Deep Fritz 14 – das ganz große Schachprogramm – 64bit Multiprozessor Version

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 29.11.2013
 Auf Amazon.de kaufenChessBase GmbH, Hamburg; erschienen November 2013 ISBN 978-3-86681-382-3; Preis 69,90 €

November 2013 – es ist soweit: der neue Fritz ist da! Auch dieses Jahr kann ich wieder auf eine neue Chess-Engine mit grafischer Oberfläche zugreifen. ChessBase hat’s möglich gemacht! Wie sicherlich erwartet, wird diese Rezension sich erneut mit den Möglichkeiten des Programms / der Oberfläche und auch einer Analyse der Spielstärke befassen.

Der erste Satz in den Veröffentlichungen der Hamburger GmbH lautet – wie in vielen anderen Beiträgen zu Deep Fritz 14 im Internet auch: „Die Zeit der ‚Singles‘ ist vorbei!“ Ja, es ist soweit, das Programm wird erstmals mit einer 64-bit-Engine verfügbar sein, das heißt, es ist Multi-Core-fähig und kann bis zu acht Prozessorkerne gleichzeitig ansprechen, einige Engine-Konkurrenten konnten dies jedoch auch schon – damit also nichts Neues. Der Hersteller verspricht allerdings einen leistungsmäßigen Zugewinn an Spielstärke in Höhe von etwa 100 ELO-Punkten. Das wäre natürlich nicht schlecht, wenn man denn genau wüsste, ob das im Vergleich zu anderen Schachprogrammen zu einer signifikanten Verbesserung der Spielstärke führen würde.

Bleiben wir aber erst einmal bei der Oberfläche und den nutzbaren Möglichkeiten. Sie wurde durch die 64-bit-Fähigkeit im Zusammenwirken mit Windows 7 / 8 in der Kompatibilität optimiert – damit läuft sie gefühlt etwas flüssiger / schneller unter Beibehaltung der weltweit geschätzten Funktionen ausgefeilter Analyse- und Trainingsmöglichkeiten. An der großen Beliebtheit des Programmes und besonders der Bedienung gibt es nichts zu rütteln. Damit bleibt ChessBase den bisherigen Kunden zugetan: wer Deep Fritz 14 startet, sieht keinen Unterschied zu Deep Fritz 13 – vertraute Umgebung, keine verwirrenden Funktionen oder Gimmicks, die man erst wieder erlernen müsste, höchste Usability beim Oberflächenlayout. Übrigens zeigen die genannten Systemvoraussetzungen, dass das Paket auch unter 32-bit funktionieren wird.

Wie bisher bleibt der Zugriff auf mehr als 200 Millionen (!) hochwertigster Analysen, die auf dem Schach-Server gespeichert sind, mit Hilfe der Funktion „Let’s check“ erhalten, tägliche Aktualisierung inbegriffen. Wer auf die Schnelle eine Eröffnungsposition kontrollieren und auf ihre Tauglichkeit hin überprüfen möchte, kann dies durch „Let’s check“ in wenigen Sekunden mit 1-2 Mausklicks tun – langes Verweilen vor dem PC und ebenso lange Berechnungszeiten sind somit für den Anwender vorbei. Ebenfalls blieben alle Möglichkeiten erhalten, mit Hilfe der Cloud-Funktion auf entfernt verfügbare Engines (quasi eine fiktive Rechneransammlung im Internet) zuzugreifen, ohne die eigene Hardware zu strapazieren. (Der „Let’s Check-Zugang“ mit Deep Fritz 14 endet am 31.12.2016 – bis dahin wird vermutlich Deep Fritz 18 verfügbar sein.) Umgekehrt kann ich weiterhin meine eigene Maschine anderen Spielern und Spielerinnen anbieten – wiederum Vertrautes aus der Deep Fritz 13-Umgebung. Oder aber ich kann im heimischen Netzwerk meine eigenen PCs oder Notebooks in der Cloud für mich selber nutzen. Leider ist derzeit noch keine Bündelung der Hardware möglich, vielleicht ist dies aber bald schon Zukunftsmusik.....

Neu hinzugekommen ist ein Eröffnungsbuch von Alex Kure mit mehr als 4 Millionen Stellungen, sowie eine Datenbank mit ca. 1,5 Millionen Partiebeispielen. Der „Schach.de-Premium-Zugang“ blieb erhalten, allerdings als ein kleiner Wermutstropfen nur noch für sechs Monate, wobei der „alte“ Fritz für die doppelte (!) Zeit den Zugang ermöglichte. Vielleicht ist dafür im Gegenzug der Kaufpreis wesentlich attraktiver geworden: lediglich knapp 70,-- Euro (im Vergleich zu letztjährig ca. 100,-- Euro) und dafür erhalte ich quasi eine 32-bit- und (!) eine 64bit-Version.

Kommen wir zur Leistungsfähigkeit: schon bei den Vorversionen wurde (auch von mir) immer wieder darauf hingewiesen, dass man zwar eine absolut leistungsfähige Schach-Engine bekam, jedoch blieb sie den Spitzenprogrammen der jeweiligen Zeit ein wenig unterlegen. Damit wir uns richtig verstehen, die Spielstärke liegt um ein Vielfaches über dem, was ein routinierter, sehr guter Vereinsspieler (ohne IM- oder GM-Ehren) bieten / leisten kann. Es ging bei meinem Hinweis lediglich darum, die Stärken der neuen Fritz-Engine im Vergleich zu anderen Engines abzuwägen. Ein erster Test mit Hilfe von Engine-Turnieren bei gleichen Voraussetzungen brachte keine entscheidende Verbesserung der Spielstärke zu Tage. Deep Fritz 14 war gut – vielleicht eine Nuance besser als einige Konkurrenten, die entwicklungsmäßig zu stagnieren scheinen, aber die „zauberhafte“ Qualität eines Mitbewerbers konnte nicht ganz erreicht werden – genauso wenig war eine andere Engine ein „kleiner Fisch“ für Fritz.

Meine Testumgebung in einem Engine-Blitzturnier (100 Partien, je 5 Minuten, max. 80 Züge, alle mit 4 CPU-Kernen, alle das neue Buch von Fritz 14, gleiche Hash-Größe von 1024 MB) bestand aktuell aus:

Deep Fritz 14 x64, Deep Fritz 13, Houdini 3 Pro x64, Houdini 3 x64, Deep Rybka 4.1 SSE 42 x64, Critter 1.6a 64-bit, Ivanhoe 9.47b x64 und Stockfish 131102 x64s. Sehr schade ist übrigens, dass sich die Deep Fritz 14-Engine in keine alternative grafische Oberfläche hat einbinden lassen. Hat ChessBase das nötig, einfach keine UCI-Engine verfügbar zu machen? Umgekehrt gibt es keinerlei Probleme, in der Fritz-GUI andere Engines einzubinden. Soll das jetzt ein Alleinstellungsmerkmal werden?

Da eine Neuerscheinung des „Zauberkünstlers“ in wenigen Wochen zu erwarten ist, muss ich den absoluten Härtetest noch ein wenig verschieben – er wird aber auf alle Fälle nachgeholt. Eine nachfolgende Rezension meinerseits wird vielleicht noch ein wenig mehr Klarheit bringen.

Deshalb sei für jetzt erst einmal folgender Turnierendstand festgehalten (+1, =0,5 -0):
1. Houdini 3 Pro x64 70 P. aus 100 Partien
2. Deep Rybka 4.1 SSE 42 x64 63 P. aus 100 Partien
3. Houdini 3 x64 56 P. aus 100 Partien
4. Deep Fritz 14 54 P. aus 100 Partien
5. Stockfish 131102 x64s 51 P. aus 100 Partien
6. Ivanhoe 9.47b x64 Analysis 35 P. aus 100 Partien
7. Critter 1.6a 64-bit 35 P. aus 100 Partien
8. Deep Fritz 13 29 P. aus 100 Partien

Ergänzend habe ich noch einen Engine-Zweikampf zwischen der zurzeit als am spielstärksten eingeschätzten Maschine und dem neuen Fritz spielen lassen, mit einem Ergebnis, das mich doch ein wenig zusammenzucken ließ (gespielt wurden 60 Partien mit 8 CPU-Kernen und jeweils 5 Minuten Spieldauer):
Deep Fritz 14 x64 - Houdini 3 Pro x64
7,5 : 52,5

Im Klartext: Deep Fritz 14 x64 konnte lediglich 5 Partien gewinnen, Houdini 3 Pro x64 hingegen war stolze 50 Mal der Sieger! Auf weitere Leistungstests habe ich aus den oben genannten Gründen vorerst verzichtet.

Systemvoraussetzungen (mind.):
Pentium III 1 GHz, 2 GB RAM, Windows Vista, XP (Service Pack 3), 7/8, DirectX9, Grafikkarte mit 256 MB RAM, DVD-ROM Laufwerk, Windows Media Player 9 und Internetzugang für Programmaktivierung, Schach.de-Zugang, Let’s Check und Updates.

Systemvoraussetzungen (empf.):
PC Intel i5 (Quadcore), 4 GB RAM, Windows 7/8, DirectX10, Grafikkarte mit 512 MB RAM oder mehr, 100% DirectX10- kompatible Soundkarte, Windows Media Player 11, DVD ROM Laufwerk und Internetzugang für Programmaktivierung, Schach.de Zugang, Let’s Check und Updates.

Fazit:
Damit scheint sich für mich das zu bestätigen, was bereits vermutet wurde: Deep Fritz 14 bietet dem Käufer eine klar strukturierte und kaum noch zu verbessernde grafische Oberfläche. Die Zusatzmöglichkeiten mit der Cloud oder Let’s Check verbunden mit dem kostenlosen sechsmonatigen Zugang zum Premium-Server unter www.schach.de sprechen ganz eindeutig für sich. Leichter zu handhaben und übersichtlicher gibt es derzeit nichts Vergleichbares (außer vielleicht Deep Fritz 13 – dem Zwillingsbruder). Wer jedoch neue Bestwerte im Leistungsverhalten erreichen will, darf Fritz nicht als das absolute Maß aller Dinge sehen. Die Spielstärke hat zwar deutlich zugenommen (man schaue bitte auf das Turnierergebnis von Deep Fritz 13), aber zu den Top-Plätzen der Liga fehlt noch ein wenig.

Danke an ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar, das mich von der Oberfläche und seinen Möglichkeiten her absolut überzeugt hat. Wer noch nicht einen „Fritz 13“ im Hause hat, kann zugreifen, zumal ja auch demnächst der neueste „Zauberkünstler“ verfügbar sein wird, der in der hochwertigen Oberfläche lauffähig sein dürfte. Auch sollte der Preis, der im Vergleich zu den Vorgängerversionen deutlich abgesenkt wurde, nicht außer Acht gelassen werden – die zu erwartenden Konkurrenten-Engines liegen vermutlich bei ca. 100,-- Euro für die Pro-Version und etwa 80,-- Euro für die Standardversion – die Fritz-GUI wird dann wohl bei beiden im Preis enthalten sein.

Heinz–Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)