Thema: Theologische Anthropologie
Freiheit - Verantwortung - Schuld
Die in unserer Gesellschaft allgemein anerkannten Werte haben sich gegenüber anderen Generationen verändert. Sie haben sich mit der Säkularisation von den geistigen Grundlagen der Reformation entfernt. Dies ist ein wesentlicher Grund dafür, daß die Leistung selbst heute zum Problem geworden ist. Die Normen des Erfolgs, des Wachstums, der Durchsetzung und Machbarkeit haben in Verbindung mit dem wissenschaftlichen Kausalitätsprinzip die Gestalt eines alles umfassenden Lebensgesetzes angenommen. Es hat zwanghafte, gesetzliche Züge. In dem Maße, in dem der Mensch die Quelle seines Heils vergißt, werden Arbeit und Leistung von ihrem Sinn als Dienst an Welt und Menschen zum alleinigen Lebenssinn verkehrt. Der Erfolg wird zu einem modernen Gott unserer Zeit erhoben. Das Leben eines Menschen, der sein Selbstverständnis und seinen Lebenssinn allein am Erfolg bemißt, verliert dann seinen Sinn, wenn er als Arbeitsloser, Behinderter oder Rentner von Leistungserfolgen beruflicher Art ausgeschlossen ist.
(Aus: Leistung und Wettbewerb. Denkschrift der EKD 1978, S. 48 f)
Arbeitsaufträge:
1. Geben Sie den Gedankengang des Textes mit eigenen Worten wieder!
2. Welchen ethischen Stellenwert hat "Arbeit" bzw. "Leistung" in der Antike und in der abendländisch-christlichen Geschichte gehabt?
3. Marxistische Auffassung ist, daß sich der Mensch in der Arbeit verwirkliche. Vergleichen Sie diese Auffassung mit der christlichen!
4. Versuchen Sie eine theologisch-sozialethische Kritik der modernen Leistungsgesellschaft! Zeigen Sie mögliche Alternativen auf!