Thema: Theologische Anthropologie
Freiheit - Verantwortung - Schuld
Antike:
Die Überzeugung, daß jeder Mensch von Natur aus über "unveräußer-liche" Rechte verfügt, ist schon sehr alt. Nach der Philosophie der griechisch-römischen Stoa ist der Mensch von der Vernunft durchdrungen, was ihn vom Tier unterscheidet. Wenn er ein vernunftgemäßes Leben führt, befindet er sich nicht nur in Übereinstimmung mit seinem eigenen Wesen, sondern auch mit den Göttern und der Natur. Daher gäbe es eine Gemeinschaft aller rationalen Wesen von Menschen und Göttern. Und allen sind bestimmte höchste Rechtsnormen als Naturrecht gemeinsam. So besitzt jeder Mensch, ob arm oder reich, Sklave oder freier Bürger, unantastbare Würde und Anspruch auf Achtung. Aus dieser Erkenntnis wurden keine weitergehenden politischen und sozialen Folgerungen gezogen. Die Stoiker erkannten die Gleichheit der Menschen als Teilhaber an der Vernunft, wandten sich aber nicht gegen die schärfste Form der sozialen Ungleichheit, die Sklaverei.
Mittelalter
Die Menschen werden als gleich angesehen, weil sie alle Ebenbilder Gottes und zugleich Sünder sind. Der bedeutendste christliche Naturrechtsgelehrte Thomas von Aquin (1225-1274) unterschied zwischen dem Naturrecht und dem "positiven Recht". Durch seine Vernunft und sein Gewissen hat der Mensch "Teilhabe am ewigen Gesetz", dem Naturrecht, den für die Christen verbindlichen Geboten Gottes. Das positive Recht wird dagegen von Menschen geschaffen, um das menschliche Zusammenleben zu regeln, und ist nur gültig, wenn es dem Naturrecht nicht widerspricht. Aquin kennt daher ein Recht auf Gehorsamsverweigerung, wenn menschliche Gesetze, das positive Recht, dem Naturrecht widersprechen . Aber aus der Gleichheit vor Gott wurde nicht die rechtliche oder gar soziale Gleichheit abgeleitet. Aquin nahm die Unfreiheit und Ungleichheit der Menschen in der sozialen Wirklichkeit als gottgegeben hin.
(Nach: E. Bloch, Naturrecht und menschliche Würde, und W. Euchner, Naturrecht und Politik bei John Locke)
Arbeitsaufträge:
1. Wie werden in der griechischen und römischen Antike und im Mittelalter die Menschenrechte erklärt und begründet? Wie weit reichen diese Rechte?
2. Wie werden diese Rechte in der Neuzeit begründet und erklärt?
3. Es handelt sich bei den Menschenrechten um eine neuzeitliche Konzeption. Sie liegt in dieser Form nicht in der Bibel vor und kann auch nicht direkt aus der Bibel begründet werden. Welche An-satzpunkte zu den Menschenrechten finden sich in der Bibel? Ent-falten Sie diese Ansätze!