Fritz 10 - Das ganz große Schachprogramm

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 25.12.2006
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ChessBase GmbH, Hamburg; erschienen November 2006
ISBN–10: 3–86681–005–9, ISBN–13: 978–3–86681–005–1; Preis ca. 50,-- Euro

Jetzt halte ich ihn also in Händen – den neuesten Wurf von ChessBase – das nahezu jedem Schachspieler oder –freund bekannte Computerprogramm Fritz in der aktuellen Ausgabe 10.
Die bisherigen Vorversionen sind mir zwar bekannt, aber Fritz 10 ist die erste Software in dieser hochkarätigen Version, die mir zum Testen und rezensieren überlassen wurde. (An dieser Stelle schon einmal recht herzlichen Dank dafür an die Firma ChessBase!)
Nach einer schnellen, zügig ablaufenden Installation von der kopiergeschützten Programm–DVD, die man beim erstmaligen Start einmalig im Laufwerk liegen haben muss, kommt man ohne Umschweife zum Startbildschirm, in dem man die sich selbst erklärenden Optionen „Fritz“ – „Zu Schach.de“ – „Schachkurs“ – „Verlassen“ vorfindet. Es sei nicht versäumt zu erwähnen, dass im Kaufpreis der DVD der kostenlose einjährige Zugang zum Schachserver „Schach.de“ enthalten ist. Dort findet der ambitionierte Schachfreund Möglichkeiten in Hülle und Fülle, um seinem Schachhobby auf vielfältige Art und Weise frönen zu können. Ich möchte jedoch an dieser Stelle verzichten, näher auf diesen Bereich einzugehen, da ich dem geneigten Leser die Software Fritz 10 vorstellen will. Wer neugierig ist, braucht sich ja nur dort anzumelden.
Hat man sich nun für die Auswahl „Fritz“ entschieden, startet das Programm und führt uns in den Spiel– oder Betrachtungsbereich, mit dessen Hilfe das Schachspielen, Analysieren, Betrachten, Nachspielen… vollzogen werden kann. Den größten Platz nimmt natürlich das Schachbrett ein, das man in vielen unterschiedlichen 2–D oder 3–D–Ansichten in hoher Darstellungsqualität konfigurieren kann. Dabei soll nicht verschwiegen werden, dass es zur flüssigen 3–D–Darstellung z. B. des Schach–Türken einer enorm hohen Grafikpower bedarf, um die Abläufe und Animationen flüssig zu halten. Umgeben ist dieses Spielfeld von einer Reihe hilfreicher Zusatzbereiche, die alle völlig individuell ein– oder abgeschaltet werden können. (Beispielhaft genannt seien: Notation, Uhren, Bewertungsprofile, Positionserklärer, Eröffnungsbuch, Materialanzeiger u. a.)
Eine Menu– und Iconleiste im Windows–Stil hilft bei allen notwendigen Vorgängen diese Schach–Software intuitiv zu bedienen. Insgesamt betrachtet ist jede Funktion des Programms, die zum Spielen benötigt wird, nahezu selbsterklärend, so dass der Blick ins beiliegende dünne Booklet kaum notwendig wird. Ob man bei schwierigen Problemstellungen mit dem Booklet auskommt, darf angezweifelt werden, jedoch befindet sich sowohl auf der DVD als auch auf der Festplatte (wenn man es bei der Installation so ausgewählt hat) ein sehr umfangreiches PDF–Handbuch, das auch noch durch eine Onlinehilfe unterstützt wird. Hier lassen sich dann auch knifflige Fragen beantworten, die z. B. aus der Konfiguration und Einbindung von Chess–Engines, Datenbanken, PGN–Dateien oder der Wiedergabe von Media–Dateien entstanden sind.
Viele Schachspieler/–innen werden sicherlich monieren, dass die Spielstärke eines solchen Programms doch den Horizont jedes Hobbyspielers und auch manchen Vereinsspielers bei weitem übersteigt. Zugegeben – das stimmt, aber keine Angst: Fritz kann auch anders. Er passt sich automatisch jeder Spielstärke an, hilft während der Partie mit Zug– und Stellungserklärungen, Coachfunktion, Gefahrenanzeige und Eröffnungsstatistik. Ein Highlight sind z. B. die „Dynamischen Tipps“, bei denen man während des Zuges angezeigt bekommt, welche Gefahren drohen, welche Gefahren man selber erzeugt und welche Zugkorrelationen zu den übrigen Spielsteinen entstehen oder entstanden sind. Ich schätze gerade diese Funktion als sehr hilfreich ein, zeigt sie doch Anfängern und unerfahrenen Spielern während der Zugfolge an, was gerade unsichtbar für die Augen auf dem Brett abläuft. Sie wird mir in manchen Schach–AG–Sitzungen und beim Einführungs–Training mit Jugendlichen viele Fragen und notwendige Hinweise abnehmen können. Fritz geht sogar noch einen Schritt weiter, er zeigt umfangreiche „Pläne“ an, d. h. strategische Zugfolgen (sowohl des Anziehenden als auch des Nachziehenden) können so grafisch anschaulich analysiert werden.
Zu all diesen genannten Möglichkeiten kommt noch manches Highlight hinzu: Eröffnungs– und Endspieltraining, Angriffs– und Verteidigungstraining, insgesamt 8 (!!!) Stunden Videotraining, Eröffnungsbücher mit dazu wählbaren Optionen u. v. m.
Außerdem ergibt sich noch eine interessante weitere Variante: Schach–Media–Dateien wie die auf den bereits früher von mir rezensierten CDs oder DVDs („Die große Eröffnungsschule“ oder „Schachendspiele“ aus dem Hause ChessBase) lassen sich ohne weiteres in der Fritz–Oberfläche abspielen und nutzen, eine ebenfalls gute Lösung.
Interessant ist auch die Tatsache, dass Fritz 10 mit anderen Spielformen des Schach durchaus umgehen kann: Räuberschach, Schach 960 / Fischer Random Chess kann ich ebenfalls, wenn mir der Sinn danach ist, aus dem Spielrepertoire abrufen.
Schachprobleme (Mattsuche) lassen sich mit der Software auch noch lösen, es gibt zusätzliche Analysebretter, komplette Vollanalysen, Stellungseingabe mit Stellungsspiegeln – die Möglichkeiten übersteigen meines Erachtens beinahe das, was ich beschreiben kann. Dieses Programm ist ein wahrer Gigant für den ambitionierten Schach–„Besessenen“!!!
Es muss allerdings auch auf systemische Voraussetzungen kurz eingegangen werden, soll heißen: Was muss mein PC leisten können?
Minimal: Pentium 300 MHz, 64 MB RAM, Windows 2000 SP4, Windows XP SP2, DVD–ROM–Laufwerk, Windows–Media Player 9.
Empfohlen: Pentium IV 2,2 GHz oder besser, min. 256 MB RAM, Windows XP, GeForce5 Grafikkarte (oder vergleichbar) mit 64 MB Speicher oder besser, 100 % DirectX kompatible Soundkarte, Windows Media Player 9, DVD–ROM–Laufwerk.
Nach meiner Einschätzung sind jedoch auch die empfohlenen Werte nicht völlig hinreichend. Gerade der 3–D–Bereich erfordert mehr als 256 MB RAM und vor allem die Grafikkarte braucht deutlich mehr als 64 MB (ich habe das Programm mit einer 3–D–Grafikkarte mit 256 MB (!) genutzt und habe immer noch teilweise hakelige Animationen gesehen).
Zum Abschluss meiner Ausführungen darf natürlich ein Qualitätsurteil nicht fehlen: Der aktuelle Fritz 10 verwöhnt den Schachinteressierten auf vielfältigste Art und Weise, grandiose Möglichkeiten der Analyse, kombiniert mit einfach zu bedienenden Elementen, die das Schachspielen und Schachlernen am PC erleichtern können. Also: echte Kaufgründe!
Ein kleiner hypothetischer Wermutstropfen muss schließlich bleiben – der darf aber keinesfalls der Software oder dem Hersteller angelastet werden: in den kommenden Zeiten werden noch mehr Spieler und Spielerinnen, die bisher auf Schachservern gespielt haben, eine nicht mehr nachzuvollziehende Spielstärke erlangen. Woran mag es liegen? Am absolut tollen Trainingsresultat, das man dank Schachtraining mit Fritz 10 erzielen konnte oder doch eher daran, dass Fritz selber gespielt hat und der (die) Käufer/–in nur die Maus geschoben hat?
Honni soit qui mal y pense…

Heinz–Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)