Hiarcs 12 – Das Schachprogramm, das mehr kann als rechnen

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 02.05.2008
 Auf Amazon.de kaufenChessBase GmbH, Hamburg
ISBN: 978–3–86681–074–7; Preis 49,99 Euro

Um es vorweg zu nehmen, ich habe die Chess-Engine zum Einkaufen geschickt – konnte sie nicht! Ich habe versucht, MP3-Titel von ihr spielen zu lassen – konnte sie ebenfalls nicht! Sie hat noch nicht einmal ein Tor gegen den FC Bayern geschossen, was im UEFA-Cup den St. Petersburgern nicht so schwer gefallen ist. Kurzum, was kann das Programm denn mehr als rechnen?
Nun – zumindest nach der Versionsnummer ist es aktueller als andere prominente Schachprogramme (Shredder und Fritz sind erst bei der 11 angelangt), aber wenn es nach Computerzeitschriften geht, sind diese schon im Dezember des alten Jahres bei der Ausgabe 3 des nächsten Jahres angelangt. Die Softwaresprünge von Microsoft waren in der Vergangenheit häufiger auch rasante Vorgriffe in der Nummerierung. Wie ist es denn bei Hiarcs? Von 11.2 nach 12 ist der aktuelle Sprung. Nur ein Nummernspiel oder doch eine echte Steigerung? Dem Käufer der DVD wird nach Meinung des Anbieters Chessbase eine Menge geboten:
· Die Schachengine „Hiarcs 12“ von Mark Uniacke
· Das Hiarcs-Eröffnungsbuch von Eric Hallsworth
· Die Fritz 11-Bedienungsoberfläche mit Trainingsfunktionen
· 1 Jahr Zugang zu „Schach.de“
· Datenbank mit 1.000.000 Partien
Mit diesen Komponenten können auch die etablierten Engines dienen. Hiarcs ist jedoch ein Partner zur Analyse von Partien und Stellungen und mehr noch, er lernt aus ihnen. In der aktuellen Ausgabe soll er das noch besser können als in den Vorgängerversionen. Seine Spielstärke, sein Stil und sein Lernvermögen machen ihn damit für viele Schachfreunde zum interessanten Analysepartner. Das beiliegende Eröffnungsbuch entspricht dem aktuellsten Stand der Theorie. Als „Zückerchen“ liegt auf der DVD zusätzlich noch die bei der Weltmeisterschaft 2007 in Paderborn siegreiche Engine bei.
Der Programmautor und auch Chessbase meinen, dass diese Software einen gewissen „menschlichen“ Spielstil besitzt, inclusive der Fähigkeit, Überraschendes und Unerwartetes zu spielen. Nach wie vor ist der Schachstil von Hiarcs geprägt durch ein scharfes Angriffsschach mit dynamischen Möglichkeiten im Bereich Suche und Bewertung von positionellen Besonderheiten. Im Vergleich zu Vorversionen beherrscht die Chess-Engine noch aufregendere Mattattacken und ist aufgrund der Verbesserungen „unter der Motorhaube“ gefährlicher denn je. Letztlich wird aber auch in ruhigen Spielsituationen die Stärke des Programms deutlich, wenn es selektiv an die Stellung herangeht.
An vielen Stellen im Internet finden sich Schachbegeisterte, die tagelang Schachprogramme gegeneinander spielen lassen, um zu erforschen, ob denn wirklich eine Verbesserung der Software spürbar ist. Häufig habe ich lesen können, dass die 12er-Version deutlich besser als die 11.2er sei. Jedoch ist für mich keine signifikante Beweisführung nachvollziehbar, da es immer wieder aktuelle Engines gibt, die Hiarcs „vom Tisch fegen“. Ob das von einem ambitionierten Schachspieler wirklich spürbar festgestellt werden kann, darf ich ein wenig bezweifeln – in solchen Spielstärken lassen sich nur selten deutliche Fortschritte aus menschlichem Blickwinkel erfahren. Außerdem nutzt es mir wahrscheinlich nicht so viel, ob die Engine nun einen ELO-Wert von 2846 oder 2838 innehat. Für mich allemal viel zu viel!
Beschränken wir uns demnach auf den echten Nutzen der DVD. Als Schachfreund finde ich Möglichkeiten mit einem geduldigen Partner zu spielen, zu trainieren, auszuprobieren. Sicher werde ich meine Fertigkeiten immer wieder aufs Neue steigern und auch meine Fehler reduzieren können. Aber das kann der Durchschnittsspieler mit nahezu jeder Schachsoftware. Für Vereinsspieler gilt auch hier ein Abwägen, Programme und Chess-Engines gibt es derer viele.
Die Installation läuft (vorausgesetzt der Autostart ist aktiv) automatisch und ohne jedes Problem ab, nach dem 1. Start muss eine Registriernummer eingegeben werden – das war’s!
Systemvoraussetzungen:
Minimum: PC mit 300 MHz, 64 MB RAM, Windows XP SP2 oder XP Prof. SP2, DVD-Laufwerk, DirectX 9-fähige Grafikkarte Empfohlen: PC mit 2,2 GHz, 256 MB RAM, Windows Vista, GeForce-Grafik mit 128 MB, DirectX-kompatible Soundkarte Fazit: Interessant ja – aber ein sogenanntes „Must-Have“ sicherlich nicht.

Heinz–Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)