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Karl Liebknecht und Rosa
Luxemburg wurden von 'Bürgerwehr'-Leuten und Soldaten aus ihrem Wilmersdorfer
Unterschlupf geholt. Schon Anfang Dezember hatte man Kopfgelder für die Tötung
der beiden ausgesetzt (je 50.000 Mark) und auf Plakaten zu ihrer Ermordung
aufgerufen. Jetzt wurden sie auf Noskes Befehl dem Hauptmann Pabst von der
Gardeschützendivision im Hotel Eden übergeben. Dort wurden sie mit
Beschimpfungen und Kolbenschlägen empfangen.
Die Straße war abgesperrt
und menschenleer. Nur der Husar Runge wartete auf die beiden Gefangenen. Er
hatte den Auftrag, bei mit dem Gewehrkolben zu erschlagen. Er führte den
Auftrag aus, doch seine Schläge waren nicht tödlich. Der halbtote Liebknecht
wurde in den Tiergarten gefahren und dort mit einem Schuss in den Hinterkopf
niedergestreckt.
Rosa Luxemburg wurde gleich
nach der Abfahrt vom Hotel Eden von einem Oberleutnant namens Vogel durch einen
Schuss in die Schläfe getötet und in den Landwehrkanal geworfen. Ihre Leiche
wurde erst Monate später gefunden.
Zehntausende Berliner
Arbeiter gaben Karl Liebknecht das letzte Geleit.
Die rechte Presse jubelte.
Schamlos verdrehten die Schlagzeilen die Tatsachen: "Liebknecht auf der
Flucht erschossen" und "Rosa Luxemburg von der Menge getötet".
Die Mörder wurden von einem
Militärgericht teils freigesprochen, teils zu lächerlichen Gefängnisstrafen
verurteilt. Die Verurteilten brauchten die Strafen jedoch nicht anzutreten.
Runge wurde auf freien Fuß gesetzt. Später erhielt er von den Nazis für die
"Verfolgungen, denen er ausgesetzt war", 6000 Reichsmark
Entschädigung. So gelangte er sofort nach der Urteilsverkündung (2 Jahre / 4
Monate) ins Ausland. Hauptmann Pabst rühmte sich noch 1962 in der
Bundesrepublik der Beteiligung an den Morden.
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