1.e4! – So zähmt man Aljechin, Skandinavisch und Pirc - Viktor Bologan

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Dr. Matthias Bergmann am 08.10.2013
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: „fritztrainer eröffnung“ (englische Sprachversion); ChessBase GmbH, Hamburg;
ISBN: 978-3-86681-357-1, Preis: 29,90 €

In dieser DVD der ChessBase Reihe zum Eröffnungstraining richtet sich der moldawische Großmeister Viktor Bologan an die Weißspieler, die gerne mit dem Königsbauern anziehen. Die DVD soll dabei helfen, den drei im Titel genannten Verteidigungsmöglichkeiten von Schwarz adäquat zu begegnen bzw. als Weißer Vorteil daraus zu ziehen.

Entsprechend ist die DVD in drei Kapitel gegliedert:
Im ersten Teil wird die Pirc-Verteidigung behandelt. Hier bevorzugt der Großmeister für Weiß den „Österreichischen Angriff“ mit der Zugfolge 1. e4 – d6, 2. d4 – Sf6, 3. Sc3 – g6, 4. f4 (folgend ...Lg7 – 5. Sf3) – der beste Zug laut Bologan: Weiß besetzt das Zentrum, er kontrolliert insbesondere das wichtige Feld e5 mit zwei Bauern, noch bevor er Sf3 zieht. Bologan beschränkt sich daher in sieben Videos auf verschiedene Reaktionen von Schwarz auf diesen Angriff, z. B. wenn er 5. ...c5 spielt oder zunächst rochiert (mit dann mehreren Spielmöglichkeiten). Angesprochen werden auch Varianten wie 4…a6: Schwarz versucht hiermit, b5 und später c5 vorzubereiten. Bologan zeigt in mehreren Abspielen auf, wie Weiß ein gutes Spiel bekommt.

Grundsätzlich geht der Großmeister bei seiner Besprechung nicht zu sehr in die Tiefe, sondern zeigt eher die Hauptideen einer Variante auf, jeweilige Abspiele bzw. Nebenvarianten werden ebenfalls kurz, aber prägnant ergänzt bis zur der Stelle, wo – in diesem Fall - Weiß eine gute Stellung erreicht. Dieses Verfahren finde ich für Schachlernende durchaus sinnvoll. Man gewinnt – im Idealfall - ein „Gefühl“, wie bzw. wohin die Figuren entwickelt werden sollten, ohne immer Zugfolgen bis tief in das Mittelspiel auswendig lernen zu müssen. Dies scheint aber auch in der Natur dieser Eröffnung zu liegen, die eher einen positionellen als einen taktischen Schwerpunkt besitzt – obwohl hier mit dem österreichischen Angriff schon die „aggressivste“ Möglichkeit der weißen Strategie besprochen wird...

Im 2. Teil der DVD wird die Aljechin-Verteidigung unter die Lupe genommen. Bologan beschränkt sich hier ebenfalls auf eine, nämlich die „Moderne Variante“ mit der Zugfolge 1. e4 – Sf6, 2. e5 – Sd5, 3. d4 – d6, 4. Sf3. Der Großmeister begründet diese Beschränkung auch: So sei dieser Zug logisch, der Springer kontrolliert die Felder d4 und e5 und die Entwicklung wird rasch bzw. konsequent fortgesetzt.

In 7 jeweils etwa 10- bis 14-minütigen Videosequenzen werden nun verschiedene Spielmöglichkeiten von Schwarz auf 4. Sf3 gezeigt, sie seien hier der Vollständigkeit halber und zur Übersicht für den interessierten Leser genannt: 4…c6, 4…dxe5, 4….g6, 4…Sc6, 4….Lg4, wonach (nach 5. Le2) …der Bauernzug c6 oder e6 folgen kann.

Auch hier gilt oben Gesagtes. Die jeweiligen Hauptideen werden von Bologan dargestellt und einleuchtend begründet, ohne sich zu sehr in Details zu verstricken.

Im letzten Teil wird schließlich die Skandinavische Verteidigung behandelt, die aus folgender Grundzugfolge besteht: 1. e4 – d5, 2. exd5. Zunächst erfolgt die Analyse von 2…Sf6 (in zwei Videos). Einen größeren Diskussionsraum (mit insgesamt 8 Videosequenzen) nimmt die Hauptvariante mit 2. ...Dxd5 ein. Hier gibt es dann nach 3.Sc3 zwei wesentliche Möglichkeiten für Schwarz, die Dame in Sicherheit zu bringen, entweder auf das Feld d6 oder a5. Bologan zeigt für beide Züge sinnvolle Fortsetzungen, die - entsprechend der Zielsetzung dieser DVD – Weiß ein gutes Spiel bringen. An manchen Stellen wäre es sicherlich auch sinnvoll gewesen, Partien bis zum Ende zu zeigen, damit der Schachlernende sehen kann, wie eine vorteilhafte Stellung zum Sieg führt. Dies muss nicht unbedingt im Video geschehen, ein Partienanhang zum eigenen Nachspiel würde gegebenenfalls schon reichen.

Fazit: Diese DVD aus der Reihe „fritztrainer eröffnung“ sei allen Schachspielern empfohlen, die mit Weiß gerne 1.e4 spielen und sich gegen die im Titel benannten Verteidigungen von Schwarz mit einigen für Weiß gut spielbaren Varianten präparieren wollen.

Auch hier sei wieder auf die Möglichkeit verwiesen, sich auf der Homepage von ChessBase im Shop ein Probevideo zur DVD anzuschauen, um zum Beispiel die eigenen Englisch-Kenntnisse oder den Präsentationsstil des Großmeisters zu testen.

Systemvoraussetzungen: Pentium Prozessor 300 MHz oder besser, 64 MB RAM, Windows XP, Windows Vista, Windows 7/8, DVD-ROM Laufwerk, Maus, Soundkarte.

Danke an ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar.
Dr. Matthias Bergmann (Lehrer an einer Bielefelder Gesamtschule)