Thema: Theologische Anthropologie

Freiheit - Verantwortung - Schuld

Das Menschenbild ist diejenige Vorstellung über das Wesen des Menschen, welche sich ein Zeitgeist mehrheitlich macht. Das Vorherrschen eines Menschenbildes innerhalb eines Zeitgeistes bestimmt, was in diesem Zeitgeist, z.B. als kulturelle Errungenschaften, geschieht und im Vordergrund steht. Das Menschenbild eines bestimmten Zeitgeistes bestimmt auch Politik, Wissenschaft, z.B. Medizin, einer ganzen Zeitepoche. Das Bild, das ich mir vom Menschen mache, bestimmt, unbewußt meistens, auch mein Verhalten gegenüber den einzelnen Menschen. Das Menschenbild ist zentral wichtig für den Wandel des Zeitgeistes. Man kann an ihm sehen, in welcher Richtung sich die Entwicklung der gesamten Menschheit oder die Entwicklung eines einzelnen bewegt. Mir als Wissenschaftler ist vor allem das naturwissenschaftliche Menschenbild geläufig.

Wenn in einem bestimmten Zeitgeist wie heute sich die Schulmedizin wissenschaftlich mit dem Menschen ausschließlich in dem Sinne befaßt, daß sie nur des Menschen Art berücksichtigt, welche entsteht in der Zeit der Zeugung eines Menschen bis zu dessen Tod, dann haben wir ein Menschenbild, das sich nur mit der Vergänglichkeit des Menschen befaßt, das aber die ganze unendliche, ewige Fülle eines Menschen nicht berücksichtigt. Es erfolgt also ein einseitiges Menschenbild. Denn jeder Mensch ist auch unsterblich, ewig.

(Balthasar Staehelin in einem Interview mit Gerard Wirtz, in: Basler Zeitung / Basler Magazin Nr. 40 v. 3.10.92. B. Staehelin ist Psychiater und Professor für Psychiatrie und Psychotherapie in Basel.)

Arbeitsaufträge:

1. Geben Sie die Gedanken des Textes mit eigenen Worten wieder!

2. Zeigen Sie an historischen Beispielen, wie das Menschenbild eines Volkes, Volksgruppe oder Partei grausame Folgen für andre Völker und deren einzelne Menschen, für Minderheiten haben kann!

3. Welches Bild vom Menschen hat die Bibel und warum ist das Menschenbild der Schulmedizin einseitig?