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Unterrichtsmaterialien
20. Jahrh. | Deutschland | Weimarer Republik

[P|S|M]

RUMS 47: Streitgespräch zwischen einem Vater und seinem Sohn im November 1918 über die Frage: Wie soll Deutschland nach dem Sturz des Kaisers weiterregiert werden?
Vater: Na, warst Du wieder auf einer Demonstration Deiner radikalen Freunde? Mensch, sei bloß vorsichtig, dort wird schnell geschossen. In Kiel hat es 8 Tote gegeben.

Sohn: Jetzt nach dieser schrecklichen Kriegszeit müssen wir Arbeiter doch dafür sorgen, dass es nie wieder Krieg gibt. Du und Deine gemäßigten Leute habt aus dem Krieg doch nichts gelernt.

Vater:  Was soll das heißen? Auch wir wollen Frieden.

Sohn: Wenn man Frieden für immer haben will, muss man die Kriegstreiber entmachen.

Vater: Ja, der Kaiser musste schließlich auch schon gehen.

Sohn:  Und was ist mit den Leuten, die ihn unterstützt haben? Mit den Generälen und Fabrikanten?

Vater: Ist doch klar, dass die Wirtschaft nur mit Hilfe der alten Unternehmer wieder in Schwung kommen kann, sonst fehlt die ordnende Hand.

Sohn: Schluss mit den alten Sprüchen, Vater! Die Fabrikherren haben die Arbeiter lange genug am Gängelband geführt.  Wer hat sie denn gebaut die Fabrikhallen, die Hochöfen, die Schiffe? Wir Arbeiter. Und wem gehören sie? Jetzt müssen die Arbeiter die Betriebe selbst übernehmen. Dann werden keine Waffen mehr hergestellt,  sondern nur Dinge, die für uns nützlich sind. Dann kann es endlich den  8- Stundentag geben. Wir fordern Rede-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit! Schluss mit der Duckerei!

Vater: Rede-, Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit wollen wir auch.  Außerdem soll es den Arbeitern in den Betrieben endlich besser gehen durch besseren Kündigungsschutz, menschliche Arbeitsbedingungen,  höhere Bezahlung und durch die Wahl eines Betriebsrates und den 8- Stundentag wollen wir auch.  

Sohn: ... und der Unternehmer bleibt Herr im Hause. Für einen Neuanfang müssen die Fabrikherren, die Beamten und Generale verschwinden. Sie waren für Kaiser und Krieg und immer gegen uns Arbeiter! Millionen von Arbeitern mussten für deren Ziele sterben.

Vater: Vergreif Dich nicht an den Beamten, Fabrikherren und Generalen.  Das wäre ein Chaos. Dann bricht die Versorgung zusammen. Wir brauchen diese Fachleute. Mit neuen Leuten, die keine Ahnung haben, würde hier alles drunter und drüber gehen. Friedrich Ebert ruft zur Ruhe und Ordnung auf. Alle müssen jetzt zusammenstehen.

Sohn: Nicht Zusammenarbeit mit Militär und Fabrikherren, sondern Kampf, Vater! Hier hat Karl Liebknecht recht. Nur wenn die Arbeiter das sagen in Deutschland bekommen, wird die Zukunft besser. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Vater: Das ist doch Unsinn! Alle Deutschen, ob Arbeiter, Unternehmer, General oder Beamter müssen gemeinsam die Karre aus dem Dreck ziehen. Die Vernunft muss siegen.



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