Fritz 8

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Marcus Wegener am 17.04.2004

Wir schreiben den 26. September 1995. Garri Kasparow, der stärkste Schachspieler aller Zeiten, betritt die Aussichtsplattform des World Trade Centers in New York. Seit 10 Jahren ist er Schachweltmeister, in über 100 Partien gegen seinen Erzrivalen Karpow hat er diesen Titel zunächst erkämpft, dann mehrfach verteidigt. Doch nun sitzt ihm ein neuer Kontrahent gegenüber: Viswanathan Anand, ein junger Inder mit Charme, wachem Blick und einem unglaublichen Gespür für die –¬Å¡richtigen Züge–¬â„¢. Seine schnelle Auffassungsgabe hat Anand den Spitznamen –"Speedy Gonzales–¬Å“ eingetragen, denn für manchen seiner Siege gegen stärkste Gegnerschaft hat der Mann aus dem Mutterland des Schachspiels sich gerade mal eine halbe Stunde Zeit nehmen müssen. Anand ist angetreten, um Garri Kasparow im Weltmeisterschaftsfinale der Professional Chess Association vom Thron zu stürzen.




Und es sieht nicht gut aus für Garri: Viermal hat er verschiedene Eröffnungen ausprobiert, um mit Weiß, dem –¬Å¡Aufschlagsvorteil–¬â„¢ der Schachspieler, die Verteidigung Anands zu durchbrechen. Viermal vergebens. Immerhin, auch Anand war lange kein Sieg gelungen. Bis zur letzten, der 9. Partie. Anand spielte hervorragend, ließ dem Weltmeister keine Chance, manche schrieben sogar von einer Demütigung. Der psychologisch so wichtige erste Sieg in einem WM-Finale ging damit an den Herausforderer, nun muss Kasparow endlich einmal zeigen, dass er seinen Spitznamen –"Das Monster–¬Å“ zu Recht trägt. Garri Kasparow betritt die schalldicht verglaste Kabine, die den Zuschauerlärm von den beiden Gehirnakrobaten abschirmen soll (was bei großer Aufregung unter den Kiebitzen nicht immer gelingt). Dann folgt er seinem tausendfach wiederholten Ritual: Begrüßung des Gegners, Jackett öffnen, Stift ablegen, Armbanduhr ablegen, Figuren zurechtrücken, Konzentration auf den ersten Zug. Kasparow zieht den Königsbauern zwei Felder nach vorne, e2-e4. Zum ersten Mal in diesem Match wiederholt der Weltmeister eine Eröffnung. Dann wartet er gespannt. Wie Garri später mitteilt, hat er seiner Mutter Klara Kasparowa vorher gesagt: –"Wenn er Spanisch spielt, ist er tot!–¬Å“

Anand spielt tatsächlich Spanisch und wiederholt die Züge, die ihm in der 6. Matchpartie ein bequemes Remis brachten, aber plötzlich wartet Kasparow mit einer glänzenden neuen Idee auf: Er opfert Material und startet einen Mattangriff gegen Anands König. Während der Inder verzweifelt nach Verteidigungsmöglichkeiten sucht und die Minuten auf seiner Uhr wegticken, benötigt Kasparow in einer verwirrend komplexen und variantenreichen Partie gerade einmal 6 Minuten für 21 Züge und eine Gewinnstellung. Mit dem Sieg in der 10. Partie schafft er die Wende, Anand gelingt bis zum Ende des Matches kein einziger Sieg mehr. Zum Schluss und nach insgesamt vier Niederlagen muss ein frustrierter Anand die Überlegenheit des Weltmeisters anerkennen.
Wie aber konnte Kasparow sich so sicher sein, dass seine Neuerung tatsächlich den Gewinn verbürgen würde? Und wieso schien es so, als ob der Weltmeister die besten Antworten auf Anands Züge bereits kannte, bevor die Partie begann? Die Antwort kommt aus Hamburg und hat fünf Buchstaben: FRITZ

Zweimal wurde die Welt des Schachspiels von Hamburg aus revolutioniert: Zuerst durch Matthias Wüllenweber, der Mitte der 80er Jahre nach Ratschlägen von Garri Kasparow eine Datenbank entwickelte, mit deren Hilfe Schachspieler am Computer Schachpartien nachspielen und verwalten konnten. Statt wie früher in Zeitschriften und Büchern zu blättern, konnten sich Großmeister mit Chessbase nun in Windeseile alle Partien ihres Gegners auf den Bildschirm holen und dessen Stärken und Schwächen studieren. Der frischgebackene Weltmeister Kasparow demonstrierte 1985 einer staunenden Schachwelt, wie effektiv man sich mit Chessbase für seine Opponenten präparieren konnte, indem er die Schachbundesligamannschaft des HSV in einer Simultanvorstellung mit 4,5-1,5 bezwang. Anschließend erhielten die verblüfften Großmeister noch eine Trainingseinheit vom Weltmeister, der ihnen seine Erkenntnisse über ihr Spiel aus der nächtlichen Sitzung mit Chessbase präsentierte. Und so gibt es heutzutage keinen Großmeister von Rang und Namen, der ohne Laptop und Chessbase durch die Weltgeschichte reisen würde.
Nachdem sich Chessbase unter den Schachspielern etabliert hatte, gelang den Hamburgern bald der zweite große Wurf, der die nächste Revolution auslöste: Das Schachprogramm FRITZ, entwickelt von Frans Morsch und Mathias Feist. Natürlich hatte es schon zuvor Schachprogramme gegeben, doch FRITZ hatte gegenüber der Konkurrenz drei Vorteile: Für FRITZ musste man sich nicht extra einen eigenen Schachcomputer kaufen, da man es einfach auf den heimischen PC aufspielen konnte; FRITZ konnte nicht nur als Spielpartner verwendet werden, sondern ließ sich unter Chessbase auch als Analysehelfer hinzuziehen; und nicht zuletzt spielte FRITZ einfach unheimlich stark Schach, wie Garri Kasparow bald leidvoll bei einer Blitzschachniederlage im –"ZDF-Sportstudio–¬Å“ - live und vor Millionenpublikum - erfahren musste. Ob es heute die Vereinsspieler, die Bundesligaspieler oder die Großmeister mit ihren von uns kaum nachvollziehbaren Rechenfähigkeiten sind: Alle eilen sie nach einer Partie an ihren PC und geben die Züge ein, damit FRITZ ihnen zeigt, wo sie einen Fehler gemacht haben.

Das Schachprogramm FRITZ aus der Hamburger Softwareschmiede Chessbase liegt nun auf zwei CDs als FRITZ 8 WM Edition vor. Zu FRITZ–¬â„¢ Anfangszeiten war er schon jedem Vereinsspieler ein kaum bezwingbarer Gegner, doch der Schachelite dienten seine rechnerischen Fähigkeiten damals lediglich dazu, ihre Analysen auf taktische Fehler abzuklopfen, wie es z.B. Garri Kasparow als populärster FRITZ-Anwender tat, u.a. bei der Vorbereitung auf seine siegreiche 10. Partie gegen Viswanathan Anand im WM-Match 1995. Inzwischen aber ist FRITZ mehr als ein Helferlein von Weltmeistern und solchen, die es werden wollen, denn FRITZ hat in zwei Wettkämpfen gegen die anerkannt besten Schachspieler dieses Planeten, Ex-Weltmeister Garri Kasparow und seinen Nachfolger Wladimir Kramnik, jeweils ein Unentschieden erreicht. FRITZ ist erwachsen geworden.

Die FRITZ 8 WM Edition läuft unter Windows XP, 2000, ME und 98 und benötigt mindestens Pentium PC 233 mit 64 MB RAM (hier gilt natürlich: je mehr, desto stärker), 40-400 MB freien Festplattenspeicher (je nach Größe der Installation), CD-ROM Laufwerk und Soundkarte.
Welche Möglichkeiten bietet die FRITZ 8 WM Edition ihrem Käufer? Nichts weniger als Schach in seiner ganzen Palette: Vom Anfänger bis zum Weltmeister, wirklich jeder kann mit FRITZ 8 Schach spielen und lernen. In einem Einführungskurs kann man sich von FRITZ 8 die Schachregeln beibringen lassen. Die Spielstärke ist variabel regelbar, sogar eine automatische Anpassung an das eigene Können ist möglich. Außerdem gibt es zahlreiche Möglichkeiten, während einer laufenden Partie von FRITZ die Fehler aufgezeigt zu bekommen, bevor es zu spät ist. So markiert FRITZ z.B. bedrohte Felder oder ein Coach gibt Tipps, wenn man mal gepatzt hat. Für eine gehörige Portion Fun-Faktor während des Spiels sorgen verschiedene 3D-Grafiken und witzige Zugkommentare des Kabarettisten und Schachspielers Matthias Deutschmann.

Wer mehr will und in der Zwischenzeit vielleicht sogar einem Schachklub beigetreten ist, dem bietet FRITZ eine Datenbank mit 500.000 Partien, Möglichkeiten zur individuellen und automatisierten Partienanalyse, Taktik- und Eröffnungstraining, Kommentierungsfunktionen und nicht zuletzt den Erwerb zusätzlicher Trainings-CDs. Und wenn man mal keine Lust auf Computerschach hat und die Vereinskameraden nicht mehr mit einem spielen wollen: FRITZ 8 bietet ein Jahr lang kostenlosen Zugang zum Internetschachserver schach.de. Auf schach.de spielen täglich mehrere tausend Schachspieler aus aller Welt, es gibt Trainingsabende, Turniere, Live-Partien von Großmeistern, Chat und das alles rund um die Uhr. Sogar eine eigene Online-Währung gibt es auf schach.de: Dukaten. Je nach Geldbeutel ordert man sich mit den Dukaten einen Großmeister auf dem Server zum Schachspielen (wenn man professionell verprügelt werden will) oder zum Training (wenn man professionell beraten werden will).
Bedienung und Menüführung unter FRITZ 8 sind wie üblich strukturiert und einfach verständlich, die Vielzahl der angebotenen Features bringt es aber natürlich mit sich, dass ein Neuling etwas Einarbeitungszeit benötigen kann.
Kann ich die FRITZ 8 WM Edition empfehlen? Für mich als Vereinsschachspieler und Schachtrainer sind Chessbase und FRITZ unverzichtbarer und selbstverständlicher Bestandteil meines schachlichen Lebens. Wenn es Ihnen noch nicht so geht, spielen Sie halt einfach nur ein bisschen Schach damit. Dann entgeht Ihnen natürlich etwas. Aber FRITZ ist stets offen für mehr.

P.S.: Wer auf gar keinen Fall so viele Extras braucht, sondern nur einen guten, unterhaltsamen Schachpartner, ist mit dem Schweinhund bestens bedient. Und wer nach einer geeigneten Schachsoftware für Kinder sucht, sollte sich Fritz und Fertig zulegen. Beide Produkte stammen aus dem Hause Chessbase.

P.P.S.: Ganz Clevere kaufen sich zum Einstieg eine ältere FRITZ 7 Version (für 10€ auf dem Sonderangebotsstapel bei SATURN u.a.). Die hat zwar nicht genauso viel zu bieten, aber zum Reinschnuppern reicht das allemal, denn den Spielstärkeunterschied bemerkt unsereins sowieso nicht!



Marcus Wegener