Das Tool für Profis - Chessbase 9.0

Aus der PSM Redaktion, geschrieben von Matthias Friedrich am 12.03.2005

Sie wollten schon immer einmal wissen wie der berühmte Großmeister Garry Kasparov seine WM-Partien bestreitet bzw. gegen welch andere Großmeister er sich zu behaupten hat? Chessbase9 bietet die Antwort.
Die Hamburger Marktführer auf dem Gebiet der künstlichen Schachintelligenzen und passender Software mit dem Programmtitel gebenden Namen Chessbase warten seit kurzer Zeit mit einer neuen Version eines ihrer Vorzeigeprogramme auf.
Chessbase9 kommt daher mitsamt einer rund 2,6 Millionen Partien umfassenden Datenbank namens Reference Big 2004.
Hierbei beschränkt sich die vorhandene Vielfalt an Informationen natürlich nicht bloß auf die Folge verschiedener Züge und deren Spieler, zu jedem Match stehen noch detaillierte Angaben zur Verfügung, wie zum Beispiel das Austragungsjahr, die Anzahl an gespielten Zügen, das vorhandene Material im Endspiel der Partie oder der ECO-Code (eine Angabe der verwendeten Eröffnungsvariante in Code-Form). Doch damit ist noch lange nicht Schluss. So lassen sich natürlich auch jeweils eine separate Spieler-, Turnier-, Endspiel- oder gar Kommentatorendatenbank erreichen, um ein Paar Beispiele zu nennen. In diesen stehen dann ebenfalls wieder zahlreiche Informationen zur Verfügung (die Spielerdatenbank beinhaltet sogar 20000 Fotos der berühmtesten Spieler). So erfährt man auf einen Klick bzw. Blick welche Teilnehmer in einem Turnier über dem Brett gerätselt haben und anschließend einen Klick weiter auch die Ursache sowie das Ergebnis ihres Kopfzerbrechens, eben die Partien an sich. Jede Datenbank ist nämlich direkt verknüpft mit den jeweils anderen Datenbanken, sowie den einzelnen Partien. Selbstverständlich stehen einem innerhalb der Betrachtung einer Datenbank weitere zahlreiche Funktionen zur Verfügung. Man hat Möglichkeiten nach jeglichen Kriterien die Anzeige zu sortieren oder auch bestimmte Informationen auszublenden um die Ansicht zu optimieren. Zu diesem Zwecke kann man auch Einfluss auf die Formatierung der angezeigten Elemente nehmen, so bleiben Optionen auf die Schriftart sowie deren Größe. Die jeweils vollzogenen Einstellungen lassen sich natürlich auch speichern, so dass beim nächsten Aufrufen der Datenbanken nicht extra wieder ein Augenschein auf die Optionen genommen werden muss. Kurz gesagt es steht eine großen Anzahl an Informationen zur Verfügung mitsamt praktischer und anpassungsfähiger Darstellungsweise.




Natürlich steht es einem offen die Datenbank jederzeit um weitere Partien zu erweitern, ob die Eingabe nun per Notation oder auf dem Brett selbst erfolgt ist dem Programm hierbei gleich, zweiteres geht übrigens viel komfortabler von statten als man es erwartet.
Man könnte jetzt meinen für ein Datenbankprogramm ist das eine Menge. Da möchte ich ja nicht widersprechen, bei Chessbase9 allerdings ist noch lange nicht Schluss. Die Darstellung des Schachbrettes wurde nun der bereits von anderen Chessbase-Programmen bekannten Optik angepasst. Einer Betrachtung der Kasparov'schen oder Anand'schen Partien in wunderschöner, 3 dimensionaler Optik steht nun nichts mehr im Wege. Es bleibt allerdings zu bemerken, dass ein wenig Flaute in Anbetracht der angebotenen Figurensätze sowie Farbschemas herrscht. Hierbei jedoch besteht die Möglichkeit etwa die Darstellungsschemas eines möglicherweise vorhandenen Fritz oder auch Shredder zu nutzen, installiert man diese im selben Hauptordner wie Chessbase braucht man sich auch nicht weiter um die Sache zu bemühen, etwaige Schemas werden selbstständig erkannt und stehen sofort zur Verfügung. Wo wir gerade bei den großen Schachengines sind: Chessbase bietet zudem noch eine Analysefähigkeit der Partien an und beinhaltet somit die Engines Fritz5.32 sowie Crafty. Auch hierbei bieten die anderen Programme wieder einmal Abhilfe. Wie schon bei den Schemas beschrieben werden die spielstarken KIs genauso leicht eingebunden.
Ebenfalls von Chessbase erkannt werden von anderen Programmen mitgelieferte Datenbanken, wie zum etwa die ca. 500000 Partien umfassende Fritz8-Database.
Wem das Studium oder die Analyse von Partien auf Dauer jedoch zu langweilig oder einseitig wird findet im Hauptfenster des Programms einen Button, mit der Aufschrift "Zu Schach.de". Diesen betätigt landet man auf den Schachservern von Chessbase, wo einem Tür und Tor offen stehen zu vielen weiteren Partien gegen anderen Schachinteressierte auf der ganzen Welt. Diese selbst bestrittenen Spiele werden von Chessbase9 im Hintergrund notiert und eine extra dafür angelegte Datenbank integriert, welche sich selbstverständlich genauso behandeln lässt wie die Reference Big 2004.
Erwähnenswert sind auch die vielen kleinen Features, welche sich alle irgendwo hinter der von Chessbase bekannten Optionenvielfalt verstecken und erst bei einer regelmäßigen Nutzung des Programms wirklich auffallen, wie etwa ausführliche Druckfunktionen zur Darstellung der Partien samt aller relevanten Informationen auf Papier, eine Unterstützung der Hyperthreading-Technologie der aktuellen Pentium Prozessoren, was Performancezuwachs bei vielen Aktionen, wie etwa dem Sortieren bringt oder auch ausführliche Kommentarfunktionen. Diese beschränken sich nämlich nicht nur auf reinen Text. Stattdessen sind dem User die Möglichkeiten geboten seine Partien mit Audiokommentaren oder gar vollwertigen Videoaufnahmen zu versehen. Hierfür liegen auf der Chessbase9 DVD zusätzlich noch 2 Beispiele bei. In einer der Beiden erklärt Kasparov höchstpersönlich das Queen's Gambit per Video und Ton, natürlich laufen die Züge auf dem eingeblendeten Spielbrett synchron zu den Kommentaren des Großmeisters ab.
Schön für Einsteiger ist übrigens auch eine kleine Sammlung an Videodateien, in der zahlreiche Funktionen von Chessbase9 erläutert werden, ebenfalls zu finden auf der DVD.
Die Software kommt daher auf einer DVD mitsamt Handbuch und benötigt als unterste Grenze eine CPU mit 300 MHz sowie 64 MB Arbeitsspeicher, das Ganze sollte dann mindestens mit dem Betriebssystem Windows 98 betrieben werden. Zu empfehlen seien hierbei jedoch ein Windows XP System mit 256 MB Ram und einer einem 1 GHz Prozessor, mitsamt einer modernen Grafikkarte um wirklich alle Funktionen optimal nutzen zu können, wie zum Beispiel dem realistischen 3D-Brett.

Fazit: Zum Studium und Lernen bestimmter Eröffnungen, Endspiele und Kombinationen kommt man heute an Chessbase nicht mehr vorbei. Zu empfehlen sei hier jedoch eine Kombination mit einem starken Schachprogramm wie Fritz8. Zusammen sind diese Beiden wohl in kaum einem Bereich zu schlagen und einer großen schachlichen Karriere steht nichts mehr im Wege.

Rezensent: Matthias Friedrich (PeaceI)