Thema: Theologische Anthropologie
Freiheit - Verantwortung - Schuld
Zwei große Kränkungen ihrer naiven Eigenliebe hat die Menschheit im Laufe der Zeiten von der Wissenschaft erdulden müssen. Die erste, als sie erfuhr, daß unsere Erde nicht der Mittelpunkt des Weltalls ist, sondern ein winziges Teilchen eines in seiner Größe kaum vorstellbaren Weltsystems. Sie knüpft sich für uns an den Namen Kopernikus... Die zweite dann, als die biologische Forschung das angebliche Schöpfungsvorrecht des Menschen zunichte machte, ihn auf die Abstammung aus dem Tierreich und die Unvertilgbarkeit seiner animalischen Natur verwies. Diese Umwertung hat sich in unseren Tagen unter dem Einfluß von Ch. Darwin, Wallace und ihren Vorgängern nicht ohne das heftige Sträuben der Zeitgenossen voll-zogen. Die dritte und empfindlichste Kränkung aber soll die men-schliche Größensucht durch die heutige psychologische Forschung erfahren, welche dem Ich nachweisen will, daß es nicht einmal Herr ist im eigenen Hause, sondern auf kärgliche Nachrichten angewiesen bleibt von dem, was unbewußt in seinem Seelenleben vorgeht.
(S. Freud, Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, in: Studienausgabe Bd. 1, Frankfurt/ M)
Arbeitsaufträge:
1. Wodurch ist der Gedanke von herausragenden Stellung des Menschen im Kosmos entstanden?
2. Geben Sie die Gedanken des Textes mit eigenen Worten wieder!
3. Welche Aussöhnung mit dem Wertverlust des Menschen können Sie sich denken? Gibt es auch schon in der Bibel Ansätze dazu?