Chessbase 10 – Wissen ist Matt (DVD)

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Heinz-Willi Jansen am 13.09.2008
ChessBase GmbH, 22297 Hamburg

Preis für das Startpaket: 154,90 Euro
Preis für das Megapaket (u.a. 9 DVD u. Jahresabo.): 353,90 Euro
Preis für das Upgrade von ChessBase 9: 99,90 Euro

Seit Juli 2008 ist die aktuelle Version der bekannten Datenbank-Software zweistellig. Werfen wir doch einen Blick auf die Neuerungen und das Handling von ChessBase 10.
Beim Kauf des Startpaketes erhält man:
· ChessBase 10 Programm incl. Zugang zur neuen aktuellen Onlinedatenbank
· ChessBase Big Database 2008 mit 3,75 Mio. Partien u. Online-Aktualisierung der Referenzdatenbank bis 31.12.2008
· Spielerdatenbank mit über 30.000 Spielerportraits
· Fritz 6-Engine und Crafty-Engine
· Drei aktuelle Ausgaben vom ChessBase Magazin (DVD + Heft) auf DVD-ROM
Wer das Megapaket auswählen möchte, erhält noch zusätzlich:
· DVD Fritz Endspielturbo 3 (9 DVDs)
· ChessBase Fernschachdatenbank 2009
· ChessBase Magazin Jahres-Abo 2008

Mit ChessBase 10 erreicht man bei bereits vorhandenem Account oder bei vorhandener Seriennummer den Fritzschachserver. Im Lieferumfang von ChessBase 10 ist keine neue Seriennummer für den Zugang zum Fritzserver enthalten. Es gibt jedoch eine Seriennummer für den Partien-Update-Service, die bis zum 31. Dezember 2008 gültig ist.

Systemvoraussetzungen:
Minimum: 1 GHz Pentium, 512 MB RAM, DVD-Laufwerk, Windows XP o. Vista, Windows Media Player ab 9.0, Internetzugang, um Online-Funktionen abzurufen
Empfohlen: PC mit Intel Core 2 Duo 2,4 GHz, 4 GB RAM, GeForce-Grafikkarte mit 256 MB o. mehr Speicher, DirectX-kompatible Soundkarte, DVD-Laufwerk, Windows Vista, sowie Media Player 11, Internetzugang, um Online-Funktionen abzurufen

Ich arbeite mit PC u. Notebook, deren Leistungsmöglichkeiten zwischen den geforderten Voraussetzungen liegen und kann über die Performance der Software nicht klagen. Es muss also nicht unbedingt das oberste Leistungsende vorhanden sein.
Soweit zu den technischen Bedingungen des Produktes. Interessanter werden jedoch sicherlich die inhaltlichen Details sein.

Nach einer problemlosen Installation und anschließender Aktivierung eröffnet sich dem Nutzer ein wie bei ChessBase-Mediaprodukten gewohnter Bildschirm, der sich den Augen in seiner Übersichtlichkeit sofort erschließt. Kein unnötiger Firlefanz, sondern strukturierte Infos pur.
Mit ChessBase 10 ist eine komfortable Partieeingabe mit dem bei Schachspielern bekannten HEUMAS (Heuristic Move Assistant) möglich, speichern kann man mit allen Varianten, Kommentaren und Analysen der mitgelieferten Engines Fritz und Crafty, natürlich können auch leicht andere Engines eingebunden werden – der Vielfalt sind kaum Grenzen gesetzt.
Die Anzeige sortiert voreingestellt nach Turnier, Spieler oder Eröffnung. Turniertabellen werden erzeugt, Statistiken zu Spielern und Eröffnungen angezeigt und Spieler-Dossiers erstellt. Die Datenbank zeigt Haupt- und kritische Varianten, Motive und Pläne zu jeder beliebigen Eröffnungsstellung, sie sucht nach vorhandenem Material und dessen Verteilung, Stellungen und Opferkombinationen. Das Programm findet Matt, Patt und Schach in Schlussstellungen, es druckt Partien oder Eröffnungsübersichten mit Diagrammen und Tabellennotation für das Eröffnungsrepertoire. E-Mail- Versand von Stellungen, Partien oder Datenbanken ist selbstverständlich möglich, ebenso die Verwaltung von Mannschaftskämpfen.
Das integrierte Chess Media System gibt die Möglichkeit, beliebige der umfangreich vorhandenen ChessBase-Trainingsprodukte unterschiedlichster Prägung in gewohnter medialer Aufbereitung darzustellen. (Der Interessent möge sich bei den hier auf PSM-Schach nachzulesenden Rezensionen anderer Schachsoftware umschauen, um einen Überblick der nutzbaren Trainingsprogramme zu erhalten oder direkt auf der Internetseite von ChessBase.) Das bisher Beschriebene ist allerdings in fast deckungsgleicher Form auch in den schon länger verfügbaren Produkten, wie z.B. ChessBase 9 enthalten. Welche Neuerungen bietet denn die aktuelle Software?
Neu ist beispielsweise die integrierte, neuaufgebaute und aktuelle Onlinedatenbank. Bei einem vorhandenen DSL-Internetzugang sind Suchergebnisse in Sekundenbruchteilen verfügbar. Wer es möchte, kann eine automatische Aktualisierung der Referenzdatenbank im Abonnement optional erhalten. Partien und Züge mit Statistiken werden in Baumdarstellung geliefert, bei allen Suchen ist voreinstellbar eine feste Auswahlbasis ausschließlich hochwertiger Partien. Es liegt eine erweiterte Eröffnungsreferenz mit Übersicht häufiger Varianten vor. Der neue Suchbeschleuniger liefert in wirklich rasantem Tempo blitzschnelle Resultate, Eröffnungsbücher mit sofort sichtbaren Gegenzügen sind ebenfalls verfügbar und können selbstredend weiter ergänzt werden. Eine komfortable Spielervorbereitung mit Baumdarstellung und Partien ist in wenigen Sekunden realisierbar. Für Fernschachspieler liegt ein direkter Anschluss an den ICCF-Server vor.
Interessant sind auch die Möglichkeiten der neuen Enginefunktionen: man kann sich u. a. die Anzeige verworfener Varianten darstellen lassen. Auf dem Schachserver wurden ebenfalls Details ergänzt: verfügbar ist eine Online Datenbank zum Kiebitzen, Schach 960, ECO-Code in Partienliste, Taktiktraining und vieles mehr. Außerdem ist die Darstellung mit hochaufgelösten Figuren und verbesserter Fensterverwaltung sehr gut gelungen (das „Auge isst eben mit“).
Die bereits mit ChessBase 9 eingeführte Funktion „Referenz“ hat sich als sehr nützliches Werkzeug bei der Eröffnungsarbeit gezeigt. Bei einer bestimmten Eröffnung werden alle Partien der Referenzdatenbank aufgelistet, statistisch ausgewertet und nach verschiedenen Kriterien sortierbar präsentiert. So sieht man auf einen Blick, welches die Hauptvarianten sind, wie erfolgreich damit gespielt wurde, welche Spieler die Varianten angewandt haben und wie aktuell diese Abspiele sind. Einfaches Anklicken lädt die Musterpartien zum Kennenlernen in die Oberfläche. Für viele Schachspieler ist die „Referenz“ inzwischen zu einer der wichtigsten Funktion bei der Eröffnungsarbeit geworden.

Mit ChessBase 10 wurde diese „Referenz“ nun verbessert und erweitert. Eine deutlich spürbare Optimierung der Auswertungsgeschwindigkeit ermöglicht selbst auf älteren und langsameren Rechnern noch ein sehr flüssiges Arbeiten. Auf aktuellen Rechnern (wie in den Systemvoraussetzungen genannt) werden die Ergebnisse auch bei großen Datenbanken innerhalb weniger Sekunden präsentiert.
Neu ist unter anderem auch eine Übersicht („Clustering“) der häufig gespielten Varianten mit Angabe der kritischen Variante. Für mich ist dies eine Art Wegweiser, der es einem erlaubt, noch schneller zur besten, vielversprechendsten oder interessantesten Variante zu gelangen. Als kritisch wird die Variante angezeigt, die bei beiderseitig optimalem Spiel zu einem bestimmten Ergebnis führt, auch dann, wenn die Variante selten gespielt wurde, und daher in der Liste der beliebten Varianten nicht auftaucht.
Eine weitere Neuheit ist ein Filter, mit dem man bei der Auswertung das Suchergebnis auf Top-Partien reduzieren kann. Dadurch erhält das statistische Ergebnis eine höhere Relevanz, weil jetzt bei der Auswertung nur noch bessere, bzw. Top-Turniere ausgewertet werden. Ob der Filter sinnvoll ist oder nicht, hängt natürlich sehr davon ab, welche Eröffnung man gerade bearbeitet. Je beliebter eine Variante in der Praxis ist, desto mehr Treffer erhält man natürlich, aus denen dann die Rückschlüsse gezogen werden können.
Damit ist das ChessBase-Datenbankprogramm für die meisten seriösen Schachspieler ein unentbehrliches Werkzeug für das Schachtraining, die Eröffnungsarbeit oder die Turniervorbereitung. Vieles geht schneller als zuvor und das Auffinden von aktuellen Vergleichspartien wird zur Sekundensache.
Wer also mehr will als nur ein Bisschen „Klötzchen schieben“, dem sei dieses Programm ans Herz gelegt. Egal ob Weltmeister, Vereinsspieler oder ambitionierter Hobbyspieler mit einem höheren Anspruchsniveau – jeder wird mit dieser Software Chancen entdecken, um sein eigenes Spiel weiter zu verbessern und zu überprüfen, vor allem im statistisch-empirischen Bereich mit all den angebotenen Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten. Das kleine beigefügte Programm-Booklet ist zwar in seiner Ausführlichkeit noch ausbaufähig, jedoch werden dem Käufer des Programms schon Tipps zur Nutzung der Datenbank gegeben.
Auch bei dieser Rezension lässt sich kein für alle eindeutiges Resultat ermitteln. Für Vereinsspieler und Profis dürfte die Frage schnell zu beantworten sein: wer noch keines dieser Datenbank-Programme besitzt, dem muss ohne zu zögern dieses ChessBase-Produkt empfohlen werden, auch wenn der Preis kein „Pappenstiel“ ist – aber wie sagt der Volksmund so schön? „Watt nix kost‘, is‘ nix!“ Dem kann ich mich hier nur anschließen. Einem Neuling oder jemandem, der sich das Schachspiel erst erschließen will, kann ich nur raten, mit der Anschaffung vorerst noch zu warten und zu untersuchen, ob er das Schachspiel seriös weiterbetreiben möchte, um dann nachfolgend den Kauf in Erwägung zu ziehen.
Dank auch dieses Mal an die Firma Chessbase für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Heinz–Willi Jansen
(stellvertr. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)