Thema: Theologische Anthropologie
Freiheit - Verantwortung - Schuld
Dieser Glaube an die Machbarkeit des eigenen Menschseins aber dürfte wie eh und je der Grund für die neue Selbstverfehlung des Menschen sein. Dieser Glaube an die Selbsterlösung des Menschen - und sei sie noch so raffiniert in Methode gesetzt - dürfte genau der Grund für seine neue Selbstzerstörung sein. Dies jedenfalls war die Überzeugung der reformatorischen Väter. Das "Nein" Luthers galt ähnlichen Versuchen, aus sich selbst heraus sich selbst als Menschen zu gewinnen, sich selbst vor Gott und den Mitmenschen zu erleisten. Gegen diese Tendenz des natürlichen Menschen, sich in eigener Kraft zu gewinnen und sich durch eigenes Ethos zu entwer-fen, geht der Protest eines Verständnisses vom Menschen, das ra-dikal von jeder Selbstverwirklichungstheorie Abschied nimmt. Das sich selbst wollende Menschtum kann nicht zum aufrechten Gang kommen. Frei wird der Mensch erst, wenn er sich von seinem Selbstver-wirklichungsweg befreien läßt. Die Selbstversklavung aufzuheben, kann aber nicht das Eigenwerk des Sklaven sein.
(Aus: Günter Brakelmann, Leistung frei vom Zwang, Deutsches All-gemeines Sonntagsblatt, 29.06.1980)
Arbeitsaufträge:
1. Nennen Sie Beispiele dafür, wie sich heute der Glaube an die "Machbarkeit des eigenen Menschseins" äußert!
2. Stellen Sie Luthers Rechtfertigungslehre dar!
3. Belegen Sie an einem neutestamentlichen Text die Berechtigung dieser Lehre!
4. Inwiefern kann Luthers Ansatz heute einen theologischen Beitrag zur Begründung der Menschenwürde leisten?