Thema: Theologische Anthropologie
Freiheit - Verantwortung - Schuld
Schuld entsteht im sittlichen Vergehen. Ob man das Vergehen erst in der äußeren Handlung oder schon im Hinneigen der Einstellung erblickt, macht hier keinen Unterschied aus. In diesem Phänomen haben wir eine eigenartige Zuspitzung der Belastung der Person und ihres Tragenmüssens. Die Schuld kann man nicht abwälzen, sie erhebt sich drohend gegen die eigene Person, fällt auf sie mit ihrer Last und drückt sie nieder. Ja, sie kann die Person moralisch erdrücken mit ihrem Gewicht, so daß sie sich nicht mehr aufzurichten vermag. Sie kann den Menschen zur Verzweiflung und zur Selbstpreisgabe führen. Denn die Tragkraft der Person ist begrenzt.
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Schuld bedeutet Urheberschaft, und zwar nicht die einer leitenden Macht über oder hinter der Person, sondern ausschließlich Urheberschaft der Person selbst. Darum ist Schuldbewußtsein eindeutig auf Selbstbestimmung der Person bezogen. Widerwillig nimmt der Schuldige die Last auf sich.
( Nicolai Hartmann)
Arbeitsaufträge:
1. Wie wird nach N. Hartmann Schuld erfahren?
2. Was ist in der biblischen Urgeschichte (1 Mose 1-11) über das Böse gesagt, was sagt der Apostel Paulus über die Sünde? Vergleichen Sie die biblischen Erkenntnisse mit den Erkenntnissen der Psychologie!
3. Prüfen Sie die häufig vertretene Meinung: Angesichts humanwissenschaftlicher Erkenntnisse von der vielfältigen Bedingtheit des Menschen kann man eigentlich gar nicht mehr von menschlicher Schuld sprechen.