| Primaerliteratur |
| 20. Jahrh. | Deutschland | Weimarer Republik | [P|S|M] |
"Poincarés Besorgnisse - Offizieller Schritt gegen eine Diktatur in Deutschland"
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Nordwestdeutsche Zeitung vom
9.11.1923
Paris , 8.November. (Drahtm.
unseres Dep.-Bureaus.) Der "Temps" sagt, die französische Regierung
habe ihren Berliner Botschafter beauftragt, der Reichsregierung mitzuteilen,
dass sie die Bildung einer diktatorischen Regierung in Deutschland nicht dulden
werde. Der Schritt Poincarés richtet sich vor allem gegen eine reaktionäre und
militärische Diktatur. Vom Quai d'Orsay wird noch folgendes mitgeteilt: "Frankreich liegt es
fern, sich in die inneren Angelegenheiten Deutschlands einzumischen. (?) Es habe
aber die Pflicht, seine Aufmerksamkeit auf die Möglichkeit eines
Regierungswechsels in Deutschland zu richten, ferner sich die Gefahr eines
Zustandekommens einer reaktionären Diktatur vor Augen zu führen, die nicht nur
den Versailler Vertrag gefährden könne, sondern auch die Gefahr eines neuen
Revanchekrieges mit sich bringe. Der französische Botschafter in Berlin, Herr
de Margerie, wird in dem Telegramm, das die französische Regierung an ihn
richtete, aufgefordert, Herrn Dr. Stresemann die Besorgnisse Poincarés in
dieser Frage auseinanderzusetzen und gleichzeitig den Wunsch der französischen
Regierung zu betonen, dass sich das republikanische Regime in Deutschland
befestigen möge. Man erwartet, dass zwischen dem Berliner französischen
Botschafter und dem deutschen Ministerpräsidenten eine Aussprache stattfindet,
über die Herr de Magerie in Paris berichten wird."
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Original |
Dieser Schritt Poincarés war
vorauszusehen. Schon vor einigen Tagen hatte der offiziöse "Temps"
erklärt, dass die französische Regierung sich den Gefahren eines deutschen
Staatsstreiches gegenüber nicht gleichgültig verhalten könnte. Die Führer
der deutschen Reaktion hätten die Welt oft genug wissen lassen, dass sie den
Versailler Vertrag nicht anerkennen, und dass ihr Endziel ein bewaffneter Krieg
mit Frankreich sei. Wenn also solche Leute in einem bedeutenden Teile
Deutschlands ihre Macht ausübten, so würde Frankreich dadurch in eine Art
legitime Defensive versetzt. Alle durch den Versailler Vertrag geschaffenen oder
vergrößerten Staaten würden sich bedroht fühlen. Die französische Regierung
könne natürlich nicht zulassen, dass ein durch militärische Gewalt
gestütztes, ungesetzliches und diktatorisches Regime in Deutschland eingesetzt
werde. Wenn das Tatsache werden sollte, so müsste Frankreich für seine
Sicherheit sorgen.
[Hinweis: Das
Fragezeichen in der französischen Erklärung wurde offenbar durch die Redaktion
der Nordwestdeutschen hinzugefügt !]
| | Quelle:
Nordwestdeutsche Zeitung, 9. November 1923 |
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GM
(digitale Umsetzung) für psm-data 
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