Thema: Theologische Anthropologie
Freiheit - Verantwortung - Schuld
Wie sieht der Apostel Paulus und das paulinische Christentum den Menschen:
Vordergründig gliedert Paulus wie die Stoa den Menschen in Leib, Seele und Geist, allerdings kann jeder einzelne der drei anthropologischen Begriffe die Bedeutung des ganzen von Gott geschaffenen Menschen tragen. Die psychophysische Struktur des Menschen wird nicht beschrieben. Der Mensch lebt beständig existentiell vor der Entscheidung, "gemäß dem Fleisch" oder "gemäß dem Geist" zu leben. "Gemäß dem Fleisch leben" heißt nach Paulus, aus eigener Kraft existieren zu wollen und sein Herz an die vergängliche Welt zu hängen. Wer so lebt, wird im Augenblick des Todes vollständig zugrunde gehen. "Gemäß dem Geist leben" heißt sich für Gott statt die Welt zu entscheiden und das Leben als Geschenk des Schöpfers zu empfangen. Wer so lebt, hat das ewige Leben gewonnen. Sterblichkeit und Unsterblichkeit des Menschen hängen allein von der Frage ab, nach welcher Grundentscheidung das Leben ausgerichtet ist.
Hinter den anthropologischen Gedanken von Paulus steht die Auffassung, daß das Weltganze von Gott aus freien Stücken und mit Weisheit hervorgebracht wurde, mit Macht und Fürsorge getragen und erhalten wird. Innerhalb dieser Schöpfung ist der Mensch die Krone und das Ebenbild Gottes. Allerdings sieht Paulus das Weltganze nicht unter dem Aspekt des naturhaften Kosmos, ist Gott nicht der Lenker der Naturgewalten; Gott ist der Herr der irdisch geschichtlichen Verhältnisse, in denen sich das menschliche Leben abspielt.
Das Verhältnis des paulinischen Christen zu Gottes Werk ist zweideutig. Die Welt und die Wohnstatt des Menschen in der harmonischen gedachten Welt rufen Bewunderung hervor und genießen hohe Wertschätzung, zugleich ist die Welt ein von satanischen Dämonen beherrschtes Reich der Finsternis, in der wir auf der Hut sein Müssen; unsere eigentliche Heimat liegt im himmlischen Jenseits.
(Fr. J. Wetz, Bedeutsam oder unerheblich. Der Mensch im Lichte seiner Selbstdeutungen, in: Funkkolleg "Der Mensch. Anthropologie heute", 1992, stark redigiert und gekürzt)
Arbeitsaufträge:
1. Wie sieht Paulus den Menschen und wie ordnet er ihn in das Weltganze ein? Nehmen Sie dazu im Hinblick auf moderne wissenschaftliche Erkenntnisse Stellung!
2.