Thema: Theologische Anthropologie

Freiheit - Verantwortung - Schuld

Das erste Versprechen, das wir aus der Bibel über den Menschen hören, ist seine Schöpfung zur Gottesebenbildlichkeit. Was war damit gemeint, und was heißt es heute? "Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn" (1.Mose 1,17).

Das heißt zuerst: Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes wie alle anderen Geschöpfe auch. Sie sind seine Mitgeschöpfe. Er ist nicht ihr Gott, und umgekehrt ist weder "Mutter Natur" noch "Vater Staat" sein Gott. Zwischen Gott und Nichts existiert der Mensch zusammen mit allen anderen Wesen als Geschöpf des göttlichen Wohlgefallens. Eine Solidarität umfaßt ihn zusammen mit der Natur. Dieser Schöpfungsglaube hat eine kritisch-befreiende Kraft, wenn man ihn ernst nimmt.

(Aus: Jürgen Moltmann, Mensch, Stuttgart 1971, S. 156 f)

Arbeitsaufträge:

1. Was bedeutet das Verständnis des Menschen als Geschöpf Gottes in bezug auf sein Verhältnis zur übrigen Schöpfung?

ODER

1. Was bedeutet das Verständnis des Menschen als Ebenbild Gottes im Verhältnis zur übrigen Schöpfung und im Verhältnis zu den Mitmenschen?

2. Wie ist der schöpfungstheologische "Herrschaftsauftrag" auf diesem Hintergrund zu verstehen?

3. Stellen Sie dar, inwiefern aus dem Motiv der "Gottesebenbild-lichkeit" des Menschen ein theologischer Beitrag zur Begründung der Menschenwürde zu leisten ist.

4. Skizzieren Sie kurz Luthers Rechtfertigungslehre und belegen Sie deren Berechtigung mit einem Textbeispiel aus dem Neuen Testament.