgt eine neue Ausgabe der Schachdatenbank ChessBase – mittlerweile sind wir bei der Version 12 angelangt. Aufgrund der enormen Vielzahl der angebotenen Varianten möchte ich diese Betrachtung daher mit einer Leistungsübersicht, bzw. dem -umfang der jeweiligen Fassung beginnen:

ChessBase 12 – Download-Paket:
• ChessBase 12 Datenbank-Programm
• Zugang zur ChessBase-Onlinedatenbank (über 6,4 Mio. Partien)*
* Der Datenbank-Zugriff endet am 31.12.2015

ChessBase 12 – Update von ChessBase 11
• ChessBase 12 Datenbank-Programm
• Zugang zur ChessBase-Onlinedatenbank (über 6,4 Mio. Partien)*
• Zugang zu „Let’s Check“ und „Engine Cloud“**
* Der Datenbank-Zugriff endet am 31.12.2015
**) Voraussetzung: Gültiger „schach.de“-Zugang

ChessBase 12 - Start Paket
• ChessBase 12 Datenbank-Programm
• Big Datenbank 2013
• Partiedownload bis 31. Dezember 2013
• Zugang zur ChessBase-Onlinedatenbank (über 6,4 Mio. Partien)*
• Zugang zu „Let’s Check“ und „Engine Cloud“**
• Halbjahresabonnement ChessBase Magazin (3 Ausgaben DVD + Heft)***
*) Datenbank-Zugriff endet am 31.12.2015
**) Voraussetzung: Gültiger „schach.de“-Zugang
***) Das Abonnement verlängert sich jeweils um ein Jahr (6 Ausgaben für 99,70 Euro), wenn Sie nicht 1 Monat vor Ende der Laufzeit das Abo kündigen.

ChessBase 12 - Mega Paket
• ChessBase 12 Datenbank-Programm
• Mega Datenbank 2013
• Partiedownload bis 31. Dezember 2013
• Zugang zur ChessBase-Onlinedatenbank (über 6,4 Mio. Partien)* • Zugang zu „Let’s Check“ und „Engine Cloud“**
• ChessBase Magazin Jahres-Abo (6 Ausgaben)***
*) Datenbank-Zugriff endet am 31.12.2015
**) Voraussetzung: Gültiger „schach.de“-Zugang
***) Das Abonnement verlängert sich jeweils um ein Jahr (6 Ausgaben für 99,70 Euro), wenn Sie nicht 1 Monat vor Ende der Laufzeit das Abo kündigen.

ChessBase 12 - Premium Paket
• ChessBase 12 Datenbank-Programm
• Premium-Mitgliedschaft auf „schach.de“ (für 1 Jahr)
• Mega Datenbank 2013
• Partiedownload bis 31. Dezember 2013
• Zugang zur ChessBase-Onlinedatenbank (über 6,4 Mio. Partien)*
• Zugang zu „Let’s Check“ und „Engine Cloud“**
• ChessBase Magazin Jahres-Abo (6 Ausgaben)***
• ChessBase Fernschachdatenbank 2013
• Endgame Turbo 3 (9 DVDs)

*) Datenbank-Zugriff endet am 31.12.2015
**) Voraussetzung: Gültiger „schach.de“-Zugang
***) Das Abonnement verlängert sich jeweils um ein Jahr (6 Ausgaben für 99,70 Euro), wenn Sie nicht 1 Monat vor Ende der Laufzeit das Abo kündigen.

Bei den letztgenannten drei Varianten gilt Obacht bei der rechtzeitigen Kündigung des Abonnements, ansonsten laufen die jährlichen Kosten von 99,70 € weiter. Ich denke, an dieser Stelle kann jede(r) Interessent/-in für sich abwägen, was ihm / ihr wie viel wert ist.
Zwei der sogenannten „Gretchenfragen“ dürften (wie so oft) lauten: „Was sind die Unterschiede zur Vorversion? Lohnt sich ein Kauf?“ Die zweite Frage lässt wie bisher beantworten: alle, die mehr als nur „Spaß“ am Spiel haben wollen, werden ohne eine derartige Datenbank und Unterstützung etwas Entscheidendes vermissen – dem Neueinsteiger in die Materie des Schachs wird mit diesem Giganten nicht wirklich geholfen, weil er / sie den enormen (!) Leistungsumfang der Datenbank mit all ihren Möglichkeiten auch nicht im Entferntesten ausnutzen kann.
Kommen wir nun zu den Unterschieden zur Vorversion:

• als Erstes lässt sich feststellen, dass die Oberfläche von „ChessBase 12“ nahezu unverändert geblieben ist – niemand muss sich umstellen, wieder neue haptische Erlebnisse verarbeiten oder etwa häufig genutzte Funktionen an fremden Stellen suchen – ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt (Huch, das war ja gar kein Unterschied!).
• Schon bei der Installation erkennt die Software, ob sie auf einem 32- oder einem 64-bit-Betriebssystem läuft und entscheidet sich sofort für die entsprechende Version, was dazu führt, dass ab 4 GB Speicher eine erhebliche Geschwindigkeitssteigerung bei jeglicher Suche in der Datenbank gegeben ist.
• Die Engine Cloud ist sogar besser als in Fritz 13 : Mehrere Brettfenster können parallel ohne Leistungsverlust mit je einer Cloud-Engine analysieren – die bislang aufwändigste und genaueste aller bisher bei ChessBase verfügbaren Möglichkeiten.
• Das Programm verfügt über eine tiefe Stellungsanalyse, d. h. es rechnet unendlich lange an einer Stellung und erzeugt übersichtliche Analysebäume der besten Varianten und Entgegnungszüge, was als wesentliche Weiterentwicklung gegenüber der Stellungsanalyse in Fritz gedeutet werden kann.
• Das Spielerlexikon ist mittlerweile sogar online verfügbar und kann bei vorliegender Internetverbindung quasi „live“ genutzt werden. Natürlich ist auch die bewährte Variante des auf der eigenen Festplatte verfügbaren Lexikons erhalten geblieben.
• Man kann mit „ChessBase 12“ nach ähnlichen Endspielen suchen, diese werden sortiert nach verschiedenen Parallelitäten. Beispielsweise werden Bauernstrukturen (Freibauern, blockierte Bauern, verbundene Bauern, Bauernketten, Bauerninseln, „Isolanis“, rückständige Bauern) und relevante Positionierung der Figuren (Türme hinter Freibauern, Turm beschneidet König, König im Quadrat, etc.) erkannt. Auf aktuellen Multiprozessorsystemen spielt die Software ihre enormen neuen Fähigkeiten unter Ausnutzung der 64-bit-Umgebung voll aus.
• „ChessBase 12“ sucht aber auch nach ähnlichen Mittelspielstrukturen; es findet alle vergleichbaren Bauernstrukturen aus der jeweiligen Datenbank, sortiert nach Ähnlichkeiten der Stellung. Es erkennt verwandte Positionen von Figuren (Türme auf offenen Linien, Dame oder Läufer auf gleicher Diagonale, Stellung der Könige). Nicht nur hier nutzt das Programm die 64-bit-Umgebung zu schnellsten Recherchen.
• Die nunmehr implementierte „Let's Check-Analyse“ gibt in Kurzform Fehler und Kombinationen kommentiert aus. Man erhält Zugriff auf die weltweit größte Analyse-Datenbank mit mehr als 5 Millionen Stellungen. Aktuell gespielte Partien mit besonderer Ausstrahlungskraft und Klasse (schwerpunktmäßig von gegenwärtigen Großmeistern) liegen bereits meist am folgenden Tag vollständig analysiert in „Let's Check“ vor. Bei dieser Betrachtung werden erkannte Fehler und Kombinationen mit Kurzanmerkungen im Stil eines menschlichen Kommentators zeitnah versehen.
• Bei zu untersuchenden Eröffnungsvarianten werden tagesaktuelle Partien aus der Onlinedatenbank verwendet. Man sieht deutlich, dass ChessBase noch mehr als bisher die Möglichkeiten der permanenten Anbindung ans Internet nutzen möchte.
• Das Chess-Media-Fenster erscheint im neuen Look und erlaubt durch sein besseres Layout für eine noch größere Videodarstellung – kapitelweises Springen im Stream ist möglich, was die Bedienung noch mehr vereinfacht.
• Es liegen Optimierungen der CPU-Zahl bei Engines vor: die Voreinstellungen der Core-Zahl sind so gewählt, dass eine einzelne Engine nicht mehr den ganzen Rechner blockieren kann (wie noch teilweise in ChessBase 11).
Sicherlich würden sich bei noch intensiverer Suche weitere nennenswerte Neuerungen dokumentieren lassen, jedoch bin ich schon so vom Gebotenen begeistert. Meines Erachtens ist hervorzuheben, dass sich der Hamburger Produzent nicht lediglich auf „Facelifting“ der Oberfläche beschränkt hat, sondern dass sich die gesamte Palette der Veränderungen quasi „unter der Motorhaube“ abspielt und das kann nicht hoch genug eingeschätzt werden – ein Porsche, der lediglich eine neue Farbe bekäme, ist keiner so großen Innovation ausgesetzt, als ob an den richtigen Stellen des Motors oder des Getriebes geschraubt würde.

Systemvoraussetzungen:
Minimal: Pentium III 1 GHz mit 1 GB RAM, Windows Vista, XP (Service Pack 3), DirectX9-Grafikkarte mit 256 MB RAM, DVD-ROM Laufwerk, Windows-Media Player 9, Internetzugang für Aktivierung, Zugriff auf Online-Datenbank, „Let’s Check“, Engine-Cloud und Updates
Empfohlen: PC Intel Core i7 2,8 GHz mit 4 GB RAM, Windows 7 (64 Bit), Windows 8 (64 Bit), DirectX10-Grafikkarte (oder kompatibel) mit 512 MB RAM oder mehr 100% DirectX10 kompatible Soundkarte, Windows Media Player 11, DVD ROM Laufwerk, Internetzugang für Aktivierung, Zugriff auf Online-Datenbank, „Let’s Check“, Engine-Cloud und Updates

Fazit:
ChessBase hat anscheinend seine Hausaufgaben gemacht: kein unnötiger Schnick-Schnack, keine willkürlichen Veränderungen am Layout der Oberfläche, sondern die Verantwortlichen hatten dieses Mal ein ganz besonderes Ohr für die weltweiten Kunden. Unter der Oberfläche lag der Schwerpunkt der Neuerungen, nicht bei Marketingstrategien basierend auf schnöden Äußerlichkeiten. Für Vereinsspieler und Profis dürfte die Fragestellung „kaufen oder nicht“ am leichtesten zu beantworten sein: wer alle modernen Möglichkeiten des internetgestützten Schachspiels bei seinen Analysen auskosten möchte, der muss kaufen, zumal die Preispolitik des Hamburger Schachriesen aktuell für die Interessenten verträglich ausgefallen ist – keine wesentlichen Preissprünge! Einem Neuling oder jemandem, der das Schachspiel erst kennenlernen will, kann ich auch bei dieser Rezension nur vorsichtshalber raten, mit der Anschaffung zu warten und sich erst einmal zu fragen, ob er das Schachspiel seriös weiterbetreiben möchte, um dann ggf. nachfolgend einen Kauf in Erwägung zu ziehen. Wenn die Entscheidung dann lautet, ich brauche eine Schachdatenbank, kann man am aktuellen Produkt absolut nicht vorbeigehen, wobei man die unterschiedlichen Umfänge der Versionen im Auge behalten sollte. Nicht jeder benötigt sofort und ausschließlich die Premium-Variante.

Danke an ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)