The Giuoco Piano – Master and amateur - D´Costa / Murphy

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Dr. Matthias Bergmann am 10.02.2014
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: „fritztrainer eröffnung“: englische Sprachversion, ChessBase GmbH, Hamburg;
ISBN: 978-3-86681-377-9, Preis: 27,90 €

In dieser DVD der ChessBase Reihe zum Eröffnungstraining findet ein neues Konzept Platz, das durchaus attraktiv für den Zuschauer ist: Ein Internationaler Meister (Lorin D´Costa) und ein „Amateur“ (Nick Murphy) diskutieren gemeinsam ein Eröffnungssystem, das zu den ältesten dokumentierten Eröffnungen des Schachspiels gehört, nämlich die „Italienische Partie“ (1.e4 – e5, 2.Sf3 – Sc6, 3. Lc4 – Lc5). Es werden im Wesentlichen drei Varianten behandelt, die anhand unterhaltsamer Partien starker Spieler (unter anderem illustre Namen darunter wie zum Beispiel Short, Carlsen und Anand) besprochen werden:

Im Hauptteil der DVD wird die Hauptvariante in 17 Videos bzw. Beispielpartien mit der Zugfolge 4.c3 – Sf6, 5. d4 – exd4, 6.cxd4 thematisiert. Anschließend wird an acht Beispielvideos die noch „ruhigere“ Variante „Giuoco pianissimo“ behandelt, die den Weißen anstatt 5. d4 den Bauern nach d3 setzen lässt, woraus sich weniger taktische, sondern eher positionelle Fortsetzungen ergeben.

Abschließend besprechen die beiden Akteure anhand zweier Beispielpartien noch ein Abspiel des „verweigerten“ Evans-Gambits, indem 5. b4 erfolgt. Der Spieler mit Weiß hat hier den Vorteil, dass der Damenflügelangriff ohne Opferung des Bauern erfolgen kann, da ja zuvor der c-Bauer gezogen hat. Soweit in aller Kürze die wichtigsten Informationen zum Inhalt der DVD, nun noch ein paar Sätze zu meinem Eindruck zu diesem Lehrgang:

Mir gefällt die Art und Weise, wie die beiden die Partien besprechen, sehr gut. Das Gespräch ist einerseits fachlich fundiert, aber zugleich unterhaltsam, da beide die Sache sichtlich gut gelaunt angehen – es wird ab und zu auch mal gelacht! D´Costa als Experte stellt dem „Amateur“ Fragen, wie die Fortsetzung in einer Partie erfolgen könnte. Dabei erweist sich Murphy übrigens – das ist aber auch nicht ganz überraschend - als ebenfalls versierter Schachspieler. An diesen Stellen ergibt sich natürlich und sinnvollerweise die Möglichkeit, das Video zu unterbrechen und erst einmal selbst zu schauen, was man ziehen bzw. wo die sinnvollste Fortsetzung liegen könnte.

Besitzt man zugleich eine geeignete Schachsoftware aus dem Hause ChessBase (wie etwa Deep Fritz 14 oder Houdini 4 – bei diesen beiden habe ich es ausprobiert), kann man auch beliebige Stellungen der gezeigten Partien per Mausklick kopieren und dann in den genannten Programmen weiterspielen bzw. parallel zum Video studieren.

Die ausgewählten Partien sind hochkarätig und zumeist etwas jüngeren Datums. Sie werden intensiv diskutiert, wobei auch allgemeine Prinzipien des guten Schachspiels berücksichtigt werden. Als Beispiel sei nur die immer wieder zu Recht betonte Initiative genannt, die nach Möglichkeit zu erzielen ist.

Schön ist bei der Auswahl der Beispiele, dass Gewinnpartien beider Farben gezeigt werden. Da beide Akteure „native speaker“ sind, sollte man allerdings schon ein wenig Übung im Englischen besitzen, um dem gut gelaunten Gespräch gänzlich folgen zu können. Aber der Vorteil eines Video-Lehrgangs ist es ja schließlich, dass man Sequenzen beliebig wiederholen kann!

Fazit: Diese DVD aus der Reihe „fritztrainer eröffnung“ sei allen Schachspielern empfohlen, die sich auf angenehmer Weise „Italienisch“ nähern wollen, indem sie einige wichtige Ideen und Strategien dieser altbekannten Eröffnung in immerhin rund 5 Stunden Videospielzeit kennenlernen oder auch wieder auffrischen. Ich selbst habe dieses System seit meinen Jugendtagen nicht mehr gespielt und es hat Freude gemacht, sich mal wieder hiermit – unter Anleitung der sympathischen Akteure Lorin D´Costa und Nick Murphy - auseinanderzusetzen.

Systemvoraussetzungen: Pentium Prozessor 300 MHz oder besser, 64 MB RAM, Windows XP, Windows Vista, Windows 7/8, DVD-ROM Laufwerk, Maus, Soundkarte.

Danke an ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Dr. Matthias Bergmann (Lehrer an einer Bielefelder Gesamtschule)