|
Vater: Na, warst Du wieder auf einer Demonstration Deiner
radikalen Freunde? Mensch, sei bloß vorsichtig, dort wird schnell geschossen.
In Kiel hat es 8 Tote gegeben.
Sohn: Jetzt nach dieser schrecklichen Kriegszeit müssen
wir Arbeiter doch dafür sorgen, dass es nie wieder Krieg gibt. Du und Deine
gemäßigten Leute habt aus dem Krieg doch nichts gelernt.
Vater: Was soll das heißen? Auch wir wollen
Frieden.
Sohn: Wenn man Frieden für immer haben will, muss man
die Kriegstreiber entmachen.
Vater: Ja, der Kaiser musste schließlich auch schon
gehen.
Sohn: Und was ist mit den Leuten, die ihn unterstützt
haben? Mit den Generälen und Fabrikanten?
Vater: Ist doch klar, dass die Wirtschaft nur mit Hilfe
der alten Unternehmer wieder in Schwung kommen kann, sonst fehlt die ordnende
Hand.
Sohn: Schluss mit den alten Sprüchen, Vater! Die
Fabrikherren haben die Arbeiter lange genug am Gängelband geführt. Wer
hat sie denn gebaut die Fabrikhallen, die Hochöfen, die Schiffe? Wir Arbeiter.
Und wem gehören sie? Jetzt müssen die Arbeiter die Betriebe selbst
übernehmen. Dann werden keine Waffen mehr hergestellt, sondern nur Dinge,
die für uns nützlich sind. Dann kann es endlich den 8- Stundentag geben.
Wir fordern Rede-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit! Schluss mit der Duckerei!
Vater: Rede-, Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit
wollen wir auch. Außerdem soll es den Arbeitern in den Betrieben endlich
besser gehen durch besseren Kündigungsschutz, menschliche Arbeitsbedingungen,
höhere Bezahlung und durch die Wahl eines Betriebsrates und den 8- Stundentag
wollen wir auch.
Sohn: ... und der Unternehmer bleibt Herr im
Hause. Für einen Neuanfang müssen die Fabrikherren, die Beamten und Generale
verschwinden. Sie waren für Kaiser und Krieg und immer gegen uns Arbeiter! Millionen von
Arbeitern mussten für deren Ziele sterben.
Vater: Vergreif Dich nicht an den Beamten, Fabrikherren
und Generalen. Das wäre ein Chaos. Dann bricht die Versorgung zusammen.
Wir brauchen diese Fachleute. Mit neuen Leuten, die keine Ahnung haben, würde
hier alles drunter und drüber gehen. Friedrich Ebert ruft zur Ruhe und Ordnung
auf. Alle müssen jetzt zusammenstehen.
Sohn: Nicht Zusammenarbeit mit Militär und Fabrikherren,
sondern Kampf, Vater! Hier hat Karl Liebknecht recht. Nur wenn die Arbeiter das
sagen in Deutschland bekommen, wird die Zukunft besser. Wer nicht kämpft, hat
schon verloren.
Vater: Das ist doch Unsinn! Alle Deutschen, ob Arbeiter,
Unternehmer, General oder Beamter müssen gemeinsam die Karre aus dem Dreck
ziehen. Die Vernunft muss siegen.
|