„Trompowsky Angriff – ein modernes Repertoire“ - Martin Breutigam

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 13.08.2013
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: "fritztrainer eröffnung"; Chess Base GmbH, Hamburg
ISBN 978-3-86681-365-6, Preis 27,90 Euro

Noch vor ca. 30 bis 40 Jahren hätte ich mit dem heutigen Thema wohl eher Kopfschütteln oder Verwunderung unter den Experten hervorgerufen. Aber etwa seit den 90er-Jahren des zurückliegenden Jahrhunderts wurde die Schachwelt auf die bereits um 1930 vom Brasilianer Octavío Trompowsky gespielte Eröffnung aufmerksam. Besonders tat sich dabei der britische GM Julian Hodgson hervor, der mit seinen Analysen und Weiterentwicklungen dieser Variante neuen Glanz verlieh. Der deutsche IM und Schachlehrer Martin Breutigam spielte eine Zeitlang mit dem Briten in einer Mannschaft und hat sich – nach eigenen Aussagen – dieser Eröffnung intensiver gewidmet, weil er durch Hodgson neugierig geworden war.

Herausgekommen ist dabei u. a. diese DVD des Hamburger Anbieters ChessBase, auf der unser Lehrmeister das Repertoire in insgesamt sechs Kapiteln mit einer Video-Laufzeit von etwa 4 ½ Stunden ausführlich aufarbeitet. Einer der wohl größten Vorteile dieser Eröffnung ist die Tatsache, dass man mit dem „Trompowsky Angriff“ allen komplizierten Abwicklungen der Indischen Verteidigungen aus dem Weg gehen kann, egal ob es sich um Königs-, Grünfeld- oder Nimzoindisch handeln mag. Das kann fast jeder ohne große Kenntnisse der Eröffnungstheorie spielen, somit bietet sich das Weiß-Repertoire quasi für alle „theorie-faulen“ Spieler/-innen an.

Gekennzeichnet wird der „Trompowsky Angriff“ durch die Züge 1. d4 Sf6 2. Lg5 ..., woraus sich laut Martin Breutigam im 1. Kapitel – das sogenannte Hodgson-System – logisch ableitet. Nach 2. ... Se4 setzt Weiß mit 3. Lf4 fort und leitet damit u.U. zu einer dem Sizilianer ähnlichen, jedoch für den Anziehenden sehr vorteilhaften Fortsetzung über. Im 2. Kapitel untersucht der Deutsche das von ihm so benannte Zentralsystem, welches sich nach 2. ... d5 3. e3 entwickeln kann. Kapitel 3 untersucht die schwarze Fortsetzung mit 2. ... e6, einem solidem Zug, der echtes Gegenspiel entwickeln kann, wenn Weiß durch den Abtausch seines Läufers nachfolgend dem Schwarzen das Läuferpaar überlässt. Unser Experte empfiehlt daher an dieser Stelle den Zug 3. Sd2, um diesem eventuellen Manko zu entgehen.

Im 4. Abschnitt wird dem Betrachter die Fortsetzung mit 2. ... c5 vorgestellt, bei der letzten Endes für Weiß vorteilhaftes Spiel entstehen kann, wenn er mit 3. Lxf6 antwortet, um dem Nachziehenden einen Doppelbauern und starken Zentrumsdruck aufzuzwingen, der sich im weiteren Verlauf auf alle Fälle positionell nachteilig darstellen wird. Eine von Schachfreunden, die das Königsindische Spiel bevorzugen, gern gewählte Variante stellt uns Breutigam im nächsten Kapitel vor: 2. ... g6. Hier lautet seine Empfehlung, sofort auf f6 zu schlagen, was nach dem schwarzen Lg7 ansonsten nicht mehr ohne Nachteil für den Spieler mit den weißen Steinen möglich wäre. Das letzte Kapitel stellt zur Vollständigkeit noch die Züge vor, die in der gängigen Schachpraxis eher seltener gespielt werden, deshalb ist hier die Ausführlichkeit der Analysen auch logischerweise nicht mehr so notwendig, wie bei den erstgenannten Varianten. Sollte Schwarz 2. ... h6 spielen, entsteht umgehend der unerwünschte Doppelbauer, der im Verlauf nach 3. Lxf6 eXf6 4. g3 und weiter über c4, e3 und Se2 dem Weißen Vorteile durch Mehrtempo bringt.

Auch der denkbaren Fortsetzung mit 2. ... d6 sollte der Anziehende durch Schlagen auf f6 entgegnen, damit nicht durch Sd7 die Bemühungen ad absurdum geführt werden. Sollte 2. ... b6 gespielt werden, empfiehlt sich für den weiteren Verlauf Sd2, um dadurch nachfolgend mit d4 druckvoll das Zentrum zu besetzen. Als letzte Möglichkeit erörtert unser Lehrmeister noch die Abspiele nach 2. ... c6. Hier sollte ein Abtausch vermieden werden, um durch 3. Sd2 weiter im entwicklungsmäßigen Vormarsch zu bleiben. In zwei exemplarischen Fällen empfiehlt Breutigam einen klugen Übergang in ähnliche Eröffnungen (Torre-Angriff bzw. Richter-Veresov-Angriff), um Schwarz bei der Suche nach Ausgleich vor maximale Probleme zu stellen.

Systemanforderungen:
Pentium-Prozessor mit 300 MHz o. besser, 64 MB RAM, Windows XP, Vista, Windows 7 oder 8, DVD-ROM-Laufwerk, Maus und Soundkarte

Fazit:
Martin Breutigam stellt mit dieser Lehr-DVD eine Eröffnung vor, die für die meisten von uns nicht unbedingt zum täglichen Standardrepertoire gehört. Allerdings darf man die bereits genannten Vorteile nicht außer Acht lassen: das System lässt sich jederzeit ohne große Theoriekenntnisse spielen. Vielleicht spielt sogar das Überraschungsmoment eine nicht unerhebliche Rolle. Sehens- und empfehlenswert ist der Datenträger ganz sicher.

Danke an ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)