Strategie-Schule Vol. 5: Gewinnmethoden großer Spieler - Adrian Mikhalchishin

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Dr. Matthias Bergmann am 01.05.2013
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: fritztrainer strategie (englische Sprachversion)
ChessBase GmbH, Hamburg; ISBN 978-3-86681-275-8; Preis 29,90 Euro

Die vorliegende „Strategieschule“ beinhaltet acht Kapitel, die alle eins zum Ziel haben – unterschiedliche Gewinnmethoden zu erlernen und zu schulen. Die Gliederung erfolgt nach berühmten oder erfindungsreichen Schachspielern (z. B. Vladimir Simagin mit den von ihm eingeführten Qualitätsopfern in bestimmten Eröffnungen, Mihail Tals „Bluffspiel“ etc.), oder nach inhaltlichen Kriterien, zum Beispiel wie man Doppelangriffe entwickeln, Fehler erkennen und vermeiden, oder wie man Ideen anderer Spieler selbst nutzen kann.

In insgesamt 32 Videosequenzen mit über fünf Stunden Spielzeit macht der ukrainische Großmeister und erfahrene Schachspitzentrainer Adrian Mikhalchishin die jeweiligen Strategien anhand klassischer Partien deutlich und gibt Hinweise, die dem schachspielenden Zuschauer helfen können, das eigene Spiel zu verbessern. Ein Beispiel mag dies veranschaulichen: So zeigt Mikhalchishin innerhalb seines Lehrgangs auf, dass es von zentraler Wichtigkeit ist, in Stellungen stets Kalkulationen anzustellen, ob der eigene Zug (bzw. Plan) spielbar ist oder nicht, ob der Gegner irgendwelche Drohungen aufstellen kann, die den eigenen Plan zerstören etc. – so weit so gut, ein sicherlich für den fortgeschrittenen Schachspieler nachvollziehbarer Tipp, aber…
anhand zwei von ihm selbst gespielten Partien zeigt Mikhalchishin später auf, dass jeder Spieler für ihn typische Fehler macht, die entsprechend wiederkehren – in seinem Fall war es das Übersehen von horizontalen Fesselungen, die seine (zuvor ja geforderte) Kalkulation jeweils zerstörten. Das Fazit besteht darin, dass man diese typischen Fehler erkennen und analysieren muss - am besten noch unterstützend mit der Analyse von klassischen (Meister-)partien, wo ähnliche Phänomene aufgetreten sind – mit dem Ziel, diesen Fehler zu eliminieren. Die Folge ist dann das bessere eigene Spiel!

Entsprechend gibt es weitere Beispiele, wie man gewinnbringend spielen kann, sehr schön dabei die Behandlung der psychologischen Komponente des Schachspiels. So stellt Mikhalchishin das oben schon erwähnte „Bluff-Spiel“ vor, in dem Großmeister (wie etwa Mihail Tal) nicht ganz korrekt opfern, wodurch der jeweilige Gegner aber unter so großen Druck gerät, dass er sich nicht adäquat verteidigt und verliert.

Die Videobeispiele sind in verständlichem Englisch gut nachvollziehbar, wobei man sich diese sicherlich mehrmals anschauen kann und sollte, um die Feinheiten der kommentierten Partien zu verstehen. Die Partien lassen sich natürlich auch über den enthaltenen ChessBase-Reader ohne Videokommentar nachspielen und analysieren.

Fazit: Der Lehrgang ist für den fortgeschrittenen Schachspieler meines Erachtens lohnenswert und sprichwörtlich „gewinnbringend“, wenn man sich entsprechend Zeit nimmt für die hier vorgestellten Beispiele. Es wird ohne Zweifel deutlich, dass Mikhalchishin, der in einem unterhaltsamen Plauderton referiert, über einen großen Erfahrungsschatz sowohl als Spieler wie auch als Trainer verfügt, der unter anderem Anatoli Karpow und Zsuszsa Polgar betreut hat.

Für Einsteiger des Schachspiels mag es zunächst einfacher zugängliche Alternativen geben, um die eigene Spielweise zu verbessern.

Tipp: Wer vor dem Erwerb der (oder natürlich einer anderen) Schachlehrgangs-DVD diese Form des Schachlernens erst einmal an testen möchte, kann sich über die Homepage von ChessBase (im „Shop“) ein Beispielvideo der DVD anschauen.

Systemvoraussetzungen: Pentium Prozessor 300 MHz oder besser, 64 MB RAM, Windows XP, Windows Vista, Windows 7, DVD-ROM Laufwerk, Maus, Soundkarte.

Dr. Matthias Bergmann, Lehrer an einer Bielefelder Gesamtschule