Fritz 10

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Michaela Mielke und Dr. Udo Käser am 23.12.2006
Rezension „Fritz 10.0“

Mit der zehnten Version von Fritz feiert die weltweit wohl bekannteste Schachsoftware ein kleines Jubiläum. Will man aber wissen, was von Fritz 10 zu halten ist, stellt sich zuvor eine einfache Gegenfrage: Besitzt man bereits eine ältere Version oder ist man ein Neueinsteiger in die Welt der Schachsoftware? Im ersten Fall liegt der Augenmerk auf der Frage, was neu an Fritz 10 ist und ob es nicht ratsam und preiswerter wäre, bei einer bewährten älteren Version zu bleiben. Im zweiten Fall möchte man wissen, was überhaupt mit Fritz 10 anzufangen ist.

Die Antwort auf die zweite Frage vorweg – was kann Fritz 10 überhaupt? In der Hauptsache eröffnen sich dem Schachspieler, der Fritz 10 neu erworben hat, vier Perspektiven: Einerseits kann er gegen Fritz 10 mit dem Ziel, besser zu werden und Spaß zu haben, spielen und analysieren. Andererseits kann er das Internetportal www.schach.de betreten und dort online in einem weltweiten Forum gegen andere Schachspieler antreten, die so zahlreich sind, dass fast immer schon ein passender Gegner wartet. Weiterhin kann er den in Fritz 10 integrierten Anfängerkurs mit Björn Lengwenus nutzen, um das Schachspielen zu erlernen. Und schließlich bietet sich die Möglichkeit, andere Produkte aus dem vielfältigen Angebot von ChessBase zu erwerben und einzubinden.
Das Spielen, sei es gegen Fritz oder gegen andere Spieler im Internet, ist äußerst gut gelungen. Das Ziel, in Fritz 10 einen allzeit bereiten Spielpartner zu finden, ist durch die Möglichkeit, seine Spielstärke variabel einzustellen, bestens gegeben. Auch ist die Software leicht handhabbar, so dass es keines großen Aufwands bedarf, zum Spielen zu gelangen. Will man allerdings durch Analyse und Recherche seine Spielstärke verbessern, so gilt für Fritz 10 die gleiche Regel wie für alle technischen Behelfe: Sie nehmen den Nutzer immer auch in die Pflicht zu bedenken, was man tut, wenn man sie nutzt. Ohne das kritische und selbstständige Durchdenken vorgeschlagener Varianten, hilft auch das stärkste Analysemodul nicht, selbst besser zu werden. Weniger gut hingegen ist der Anfängerkurs gelungen. Zwar sind die Videosequenzen gut gemacht und die Erklärungen sachlich richtig, doch fehlt jede interaktive Einbindung des Nutzers im Lernprozess. Hier wäre methodisch ein erheblich besseres Arrangement der Lernsituation möglich gewesen. Dafür gibt es aber vielerlei Ausblicke auf andere Angebote von ChessBase – wie im Anfängerkurs durch ausgewählte Videosequenzen, welche Appetit auf mehr machen, wenn auch zum Teil der Eindruck besteht, dass eine bessere Regie beim Einsprechen gut getan und die Qualität insgesamt noch erhöht hätte.

Wie sieht dies nun für Nutzer aus, die schon stolze Besitzer einer älteren Version sind. Man merkt es vielleicht schon: Obige Beschreibungen klingen für Anwender, die das Programm schon von früher kennen, bekannt. Tatsächlich sind die Fortschritte gegenüber älteren Versionen eher gering. Es gibt zwei schöne, neue Brettansichten. Die graphische Darstellung von Zugmöglichkeiten zum Beispiel durch Pfeile wurde erweitert. Der Engine von Fritz 10 ist noch stärker als früher. Google Earth ist eingebunden beim Spielen im Internet. Unabhängig von diesen Neuigkeiten, die gegenüber Fritz 9.0 gering anmuten, wird aber auch von verschiedenen Bugs berichtet, die im Kaufpreis von 45 Euro enthalten sind. So tauchen die alten Probleme beim Ausdrucken von Diagrammen, welche mit der letzten Version von ChessBase überwunden zu sein schienen, wieder auf. Weitere Fehler können in der Zwischenzeit zwar durch ein Update, das als Download erhältlich ist, behoben werden, doch sind solche Mängel bei einem Programm, das sich selbst als Standard versteht, schon ärgerlich.

Fazit – besitzt man Fritz noch nicht und will man jederzeit auf einen spielstarken Gegner zugreifen oder Partien mit der Hilfe höchster Rechenkraft analysieren können, so lohnt sich der Kauf von Fritz 10.0. Mutet die Bezeichnung auf der Programmrückseite, Fritz sei unentbehrlich, auch übertrieben an, hilfreich und nützlich ist er gewiss. Ob sich der Kauf von Fritz 10.0 aber lohnt, wenn man schon Fritz 9.0 besitzt, kann zumindest bezweifelt werden. Hier gilt eher die Devise: Kann man machen, muss man aber nicht. Vielleicht ist es ja doch schlauer, eine Versionsnummer zu überspringen und auf Fritz 11.0 zu warten, das dann vielleicht wirkliche Neuerungen aufweisen wird.

Michaela Mielke (Anea), Udo Käser