Deep Junior 13.8 - 64bit Multiprozessor Version

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 29.03.2014
 Auf Amazon.de kaufenChessBase GmbH, Hamburg; ISBN 978-3-86681-399-1; Preis 79,90 €

Seit wenigen Wochen habe ich den neuesten Spross aus der "Junior"-Reihe zum Testen in Händen. 2013 wurde diese Schach-Engine Computerschach-Weltmeister in Yokohama. Hochgepriesen wurde die Maschine vor allem wegen ihrer speziellen Suchalgorithmen; die Experten sagen, dass kein Programm so gerne Material für Initiative opfert wie Junior, besonders die Qualitätsopfer seien inzwischen legendär. Ein Grund für mich zu testen, wie sich die Meinungen in der Alltagspraxis auswirken.

Der aktuellen Version 13.8 (Warum eigentlich "13.8"? Soll damit bereits angedeutet werden, dass Fritz 14 ein wenig mehr Leistung besitzt...?) wurden folgende Komponenten beigelegt:
* Deep Fritz 14-Programm-Oberfläche (64- und 32-Bit)
* Premium Mitgliedschaft auf schach.de (6 Monate)
* Zugang zur Analyse-Datenbank "Let's check" mit mehr als 200 Millionen Stellungen (gültig bis Ende 2016)
* Datenbank mit 1,5 Millionen Partien

Das unterscheidet sich nicht vom "Beipack-Programm" der anderen aktuellen Engines aus dem Hause Chessbase (z. B. Deep Fritz 14 oder Houdini 4), somit Gleichstand und kein Pluspunkt für den Junior. Ärgerlich ist außerdem, dass nach der Installation auf einem System, auf dem bereits Deep Fritz 14 oder Houdini 4 eingerichtet waren, alle persönlichen Einstellungen verloren gehen und sogar die aktuellsten Updates wieder durch alte Versionen überschrieben wurden. Anschließend darf der Nutzer somit wieder die aktuellsten Updates downloaden und installieren - Minuspunkt für Deep Junior, das hätte in der Installationsroutine unbedingt beachtet werden müssen! Nach dem geschilderten Prozedere ist dann letztlich die grafische Oberfläche wieder so, wie sie vor der Neueinrichtung schon einmal gewesen war. Die Bedienung der Schachengine erfordert keinerlei Umstellung, da Darstellung und Möglichkeiten dem Altgewohnten entsprechen.

Widmen wir uns daher der spielerischen Qualität und Stärke des Programms. Erlesene Testkandidaten waren die kommerziellen Engines Deep Fritz 14 x64, Deep Fritz 13, Houdini 3 Pro x64, Houdini 3 x64, Houdini 4 Standard, Houdini 4 Pro, sowie das ältere Deep Rybka 4.1 SSE 42 x64, die ich - wie schon bei meinen letzten Tests - in einem Engine-Blitzturnier (200 Partien, je 5 Minuten, max. 80 Züge, alle mit 4 CPU-Kernen, alle das neue Buch von Fritz 14, alle gleiche Hash-Größe von 1024 MB) antreten ließ. Das Ergebnis auf meinen Systemen (Tower-PC mit Intel Core i7 CPU 3,2 GHz, 8 GB RAM unter Windows 7 64bit, sowie ein Notebook mit Intel Core i7 QM-CPU up to 2,9 GHz, 16 GB DDR3-RAM) ließ mich zusammenzucken:

Deep Junior 13.8 konnte sich lediglich auf Platz 7 platzieren - mit einem überaus deutlichen Abstand zur Spitze, bestehend aus Houdini 4 Pro, vor Houdini 4 Standard, Houdini 3 Pro x64, Deep Rybka 4.1. SSE 42 x64 - Houdini 3 x64 und Deep Fritz 14 x64 waren geringfügig besser und Deep Fritz 13 geringfügig schlechter. Das hat mich doch ziemlich überrascht, weil ich der aggressiv opfernden Engine aus den Vorankündigungen mehr zugetraut hätte. Ein Zweikampfvergleich mit dem derzeitigen Platzhirschen der Branche (Houdini 4 Pro) hatte ein noch verheerendes Resultat: von 50 gespielten Blitzpartien (5 Minuten) gewann Deep Junior 13.8 nicht eine!!!

Systemvoraussetzungen (mind.):
Pentium III 1 GHz, 2 GB RAM, Windows Vista, XP (Service Pack 3), 7/8, DirectX9-Grafikkarte mit 256 MB RAM, DVD-ROM Laufwerk, Media Player 9 und Internetzugang für Aktivierung, Schach.de-Zugang, Let's Check und Updates.

Systemvoraussetzungen (empf.):
PC Intel i5 (Quadcore), 4 GB RAM, Windows 7/8, DirectX10-Grafikkarte mit 512 MB RAM oder mehr, DirectX10-kompatible Soundkarte, Windows Media Player 11, DVD ROM Laufwerk und Internetzugang für Aktivierung, Schach.de Zugang, Let's Check und Updates.

Fazit:
Die Programmoberfläche und -bedienung (Deep Fritz 14) sind für mich weiterhin Qualitätsmaßstab, den Deep Junior 13.8 adäquat nutzen kann. Die beigefügten optionalen Komponenten sind ebenfalls sehr gut und hilfreich für den routinierten Schachfreund. Die Qualität der Engine (zumindest im direkten Vergleich mit digitalen Mitbewerbern) ist meines Erachtens nicht überragend, vielleicht sogar eher minderwertig.

Diese Beurteilung bezieht sich jedoch keinesfalls auf "normale menschliche" Gegner, denen das getestete Produkt weiterhin klar überlegen ist. Deswegen bleibt festzuhalten: wer eine Engine sucht, gegen die man spielen und mit der man lernen kann, kann hier in Anbetracht des noch akzeptablen Preises zugreifen. Wer eine Spitzen-Engine sucht, um auch im Engine-Vergleich mit aktuellen Konkurrenten zu bestehen, dem muss ich aufgrund meiner Erfahrungen leider raten die Finger davon zu lassen.

Danke an ChessBase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)