Daniel King - Power Play 18 – Sizilianisch Najdorf – Ein Schwarzrepertoire

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 22.02.2013
 Auf Amazon.de kaufen aus der Reihe: fritztrainer power play Chess Base GmbH, Hamburg – ISBN 978-3-86681-294-9, Preis 29,90 Euro (Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt durch Euro Schach Dresden unter www.euroschach.de)

Gesetzt den Fall, man bekäme die drei Namen Andrew Martin, Daniel King und Nigel Davies als Führende in einem Ranking das Schachspiel betreffend genannt, an was würde der interessierte Schachfreund dann denken?

Richtig vermutet! – Diese drei liegen ganz vorne an der Spitze der Schachexperten, die für den Hamburger Schachanbieter ChessBase als Autoren / Moderatoren immer wieder neues Lehr- und Lernmaterial produzieren. Martin hat es mittlerweile (Februar 2013) auf 38 Veröffentlichungen, King auf 31 und Davies auf 29 gebracht. Eine bemerkenswerte Ausdauer verbunden mit hoher Qualität – interessant am Rande: alle drei sind Engländer!

Ganz besonders ragt aus den Werken dieser Experten sicherlich der kontinuierlich ausgebaute Zyklus Daniel Kings mit Namen „Power Play“ hervor, von dem aktuell die 18. Ausgabe verfügbar ist. Der fast 50-jährige Engländer hat sich mit all seinen Themen wahrlich ein „Fleißkärtchen“ verdient und nicht nur die Quantität, sondern vor allem die Qualität des Gebotenen haben mich immer wieder aufs Neue gefesselt und begeistert.

Seine ganze Klasse zeigt er ergänzend als Kommentator hochrangiger Schachevents (z. B. bei Weltmeisterschaften, Schacholympiaden) im Fernsehen, Radio, Internet, auf Schachservern. Seine Ausstrahlung, sein kommunikatives Wesen, das nie belehrend wirkt, pädagogisch wirksame Elemente auf seinen DVDs und vor allem die Fähigkeit, sich dem Publikum auch deutschsprachig darzustellen, tragen sicherlich zu seiner großen Beliebtheit gerade in Deutschland bei.

„Power Play 18“ erscheint mit einem aktualisierten ChessBase-Reader, bei dem ein kleines „Face-Lifting“ betrieben wurde, der jedoch meinen ersten Eindrücken zufolge auch ein wenig träger dadurch geworden ist. Aber wie sagt man schon seit jeher? „Einem geschenkten Gaul...“ Jedenfalls ist diese kostenfreie Software – neben den etablierten großen, teuren Datenbanken und Schachoberflächen – durchaus in der Lage, den multimedialen Charakter der DVD für die meisten Schachbegeisterten sicht- und hörbar zu machen. Sehr ärgerlich ist jedoch die Tatsache, dass durch dieses Update die Seriennummer, die Aktivierung und auch die Pfade der installierten Datenbanken oder Eröffnungsbücher von „ChessBase 12“ gelöscht, bzw. überschrieben werden, so dass man aufwändig die Registrierung, Aktivierung und Pfadanpassungen manuell wieder anpassen muss --- das hätte nun wirklich nicht sein dürfen!!! Es hat zwar nichts mit dem DVD-Training selber zu tun, aber solch ein gravierender Fehler darf ChessBase nicht unterlaufen, da muss ich in der Qualität deutliche Minuspunkte vergeben.

Zurück zum eigentlichen Thema: Daniel Kings Trainingsprogramm umfasst insgesamt 32 Kapitel mit Partiebeispielen (inkl. Einleitung und Schlusswort) mit einer Laufzeit der Video-Clips von ca. 5 ¾ Stunden. Die auf dem Datenträger tätigen Protagonisten des Schachsports sind erlesene Koryphäen ihrer Zunft, wie z. B. Averbakh, Petrosian, Efimenko, Fischer, Berelowitsch, Guliyev, Adorjan, Ribli, Nedev, Gajewski, Papaioannou, Areshchenko, Shirov, King, Ivanchuk, De Firmian, Ftacnik, Tal, Savchenko und Ju, um nur diejenigen WM / GM zu nennen mit einem Wert über 2500 ELO-Punkten. Elf der ausgewählten Themenpartien können als überaus aktuell bezeichnet werden, da sie den Jahren 2011 und 2012 entstammen.

Der Titel des King’schen Lehrgangs lässt erkennen, dass sein Hauptaugenmerk bei der Najdorf-Variante des Sizilianers auf dem Spieler mit den schwarzen Steinen liegt; bestätigt in seiner Absicht wird er durch die glänzenden Analysen und Resultate der bis dato unangefochtenen Spitzenspieler Carlsen, Anand, Kasparov, Kramnik, Karpov, Spassky, Tal, Petrosian, Smyslov und Fischer, die allesamt diese einerseits kompromisslose, aber andererseits gut strukturierbare Eröffnung zu einem wesentlichen Bestandteil ihres Schwarzrepertoires gemacht haben. Es bleibt für mich lediglich eine Frage offen: „Warum wurden mit nur zwei Ausnahmen keine Partiebeispiele dieser absoluten Top-Experten auf der DVD untergebracht?“ Vielleicht ein Unterlassungsfehler, der aber keineswegs die dennoch sehr hohe Qualität der Videovorträge schmälert.

Die in den einzelnen Beispielen analysierten Partien werden von King quasi „filettiert“ bis ins kleinste Detail. Sein Konzept geht von dem Ansatz aus, dass er uns für jeden sinnvoll denkbaren sechsten weißen Zug ein System für den Schwarzspieler entwickelt, aus dem sich vor allem auch durch abwartendes und positionelles Vorgehen, eine oft erfolgreiche Partieführung ermöglichen lässt. Dabei lernen wir u. a. das Karpov-System kennen, einige Nebenvarianten nach 6. ... e5, den Englischen Angriff (in Verbindung mit Nebenvarianten) nach 6. Le3, den Fischer-Sozin-Angriff nach 6. Lc4, sowie Abspiele nach 6. Lg5. Die King’schen Analysen bürgen für erste Qualität. Es lohnt auf alle Fälle, jede der auf der DVD vorhandenen Partien zu betrachten und (wie vom Engländer immer wieder vorgeschlagen) am Brett (!) nachzuspielen – greifen und begreifen haben viel miteinander zu tun!

Systemanforderungen:
Pentium-Prozessor mit 300 MHz o. besser, 64 MB RAM, Windows XP, Vista, Windows 7 oder 8, DVD-ROM-Laufwerk, Maus und Soundkarte; die Videos sind auch mit PocketFritz 4 abspielbar.

Fazit:
Die Trainings-DVD „Power Play 18 – Sizilianisch Najdorf – ein Schwarzrepertoire“ reiht sich sehr gut in die bisher veröffentlichten Ausführungen des englischen Großmeisters Daniel King ein. Für mich persönlich liefert er bereits seit seiner ersten Ausgabe dieser Themenreihe qualitativ hochwertiges, pädagogisch sinnvoll strukturiertes Schulungsmaterial. Zielgruppe bei dieser Silberscheibe ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der routinierte Vereinsspieler, aber auch der in der Najdorf-Variante noch Unerfahrene, der sich in der Auswahl seines Schwarzrepertoires durch das Verständnis positionsbezogener Prinzipien zu einer gut strukturierten und dennoch einfach zu verstehenden Eröffnung führen lassen möchte, die den Spieler / die Spielerin durchaus über das Mittelspiel bis hin zum Endspiel geleiten kann.

Wenn dann der Hamburger Anbieter ChessBase in Zukunft noch mehr Sorgfalt auf die Gestaltung seiner Begleitprodukte (hier: ChessBase-Reader) legt, kann man zu einem Kauf wie so oft raten. Daniel King jedenfalls hat solche Bewertungseinbußen nicht zu verantworten.

Nochmals danke an die Firma Euro Schach Dresden für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)