| Sekundaerliteratur |
| 20. Jahrh. | Deutschland | Weimarer Republik | [P|S|M] |
RUMS 47: Blutweihnacht - 24. Dezember 1918 in Berlin
|
Während des Umsturzes war
die Volksmarinedivision gebildet worden. Sie hatte den Auftrag, das Schloss zu
besetzen und das Regierungsviertel zu schützen. Doch Ebert wollte die
"roten Matrosen" so schnell wie möglich loswerden. Der
SPD-Stadtkommandant, Otto Wels, verlangte deshalb, die Volksmarinedivision von
1200 auf 600 Mann zu verkleinern und sie aus der Berliner Innenstadt nach
außerhalb zu verlegen. Die Matrosen aber weigerten sich. Darauf sperrte ihnen
Wels die Löhnung. In Verhandlungen konnte keine Einigung erzielt werden.
Jetzt besetzten die Matrosen
die Reichskanzlei und stellten Ebert und die anderen Volksbeauftragten unter
Hausarrest. Alle Telefonleitungen wurden abgeschnitten. Vor der
Stadtkommandantur wurden die Matrosen beschossen, wobei sie drei Mann verloren.
Voller Wut nahmen sie daraufhin Otto Wels als Geisel mit in den Marstall.
Ebert forderte über seinen
geheimen Draht von der Obersten Heeresleitung 1000 Mann der alten kaisertreuen
Truppe an.
Inzwischen hatte die
Volksmarinedivision das ganze Regierungsviertel besetzt. Erst als Ebert
versprach, den Konflikt friedlich beizulegen, zogen die Matrosen in ihr Quartier
im Schloss zurück und gaben Otto Wels frei.
Die Generalität forderte ein
hartes Durchgreifen. So erteilte Ebert am 24. Dezember den 'zuverlässigen'
Truppen den Befehl, die "roten Matrosen" anzugreifen und
"auszuheben.
Am Schloss kam es zu schweren
Kämpfen und die Volksmarinedivision geriet bald in Bedrängnis. Da strömten
aus den Arbeitervierteln Menschen zu Zehntausenden herbei. Männer, Frauen und
Kinder überschwemmten den Kampfplatz. Seite an Seite errangen die Matrosen und
die Arbeiter den Sieg. Die ganze Berliner Innenstadt war jetzt fest in der Hand
bewaffneter Arbeiter und Matrosen.
Am 29. Dezember 1918 traten
die USPD-Volksbeauftragten aus der Regierung Ebert aus. Sie erklärten:
"Wir arbeiten nicht mit Leuten zusammen, die auf Genossen von der eigenen
Schutztruppe schießen lassen." Als die gefallenen Matrosen am selben
Sonntag beerdigt wurden, folgten Hunderttausende den Särgen. Die Gegner der
Revolution aber sammelten neue Kräfte.
| | Quelle: RUMS
47; Text in Anlehnung an: Engelmann, Bernt (1980) - Einige gegen Recht und Freiheit. Frankfurt a.M., S. 30-33 |
|
GM
(digitale Umsetzung) für psm-data 
|