Thema: Theologische Anthropologie

Freiheit - Verantwortung - Schuld

Schon das Wort Sünde dürfte wohl heute für so manche Menschen ein "Fremdwort" darstellen; es erscheint ihnen wie ein Begriff aus überholter Denkweise oder aus vergangenen Zeiten. Man hat bisweilen den Eindruck, das Bewußtsein der Sündigkeit schwinde unter den Menschen mehr und mehr, der Begriff der Sünde werde gänzlich aus dem Wortschatz des modernen Menschen getilgt oder zumindest mit einem anderen, rein innerweltlichen Gehalt gefüllt: Man spricht vom Verkehrssünder, vom Parksünder, vom Steuersünder, vom Umweltsünder1 und meint damit irgendeine Gesetzesübertretung...

Wir können von Sünde nicht sprechen ohne Gott. Wo das Gottesbewußtsein schwindet, verliert der Mensch allmählich sein Sündenbewußtsein, - vergißt er aber auch, daß er alles, was er besitzt, Gott schuldet und darum letztlich zu Dank und Gehorsam gegenüber Gott "aufgerufen" ist. Darin besteht ja seine "Verantwortung". Sünde ist darum für den Christen nicht bloß irgendein Versagen vor einem Gesetz, sondern im letzten ein Sich-Versagen dem Rufe Gottes.

(J. Gründel, Fragen an den Moraltheologen, 1969)

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1 nachträglich eingefügt

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Arbeitsaufträge:

1. Geben Sie die wesentlichsten Aussagen des Verfassers thesenhaft wieder!

2. Zeigen Sie, welche Erklärung die Bibel über den Ursprung des Bösen gibt!

3. Legen Sie dar, welchen Zusammenhang von Gesetz und Sünde Paulus im Römerbrief herstellt!