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Sekundaerliteratur
20. Jahrh. | Deutschland | Weimarer Republik
[P|S|M]
RUMS 47: Januarkämpfe, 4.-13. Januar 1919
Am 4. Januar 1919 wurde der linke Polizeipräsident von Berlin, Emil Eichhorn (USPD), abgesetzt. Revolutionäre Obleute und Vertreter von USPD und KPD riefen die Berliner Arbeiter zu Protestdemonstrationen auf.

Am 5. Januar 1919 drängten sich nahezu 300.000 Menschen in der Berliner Innenstadt. Tausende von roten Fahnen wehten über der Menge.

Nach der Kundgebung organisierten sich einzelne schwer bewaffnete Kampfgruppen. Sie besetzten zunächst alle Verlagshäuser des Zeitungsviertels, dann die Reichsdruckerei, die Nachrichtenbüros, die Telegrafenämter und alle großen Bahnhöfe. Die Volksbeauftragten Ebert und Scheidemann flüchteten über Hintertreppen, Nebenausgänge und über Gartenzäune aus dem Regierungsviertel.

Der 'Revolutionsausschuss' erklärte die Regierung für abgesetzt und rief zu neuen Massendemonstrationen auf. Am 6. Januar versammelte sich eine noch größere Menge von Arbeitern in der Berliner Innenstadt.

Ebert hatte seinem Genossen Gustav Noske den Oberbefehl über alle konterrevolutionären Truppen erteilt. Noske nahm ihn an mit den Worten: "Meinetwegen! Einer muss der Bluthund werden, ich scheue die Verantwortung nicht!"

Noske stellte Freikorps auf, die die Revolution niederschlagen sollten. Ebert selber hatte das Kommando über die Reste der alten Truppe in und bei Berlin.

Vom 9. Januar 1919 an ließ er die Aufständischen zusammenschießen und die besetzten Gebäude zurückerobern.

Am 11. Januar kam es zu besonders schweren Kämpfen um das SPD-Verlagshaus des 'Vorwärts' in der Lindenstraße. Nach schwerem Beschuss mussten die Besatzer aufgeben. Sie schickten eine Abordnung von 6 Mann mit weißer Fahne zum Kommandeur der gegnerischen Truppen um über einen freien Abzug zu verhandeln. Die sechs Parlamentäre wurden von den Gardisten mit Kolbenschlägen und Bajonetten empfangen und entsetzlich misshandelt. Nur einer wurde ins 'Vorwärts'-Gebäude zurückgeschickt, um die Forderung nach bedingungsloser Kapitulation zu überbringen. Alle anderen wurden an die Wand gestellt und erschossen.

Dann wurde das Haus gestürmt, dreihundert der Verteidiger gefangengenommen und mit Gewehrkolben niedergeschlagen. Mindestens sieben wurden ermordet.

Am selben Samstag, dem 11. Januar 1919, zogen nachmittags die ersten Freikorps in Berlin ein, an der Spitze der 'Volksbeauftragte' Gustav Noske.

Das bürgerliche Publikum jubelte.

Am 15. Januar wurden der ganze Westen und Süden Berlins sowie die gesamte Innenstadt von Freikorps besetzt. Nur an die Arbeiterviertel wagte man sich noch nicht heran.

Die Revolution hatte ihre entscheidende Niederlage erlitten.

In Bremen bestand vom 10. Januar bis 4. Februar 1919 eine Rätedemokratie. Auch sie wurde blutig beendet.



Quelle: RUMS 47; Text in Anlehnung an: Engelmann, Bernt (1980) - Einige gegen Recht und Freiheit. Frankfurt a.M., S. 35-39

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