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Sekundaerliteratur
20. Jahrh. | Deutschland | Weimarer Republik
[P|S|M]
RUMS 47: Das Ende des Ersten Weltkrieges
Der Hunger ging um in Deutschland. Vor den Lebensmittelgeschäften bildeten sich lange Schlangen. Brot wurde mit Stroh und Sägemehl gestreckt. Den Menschen wurde eingeredet, Kleie haben denselben Nährwert wie Mehl und sacharingesüßte Marmelade sei bekömmlicher als Butter.

Gerüchte wurden laut: Dort und dort hätten Frauen Bäcker- und Fleischerläden geplündert. Viele Menschen starben an Grippe, Tuberkulose, Lungenentzündung und völliger Entkräftung.

An der Front wurde das Kräfteverhältnis um so ungünstiger, je mehr amerikanische Truppen eingriffen. Der 8. August wurde der schwarze Tag des deutschen Heeres. Am 8. August früh, bei dichtem Nebel, der noch durch künstlichen verstärkt wurde, griffen Engländer und Franzosen mit starken Tankgeschwadern an. Sie brachen tief in die deutsche Front ein. Die dort stehenden Divisionen wurden vollständig überrannt.

Mitte September brach die Balkanfront zusammen.

Ludendorff verlangte am 29. September 1918 den sofortigen Abschluss eines Waffenstillstandes. Der Krieg war verloren. Gleichzeitig forderte Ludendorff die Bildung einer neuen Regierung aus Liberalen, Zentrumspolitikern und Sozialdemokraten (Reichskanzler Max von Baden). Fortan sollte zum erstenmal der Reichskanzler dem Reichstag verantwortlich sein (Parlamentarische Monarchie). Doch Ludendorff ging es dabei nicht um die Rettung von Volk und Vaterland oder gar um die Einführung der Demokratie. Was er allein im Sinn hatte, war das Abwälzen der Verantwortung für die Niederlage. Denn jetzt mussten die Zivilisten der neuen Regierung um den Waffenstillstand verhandeln.

Später behauptete Ludendorff, die Heimat sei der Truppe in den Rücken gefallen (Dolchstoßlegende). Die Novemberrevolutionäre (9. November 1918) hätten die Schuld an Deutschlands Niederlage. Ende Oktober weigerten sich die Matrosen in Wilhelmshaven, mit der Kriegsflotte auszulaufen. Die letzte verzweifelte Seeschlacht hätte für 80.000 deutsche Matrosen den sicheren und sinnlosen Tod bedeutet.

Am 3. November begann mit dem bewaffneten Aufstand der Matrosen und Arbeiter in Kiel die Revolution.



Quelle: RUMS 47; Text nach Augenzeugenberichten und in Anlehnung an: Engelmann, Bernt (1980) - Einige gegen Recht und Freiheit. Frankfurt a.M., S. 11-15

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