Thema: Theologische Anthropologie
Freiheit - Verantwortung - Schuld
Es kann kein Mensch wirklich demütig sein, bevor er weiß, daß sein Heil gänzlich außer ihm liegt, jenseits seiner Kraft, jenseits seines Planens und Strebens, nicht im eigenen Willen noch Werk, sondern im Urteil, Rat, Willen und Werk eines anderen, nämlich Gottes allein, Wer sich einbildet, er könne selber etwas, und sei es auch noch so wenig, für sein ewiges Heil tun, der beharrt noch im Glauben an sich selbst, der verzweifelt an sich selbst noch nicht ganz. Darum demütigt er sich nicht vor Gott, sondern setzt sich selber Ort, Zeit und Werk, um endlich, wie er wenigstens hofft und wünscht, selig zu werden. Wer dagegen nicht daran zweifelt, daß er ganz vom Willen Gottes abhängt, wer also völlig an sich selbst verzweifelt und nicht von selbsterwählten Werken, sondern allein vom Wirken Gottes sein Heil erwartet, der ist der Gnade am nächsten. Der kann selig werden.
(Aus: Luther, Vom unfreien Willen, 1525, zitiert nach: Horizonte des Glaubens, Frankfurt 1973, S.33)
Arbeitsaufträge:
1. Erläutern Sie, inwiefern nach Luther das Heil des Menschen außerhalb seiner selbst liegt und er es nicht durch eigene Leistung verdienen kann!
2. Welche ethischen Konsequenzen ergeben sich aus diesem Glauben?
3. Begründen Sie von der Rechtfertigungslehre her die Menschenwürde als Voraussetzung der Menschenrechte!
4. Erläutern Sie, welchen Beitrag die Schöpfungstheologie zur Begründung der Menschenwürde leisten kann!