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Unterrichtsmaterialien
20. Jahrh. | Deutschland | Drittes Reich
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Übersicht: Antisemitismustheorien

Nach Werner Bergmann / Rainer Erb: Theorien des Antisemitismus. Fremdheit – Konkurrenz – gesellschaftliches Gegenbild. In: Deutsche Juden - Juden in Deutschland. Hrsg. von der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1991, S. 113-120.

Psychologische Theorie

1. Aufgrund von Ich-Schwäche misslingt  Ausgleich zw. Normsystem u. Triebbedürfnissen. Mangelnde Konfliktverarbeitung führt zu Konfliktverschiebung (Sündenbock-Hypothese).

2. Projektion unzulässiger Triebregungen.

3. Individuelle Frustrationen erhöhen Aggressionsbereitschaft. Bei unangreifbarem Urheber der Frustrationserfahrung u. gleichzeitiger Angreifbarkeit der Juden besteht die Gefahr antisemitischer Aggression.

 

Deprivationstheorie

Subjektive (!) Unterprivilegierung einer Gruppe gegenüber einer anderen führt zur Abwertung der vermeintlich bevorzugten Gruppe. Gleichzeitig wird damit der eigene Status – subjektiv – stabilisiert.

 

Soziologische Theorie

Überbewertung der eigenen Gruppe sichert soziale Identität u. Homogenität. Diasporajuden als permanente Bedrohung nationaler Kollektive. Besonders problematisch: Konkurrenzbeziehungen, Konfliktsituationen, Eigendynamik von Vorurteilen und Ideologien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Krisentheorien

Gemeinsamkeit: Berücksichtigung historischer Rahmenbedingungen des 18.-20. Jhs. (Krisen im Zusammenhang mit Industrialisierung, Erstem Weltkrieg, Revolution u. Inflation).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anomietheorie

Zerbrechen traditioneller Wert- und Normsysteme führt zu Orientierungslosigkeit, ohne dass dafür zunächst eine bestimmte Person oder Gruppe verantwortlich gemacht werden könnte. Der relative Aufstieg der Juden im 19. Jh. prädestiniert diese jedoch als Zielscheibe von Aggressionen, die eigent­lich auf die Anomieproblematik zurückzuführen sind.

 

Theorie sozialer Mobilität

Individuelle oder kollektive Statusminderungen führen zu Frustrationen und sozialen Spannungen. Dabei kann ein reales Konkurrenzverhältnis zu Juden gegeben sein (Kleingewerbe, Studenten, Freie Berufe). Das muss allerdings nicht der Fall sein (Handwerk, Landwirtschaft).

 

Marxistische Theorie

Unter den Rahmenbedingungen eines Klassenkampfes benutzt die herrschende Klasse den Antisemitismus zur Verschleierung ihrer Macht. Antisemitismus erscheint so als Merkmal der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft.


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Matthias Aschern für psm-data