Grundkurs Schach – Andreas Hauschild

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 13.04.2013
Schachtrainerlehrgang für die Klassen 5 und 6; JugendSchach Verlag in Kooperation mit Deutsche Schachjugend und Euroschach Dresden; Loseblattsammlung, 3. Auflage 2009, 182 Seiten; Preis 12,80 Euro
- Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt von Euro Schach Dresden GmbH & Co. KG (www.euroschach.de) -

Für all diejenigen, die schon immer auf der Suche nach geeignetem Material für die eigene Schulung waren, kann ich in dieser Rezension einen Lehrgang vorstellen, der über den elementaren Bereich des „Grundschulschachs“ hinausgeht. Andreas Hauschild hat sich in dieser Handreichung auf den Bereich der 5. und 6. Klassen konzentriert, ohne aus den Augen zu verlieren, dass es auch hier immer noch genügend Jungen und Mädchen gibt, denen der Zugang zum Schachspiel bisher noch nicht gelungen ist und die das Spiel „von der Pike auf“ erst noch erlernen müssen.

Die kartonierte und bereits gelochte Loseblattsammlung hinterlässt zwar auf den ersten Blick zuerst nur einen unscheinbaren Eindruck, aber die Qualitäten sind wie so oft erst nach genauerer Betrachtung im Inneren des Lehrwerkes zu finden. Der Aufbau des Lehrgangs orientiert sich am Verlauf eines Schulhalbjahres und wirkt klar strukturiert. Insgesamt umfasst er ca. 30 Unterrichtsstunden, bei denen in der Vorgabe von einer zweistündigen wöchentlichen Einheit ausgegangen wurde, so dass auch noch „Luft“ bleibt, falls aus gegebenem Anlass einzelne Doppelstunden nicht erteilt werden konnten. Es bleibt sogar noch genügend Spielraum übrig, der zur freien Verfügung nutzbar ist.

Die Sammlung besteht aus drei Teilen, die im Einzelnen die Unterlagen für die Lehrperson, das Schülermaterial, sowie einen Anhang mit Regeln, Vordrucken, Adressen und Bauern- / Turmdiplom des Deutschen Schachbunds beinhalten. Die Konzeption der einzelnen Stunden sieht eine ausgeglichene Verteilung zwischen Lern- / Übungsteil und einem Spielteil vor, so dass sich auch über einen längeren Zeitraum hinweg nicht zwangsläufig Langeweile einstellen muss. Die jeweiligen Themen behandeln die folgenden Bereiche des Schachspiels:

* Schachbrett und Grundstellung; Gangart von König und Dame
* Schach und Matt; Gangart der anderen Steine
* Tausch von Steinen und deren Wertigkeit
* Begründete Eröffnungen einer Schachpartie
* Einfache Pläne und Strategien
* Königsangriff
* Grundelemente der Taktik
* Berechnung komplexerer Spielvarianten
* Wettkämpfe

Für jede Trainings- / Unterrichtsstunde liegen Vorschläge zur inhaltlichen Gestaltung vor, die logisch konsequent aufeinander aufbauen. Zahlreiche Diagramme, die individuell zu bearbeiten sind, unterstützen den Ablauf der Trainingseinheiten. Die Schülerinnen und Schüler durchlaufen so eine hinführend strukturierte Vorgehensweise, die sogar auch unterschiedlichen Wissensständen gerecht werden kann. Handlungsorientierung steht bei allen Teilaspekten durchaus im Vordergrund, also nicht bloßer „Vorlesungscharakter“. Sehr empfehlenswert ist natürlich eine entsprechende Ausstattung des Trainingsraumes, die zu den methodischen Gesichtspunkten passt. Den Teilnehmer(n)/-innen müsste begleitend erläutert werden, dass sie in einzelnen Situationen Schreibmaterial für kurze Notizen oder Aufgabenstellungen benötigen, aber das dürfte in Schule keine große Hürde darstellen.

Ein paar winzige Kleinigkeiten fallen jedoch dem Didaktiker (oder Lehrenden) auf: bisweilen werden Aufgabenstellungen vorgelegt, deren Bearbeitung einem Schachneuling gar nicht möglich zu sein scheint. Beispielsweise werden die Lernenden bei einer recht komplexen Stellungsbeurteilung gefragt, welches der beste Verteidigungszug des von mehreren Figuren attackierten Königs ist – und das zu einem Zeitpunkt, an dem sie inhaltlich erst die Gangart von König und Dame erlernt haben. Ein didaktisch-methodischer Fehlgriff!

Ein weiteres Beispiel: Der Schachneuling kennt wiederum erst die Gangart von König und Dame und soll in einer Stellung, in der Bauern, Springer und Läufer (kein König, keine Dame!) enthalten sind, analysieren wie die Gewinnchancen verteilt sind. Ich kann nur unterstellen und hoffen, dass es der Lehrkraft in der Vorbereitung der Trainingsstunden im Vorfeld aufgefallen ist und solche logischen Irrläufer vermieden werden können.

Und noch eine Besonderheit habe ich bemerkt: Diagramme sind im Lehrerteil anders durchnummeriert als im Schülerteil, das sorgt für unnötige Verwirrung, auch wenn diese Abweichungen natürlich im Vorfeld aufgefallen sein müssten.

Fazit:
Wer diesen Lehrgang mit Schülerinnen und Schülern durcharbeitet, wird trotz der wenigen vereinzelten Schwächen eine durchaus gute Handreichung erhalten haben, auf methodisch abwechslungsreiche Art und Weise das notwendige Wissen für das Schachspiel an Kinder zu vermitteln. Schön auch, dass das Bauern- und Turmdiplom des Deutschen Schachbundes beigefügt ist – schade, dass der Erwerb der jeweiligen Urkunden einen Stückpreis von derzeit 2,-- Euro ausmacht und ein eigener Nachdruck aus urheberrechtlichen Gründen natürlich untersagt ist. Ergänzend würde ich mir noch wünschen, dass das Loseblattwerk mit einem dazu gehörenden, optisch ansprechenden Ringordner ausgeliefert würde. Die Mehrkosten dafür wird jeder Käufer vermutlich gerne tragen wollen. Ich kann daher für das Konzept des Schachlehrgangs im Ganzen eine Kaufempfehlung aussprechen.

Danke an Euro Schach Dresden GmbH & Co. KG für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellv. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)