„Französisch mit 3. Sd2: Ein Repertoire für Weiß“ – Sergei Tiviakov

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 24.11.2013
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: fritztrainer eröffnung (englischsprachig)
ChessBase GmbH, Hamburg; ISBN 978-3-86681-380-9; Preis 27,90 Euro

Nachdem die letzten getesteten DVDs eher etwas für den Schwarzspieler waren, liegt mir heute der Gegenpart – ein Repertoire für Weiß - vor. Der mittlerweile in den Niederlanden lebende gebürtige russische Groß- und mehrfache Jugendweltmeister Sergei Tiviakov hat sich beim Schachgiganten ChessBase mit einem Lehrgang präsentiert, der sich sehr umfangreich mit der Französischen Eröffnung aus der Sicht des Anziehenden auseinandersetzt. Der 40-jährige Experte hat mit seinen speziellen „Anti-Französisch-Kenntnissen“ in seiner Schachlaufbahn herausragende Ergebnisse mit einer Quote von mehr als 80% erzielt. Im dritten Zug vollzieht Weiß eine eher vorsichtig anmutende Fortsetzung (1. e4 e6, 2. d4 d5, 3. Sd2 ...), die bereits im 19. Jahrhundert vom deutschen Schachgroßmeister Siegbert Tarrasch vorgestellt wurde. Obwohl er sich in seiner späteren Karriere von dieser Zugfolge abwandte, darf sie u. a. durch Tiviakovs Analysen wieder als interessant und Erfolg versprechend bewertet werden.

Weiß verhindert zwar eine Fesselung (s. z. B. Nimzowitsch-Variante), hält sein Zentrum flexibel und kann dem drohenden Zug c7-c5 mit c2-c3 zu gegenübertreten, was den Bauern d4 stützt, aber Weiß bezahlt mit geringerem Einfluss im Zentrum und der Selbstblockade des Lc1. Das ermöglicht Schwarz relativ viele verschiedene Fortsetzungsmöglichkeiten. Soviel in Kürze zur Theorie, die vom gebürtigen Russen glänzend und tiefreichend analysiert wird.

Nach dem Einlegen der DVD startet wie üblich das Installationsprogramm des ChessBase-Readers (wenn er denn nicht schon vorhanden war) und ermöglicht damit die interaktive Nutzung des englischsprachigen Trainings (Warum steht das eigentlich nicht deutlich sichtbar auf der Hülle, sondern lediglich ganz klein – quasi verborgen?) mit einer Gesamtlaufzeit von mehr als 5 Stunden. Allerdings muss seit einiger Zeit der Datenträger erst per Internet aktiviert werden, damit man alle zum Lehrgang gehörenden Videos sehen kann. Schade eigentlich, dass ChessBase sich zu dieser Prozedur entschieden hat, da ich immer gerne weiß, welche Einträge, Informationen oder Dateien auf meinem System installiert / eingerichtet werden – abgesehen davon ist es auch lästig; ich will jedoch dieser Diskussion nicht weiter nachgehen.

Außer dem veränderten Layout des Covers fällt dem Betrachter auf, dass der Hamburger Schachsoftware-Anbieter auch am Trainingskonzept Veränderungen vorgenommen hat. Die Abläufe sind deutlich interaktiver geworden, da sich am Ende der Präsentation neuerdings immer ein Abschlusstraining befindet, durch das man leicht seinen Lernzugewinn und seine Fortschritte überprüfen kann. Der Lernende erhält sogar ein recht präzises Feedback, was es in der Vergangenheit auf den DVDs äußerst selten gab. Ergänzend befindet sich eine mehr als ausführliche Datenbank mit mehr als 312.000 Partien im Lieferumfang, die Tiviakovs Theorien untermauern kann. Hinzu kommen alle Partien, die der Niederländer jemals mit der Französischen Eröffnung gespielt hat und eine Fülle an kommentierten Schachpartien. Herauszuheben ist eine weitere Datenbank des deutschen GM Georg Meier mit knapp 220 Partien, die er allesamt mit den schwarzen Steinen in der Französischen Eröffnung gespielt hat.

Das Training enthält 21 Kapitel (inkl. Einleitung / Schlusswort) mit zahlreichen Beispielen, die das „Anti-Französisch-Konzept“ untermauern. Es werden die meisten erdenklichen Abspiele nach z. B. 3. ... f5, 3. ... a6, 3. ... b6, 3. ... c5, 3. ... g6, 3. ... Sf6, 3. ... Sc6 oder 3. ... Le7 gründlichst analysiert (die Hauptabspiele in mehreren Teilen, um auch Nischenlösungen zu verdeutlichen) und auf ihre Tauglichkeit hin überprüft, wobei der Fokus auf dem Blickwinkel des Spielers mit den weißen Steinen bleibt. Nach Betrachtung, bzw. Nachspielen des vorliegenden Materials folgen die oben erwähnten Testfragen, die das Ganze logisch abrunden. Vor allem die konkrete Rückmeldung, ob die gewählte Fortsetzung gut oder eher schlecht war, ist pädagogisch mehr als wertvoll.

Systemanforderungen: (mind.)
Pentium III mit 1 GHz o. besser, 1 GB RAM, Windows XP Service Pack 3, Vista, DirectX9-Grafikkarte 256 MB RAM, DVD-ROM-Laufwerk, Windows Media Player 9, Maus, Soundkarte und Internetverbindung zur Aktivierung

Systemanforderungen: (empfohlen)
Intel Core i7 2,8 GHz, 4 GB RAM, Windows 7 oder 8, DirectX10-Grafikkarte 512 MB RAM oder mehr, DVD-ROM-Laufwerk, Windows Media Player 11, Maus, DirectX-kompatible Soundkarte und Internetverbindung zur Aktivierung

Fazit:
Ich kann erneut wiederholen, dass mir das neue, veränderte DVD-Konzept von ChessBase gut gefällt. Größere Aktivität des Betrachters beim Durcharbeiten des Vorgestellten, das nenne ich wirklich handlungsorientiert. Wer dieses Lehrmaterial als Weißer konsequent durcharbeitet, erhält mehr als nur brauchbare Konzepte und Ideen, um gegen Schwarz bei der Französischen Eröffnung bestehen zu können. Der Vereinsspieler kann aus diesen Analysen eine Vielzahl an Erkenntnissen für seine Brettpräsenz hinzugewinnen.

Danke an ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)