CT-ART 3.0 von Maxim Bloch

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Marcus Wegener am 26.07.2006
Besprechung von CT-ART 3.0 von Maxim Bloch, Convekta, ca. 32,- €

Auch auf die Gefahr mich zu wiederholen: Die meisten Schachpartien werden nicht dadurch entschieden, dass man den Gegner in einem strategischen Ringen bezwungen hat, sondern weil dieser etwas eingestellt hat – oder man selbst. Damit es zu letzterem nicht kommt, sollte man als Schachspieler stets Wert auf taktische Übungen legen. Bei diesen werden typische Kombinationsmotive gezielt trainiert, so dass das Gehirn während einer Partie diese Muster wiedererkennen und die richtige taktische Abwicklung wählen kann.

Als Buch kann ich zu diesem Zweck vor allem Jakow Neistadts „Schachpraktikum“ aus dem Berliner Sportverlag empfehlen (leider vergriffen). Die Konzeption ist sehr gut durchdacht: Zuerst wird ein spezielles Kombinationsmotiv anhand einfacher Beispiele erläutert, dann bekommt man Aufgaben zu diesem Motiv mit einer verbalen Hilfestellung, anschließend Aufgaben zum Motiv ohne diese Hilfe. Dann wird das nächste Motiv auf dieselbe Weise besprochen und zum Schluss werden die Motive miteinander kombiniert, wiederum zuerst mit einer helfenden Einleitung, dann ohne. So arbeitet man sich wirklich Schritt für Schritt kombinatorisch nach oben und die Mustererkennung wird trefflich geschult. Wer an das „Schachpraktikum“ nicht mehr herankommt, sollte sich beim Kauf einer Taktikschule in Buchform zumindest an deren Konzept orientieren.

Viel einfacher lässt sich Taktik aber natürlich am PC trainieren. Allerdings konnte mich bisher noch keine Taktik-CD so richtig überzeugen (siehe meine Rezensionen der Renko-CDs für PSM, „Das große Taktik 1x1“ von Renko liegt mir allerdings noch nicht vor). So werden z.B. die Killerzüge von Renko nicht nach Motiven zusammengefasst, was im Sinne der Mustererkennung hilfreich wäre. Außerdem lässt die Rückmeldung der Software zu wünschen übrig: Entweder man findet den richtigen Zug und bekommt Punkte oder eben nicht und die Auswertung der Lösungen speist den Anwender mit einer schlichten Prozentangabe ab.

Einen anderen Weg geht man bei der russischen Softwarefirma „Convekta“ und dem Programm CT-ART 3.0 von Maxim Bloch (im Net unter http://chessok.com/index.html , dort kann man sich auch eine kostenlose Testversion herunterladen!). Diese Software nimmt den Trainierenden gewissermaßen an die Hand und führt ihn durch die Lösung der Kombinationen. Das beginnt damit, dass die Kombinationsmotive thematisch sortiert sind – so lassen sich einzelne Motive gezielt trainieren. Und beim Arbeiten mit den Aufgaben erwarten den Anwender eine Menge Feinheiten. Macht er z.B. den 1. Zug einer Kombination richtig, erhält er damit noch längst nicht alle möglichen Punkte der Aufgabe, sondern er muss Schritt für Schritt die richtige Fortsetzung finden. Bei einem typischen Fehler zeigt das Programm sofort die Widerlegung (bei Chessbase muss man dafür FRITZ herbeirufen), außerdem wird man durch farbige Markierung der kritischen Felder und Figuren auf die Kernpunkte der Stellung hingewiesen. Bei einem weiteren Fehler erhält man auf einem kleinen 5x5 Brett das Schlüsselmotiv der Stellung zur Lösung vorgelegt, wenn man dieses gelöst hat, kann man sich dann wieder der eigentlichen Aufgabe widmen. Im Endeffekt ist der Lernzuwachs damit sicherlich um einiges höher, außerdem gefällt mir, dass damit die Möglichkeiten, die das Üben am PC bietet, einmal tatsächlich ausgenutzt werden.
Besonders schön gelingt dies auch in der Statistik-Funktion: Die erzielten Punkte werden in eine ELO-Zahl umgerechnet (was man nicht allzu ernst nehmen sollte, aber für den Anwender sicherlich motivierend ist) und es wird angezeigt, bei welchen Motiven besondere Stärken und Schwächen des Nutzers liegen. Apropos Nutzer: Für Trainer ist sicherlich interessant, dass sich mehrere Benutzer eingeben lassen, für die dann separate Auswertungen gemacht werden können. Die Anzahl der Stellungen beträgt 1217, in Wirklichkeit ist die Zahl aber einiges höher, denn CT-ART fordert den Lernenden in einer Vielzahl von Positionen zu zwei Lösungen auf, jeweils für Weiß und Schwarz! Ein interessantes Feature, dass dazu beiträgt, auch nach guten Zügen für den Gegner zu suchen, die die eigene Kombination vielleicht widerlegen könnten.

Es ist immer etwas schwierig abzuschätzen, ab welcher Spielstärke sich ein Programm eignen könnte, angegeben sind 1600 oder höher, aber die dürften schon einige sehr harte Nüsse zu knacken haben.
Gewöhnungsbedürftig sind meines Erachtens Layout und Menüführung, auch die Deutsch holpert manchmal etwas für sich hin. Schade auch, dass man zwar Crafty als Engine zuschalten kann, um eine Variante zu überprüfen, dieses dann aber nur Züge ausführt und keine Varianten- und Bewertungsanzeige einsehbar ist. Insgesamt trübt dies aber den sehr guten Gesamteindruck dieser Software nur unwesentlich.

Als NON-CB Produkt ist der Bezug dieser Software vielleicht nicht ganz so einfach, auch der Preis variiert etwas stärker als gewohnt. Bei Chessgate kostet CT-ART 32,- €. Das ist nicht wenig Geld, allerdings steckt in der didaktischen Aufarbeitung auch einiges an Arbeit. Wer noch etwas mehr Geld und Zeit investieren möchte, kann sich den Kauf von „Schachtraining total“ überlegen, dass neben dem CT-ART von Convekta noch die Trainings-CDs Strategie 2.0, Enzyklopädie des Mittelspiels, Enzyklopädie der Eröffnungsfehler und Studien 2.0 enthält (etwa 100,- €).

Marcus Wegener, Realschullehrer und B-Trainer des Deutschen Schachbundes