Geheimwaffe Vierspringerspiel - Valeri Lilov

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Dr. Matthias Bergmann am 31.08.2013
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: „fritztrainer eröffnung“ (englische Sprachversion)
Chessbase GmbH, Hamburg; ISBN: 978-3-86681-364-9, Preis: 27,90 €

Der Titel der DVD „Geheimwaffe Vierspringerspiel“ klingt zunächst etwas erstaunlich, schließlich ist es sicherlich eine der etablierteren und dem breiteren Schachpublikum bekannten Eröffnungen nach 1. e4 – e5.

Vielleicht gerade deswegen widmet sich der bulgarische FIDE-Meister Valeri Lilov (Jahrgang 1991) in der vorliegenden DVD dieser Eröffnung, einer seiner „Lieblinge“ als Spieler mit den weißen Steinen, wie er selbst einleitend sagt. Das Vierspringerspiel ist eine solide, aber dynamische Eröffnung mit der Zugfolge 1. e4 e5, 2. Sf3 Sc6, 3. Sc3 Sf6.

Lilov zeigt in insgesamt 16 Videoanalysen verschiedene Ideen zu dieser Eröffnung, in denen Weiß zu einem guten Positionsspiel (die aber auch taktische Varianten beinhalten) kommt, wodurch vielleicht auch der Titel begründet ist. Den Einstieg in die DVD bildet – nach einer kurzen Einleitungssequenz - eine Partie zwischen dem Großmeister Bent Larsen und dem berühmten Schachprogramm Deep Blue aus dem Jahre 1993. Die Partie zeigt einen ruhig, aber konsequent herausgespielten Angriff auf den Königsflügel, dem Schwarz nicht viel entgegenzusetzen hat, trotz enormer Rechentiefe.

Die nächsten vier Sequenzen behandeln verschiedene Varianten im symmetrischen Aufbau des 4-Springer-Spiels, in denen die Läufer auf b5 bzw. b4 platziert werden. Lilov zeigt in sehr klaren, aber ausführlichen Analysen die jeweiligen Spezifika anhand einiger Meisterpartien, in denen vor allem – wie oben schon erwähnt - Weiß ein gutes Spiel bekommt.

Es folgen zwei Abschnitte bzw. Videoanalysen zum sogenannten Rubinstein-Gambit, in dem Schwarz den e5-Bauern preisgibt, indem er nach 1. e4 – e5, 2. Sf3 – Sc6, 3. Sc3 – Sf6, 4. Lb5 den Springer von c6 nach d4 zieht. Ziel dieses Zuges ist es, früh eine Initiative bzw. Angriff gegen die weißen Steine im Zentrum bzw. gegen den weißen König zu starten. Hier wird das Geschehen auf dem Brett deutlich taktischer– auch hier wird schlüssig analysiert und aufgezeigt, wie Weiß das vorrangige Ziel hat bzw. haben muss, sich durch Stabilisierung seiner Stellung zu verteidigen.

Die nächsten Sequenzen möchte ich der Vollständigkeit halber ebenfalls kurz nennen, gemeinsam ist allen Analysen, dass sie von Lilov anschaulich, aber dennoch intensiv besprochen werden:

* 2 Videos zur „schottischen“ Variante des Vierspringerspiels (1.e4 – e5, 2. Sf3 – Sc6, 3. Sc3 – Sf6, 4. d4)
* 2 Sequenzen zum Belgrader Gambit (1.e4 – e5 2. Sf3 – Sc6, 3. Sc3 – Sf6, 4. d4 – exd4, 5. Sd5), mit deutlich taktischem Schwerpunkt für das weitere Spiel
* 2 Sequenzen zur sogenannten Glek-Variante, in der im 4. Zug der weiße Königsläufer mit g3 fianchettiert wird, damit der Läufer im Mittelspiel mithelfen kann, Druck im Zentrum auszuüben
* eine Sequenz zu „seltenen Zügen“ von Schwarz im 3. Zug: Statt … Sf6 werden dann – jeweils recht knapp – Varianten besprochen, die für Weiß nach zum Beispiel 3. … Lc5, 3. …Lb4, 3. …g6 oder sogar 3. …f5 vorteilhaft sind
* im letzten Abschnitt wird eine durch Schwarz hervorgerufene abweichende Variante ergänzend besprochen, auf die Weiß nach Lilov vorbereitet sein sollte, nämlich die sogenannte 3-Springer-Verteidigung, die nach 1. e4 – e5, 2. Sf3 – Sf6, Sc3 – Lb4 entsteht. Auch hier zeigt Lilov einen Weg, wie Weiß zu einer guten Positionierung seiner Figuren kommt.

Eine wirklich sinnvolle und abrundende Ergänzung ist die beigefügte Auswahl von 840 Partien, von denen einige auch kommentiert sind. Diese lassen sich dann über den auf der DVD enthaltenen ChessBase-Reader in Ruhe anschauen, um sich einen umfangreichen Überblick zum Vierspringerspiel aus der Praxis zu verschaffen.

Systemvoraussetzungen: Pentium Prozessor 300 MHz oder besser, 64 MB RAM, Windows XP, Windows Vista, Windows 7/8, DVD-ROM Laufwerk, Maus, Soundkarte.

Fazit: Diese DVD aus der Reihe „fritztrainer eröffnung“ ist für alle lernenden Schachspieler lohnenswert, die ihr Eröffnungsrepertoire mit 1. e4 erweitern bzw. vertiefen wollen und bereit sind darauf etwas Zeit zu verwenden. Auch hier wieder der Hinweis, dass es sinnvoll und notwendig ist, sich die Videos bzw. Partien mehrmals anzuschauen, denn die Informationsdichte ist sehr hoch. Dank Lilovs gut verständlichem Englisch und seiner engagierten sowie fundiert erscheinenden Vortragsweise kann das Lernen aber Spaß machen!

Danke an ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Dr. Matthias Bergmann
(Lehrer an einer Bielefelder Gesamtschule)