My best games in the Nimzo-Indian“ – Alexei Shirov

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 31.03.2007
 Auf Amazon.de kaufenaus der Reihe: fritztraineropening (englischsprachig) Chess Base GmbH, Hamburg
ISBN 978-386681-024-2, Preis 32,90 Euro

Machen wir es zu Beginn ganz kurz:
Wem acht (!) kommentierte und mit Videosequenzen ausgeschmückte Partiebeispiele von Alexei Shirov gegen die Großmeister Eljanov, Naiditsch, Volokitin, Onischuk, Leko, Karjakin, Topalov und Vaganian 32,90 Euro wert sind, der sollte sich diese DVD unbedingt kaufen, auf der keine weiteren „Bonbons“ vorhanden sind.

Wer sich nicht ca. vier Stunden englischsprachiger Demonstration der Nimzo-Indischen Eröffnung antun möchte, dem entgeht meines Erachtens für diesen Preis nichts Wesentliches. Da gibt es meines Erachtens andere Möglichkeiten die Feinheiten des genannten Eröffnungssystem kennen- und erforschen zu lernen.

Aber der Reihe nach: Nach dem Einlegen der DVD erhält der Nutzer die Möglichkeit der Installation des ChessBase-Readers oder – wenn schon auf der Festplatte vorhanden – startet sofort die aus der Serie „fritztrainer“ bekannte Oberfläche, auf der Schachbrett, Notation und Videofenster wie gewohnt angeordnet sind und ablaufen. Einem störungsfreien Ablauf – wenn gewünscht, auch in der Fritz-Oberfläche – steht damit nichts mehr im Wege. Wenn ich das Gebotene allerdings am inhaltlichen Gewicht bemesse, erscheint mir vieles nicht adäquat umgesetzt. Es fällt mir persönlich schwer, mehr als 4 Stunden dem nicht unbedingt leicht verständlichen, stark akzentuierten Englisch eines Alexei Shirov zuzuhören. Der schlichte Bildausschnitt zeigt aus einem stets gleich bleibenden Blickwinkel einen Großmeister, der mal hierhin und mal dorthin schaut, dem es jedoch nie gelingt, einen Blickkontakt mit seinem Zuschauer herzustellen und dessen wenig akzentuierte Sprachmelodie kaum Spannung erzeugt. Warum er gerade diese Partiebeispiele ausgewählt hat, vermag Shirov dem Betrachter ebenfalls nicht zu erklären. Somit scheint die Partienauswahl eher willkürlich nach mir nicht nachvollziehbaren Gesichtspunkten getroffen worden zu sein. Die vorgestellten Beispiele werden – wie in der Branche durchaus üblich – am Brett gespielt, Varianten, Zugumstellungen oder entsprechende Gewichtungen werden demonstriert. Alles jedoch in einem eher zügig wirkenden Tempo, bei dem ich keine große Freude verspüre mitzudenken. Natürlich lässt sich im ChessBase-Reader über die Steuerungsbuttons die Partie jederzeit anhalten, zurück- oder vorspulen, aber diese Möglichkeiten stellen keine so gewaltige Besonderheit dar, dass man es anderen Produkten gegenüber herausheben müsste.

Der Schwerpunkt der Thematik liegt auf der differenzierten Beschreibung der Nimzo-Indischen Eröffnung der ausgewählten Partien, ergänzt durch wenige Hinweise und Andeutungen auf begleitende mögliche Varianten (z. B. Klassisches System, Damenindisch, Leningrader System oder Katalanisch, sowie Ableitungen aus der Rubinstein-Variante, auch Drei-Springer-System und Fianchetto nach Romanischin). Hier wird meines Erachtens versäumt, den Betrachter und Nachspielenden am PC entsprechend mitzunehmen, routinemäßig werden die Abwicklungen „abgespult“. Vielleicht habe ich mich aber auch fehlleiten lassen von meiner Erwartung, hier etwas Lehrreiches, bzw. strukturiert Erlernbares dargeboten zu bekommen. Für mich zeigt sich auf dieser DVD nur bloßer Ablauf gelungener Partien. Auch die Tatsache, dass Shirov selbst nur einmal mit den schwarzen Steinen spielt, erstaunt mich schon.

Die Systemvoraussetzungen sind erfreulich niedrig angesetzt: ein Pentium-PC mit 300 MHz, 64 MB RAM, Windows XP / Vista (wenn es denn läuft), Windows Media Player 9.0, Soundkarte und ein DVD-Laufwerk genügen bereits völlig, um in den Genuss der „best games“ zu kommen.
Danke an ChessBase für das Rezensionsexemplar.

Heinz-Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule
Stadtmitte in Mönchengladbach)