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20. Jahrh. | Deutschland | Weimarer Republik
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Die Weltwirtschaftskrise im Spiegel der Presse - Die heutige Berliner Börse
TU. Berlin, 26.Oktober. Bei recht ruhigem Geschäft eröffnete die Börse am heutigen Wochenschluß allgemein freundlich und weiter leicht befestigt. Die kräftige Erholung an der Neuyorker Börse, die Erholung der übrigen internationalen Börsenplätze und die leichte Verfassung am internationalen Geldmarkt wirkten stimulierend. Da keinerlei Verkäufe mehr erfolgten, vielmehr aus der Provinz und von Auslandsseite vereinzelte Kaufaufträge vorlagen, nahm die Börse teilweise weitere Rückkäufe vor. Eine allgemeine Belebung war zu verzeichnen, als die Meldung bekannt wurde, nach der zwischen der I.G.Farben und der Vereinigten Glanzstoff A.G. ein Abkommen über eine gegenseitige Kontingentierung auf dem Gebiete der Viscose=Kunstseide für den deutschen Markt paraphier worden sei. Infolgedessen lagen I.G.Farben und Kunstseidewerte lebhafter und zogen nach den ersten Kursen mehrere Prozent an. Am Geldmarkt war für Tagesgeld eher eine leichte Verknappung zu bemerken. Der Satz zog auf 6 bis 8 Prozent an, Monatsgeld erforderte weiter 9 bis 10 1/4. Am Devisenmarkt lag der Dollar eine Kleinigkeit erholt. Man nannte Kabel=Mark 4,1815, Kabel=London 4,8765 und London=Mark 20,39 1/2. Im einzelnen konnten Montanwerte bei nicht ganz einheitlicher Haltung überwiegend leicht anziehen. Stärkeres Interesse zeigte sich für Essener Steinkohlen, Buderus und für Mansfeld, Elektrowerte waren gleichfalls durchweg mehrere Prozent gebessert, dagegen lagen Kaliwerte mit Ausnahme von Salzdeifurth, die 2 5/8 Prozent anzogen, bis zur 3 Prozent abgeschwächt. Auch Bankaktien waren nicht ganz einheitlich und anfangs unter Führung von Reichsbank leicht gedrückt. Von Spezialwerten besserten sich Polyphon um 3 7/5, Berger um 1 7/8 und Schubert und Salzer um 1 1/2 Prozent. Stark- und Schwachstromwerte, Autopapiere und Maschinenfabriken gut behauptet, dagegen Bier- und Spritaktien und Warenhauswerte leicht rückgängig. Nach Festsetzung der ersten Kurse belebte sich das Geschäft, ausgehend vom Farben- und Glanzstoffmarkt.



Quelle: Nordwestdeutsche Zeitung vom 27. Oktober 1929

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