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THEMA:   Jurassic Park in Sibirien?

 7 Antwort(en).

Frank Hübler begann die Diskussion am 16.10.99 (23:55) mit folgendem Beitrag:

In der Badischen Zeitung vom 13. Oktober (Seite 19) war folgendes zu lesen:

>> Wissenschaftler bereiten das Klonen eines Mammuts vor, das sie fast vollständig erhalten im ewigen Eis in Sibirien untersucht haben. Wie der amerikanische Paläontologe Larry Agenbroad am Montag in Flagstaff in Arizona nach seiner Rückkehr aus Sibirien berichtete, soll das männliche Urtier in einem 30 Tonnen schweren Eisblock heraus gesägt werden und dann per Hubschrauber in die sibirische Stadt Chatanga geflogen werden. In dortigen Eishöhlen ist eigens ein Labor zur Untersuchung des Mammuts eingerichtet worden. Die Forscher wollen Mammut-DNS isolieren und in eine Eizelle eines asiatischen Elefanten übertragen, deren Elefanten-Gene vollständig entfernt wurden. "Das Großartige daran ist, dass wir keinen Hybriden (Mischling) bekommen, sondern ein richtiges Mammut", sagte Agenbroad. Er sei aber nicht sicher daß der Versuch erfolgreich sein werde, fügte er hinzu. <<

Nun frage ich mich als Laie, wie das funktioniert. Kann mir jemand trotz des sicherlich aufwendigen Verfahrens in allgemeinverständlichen Worten erklären, wie man "Elefanten-Gene vollständig entfernt" um dann letztlich aus der Eizelle ein Mammut zu erhalten? Gilt Mendel nicht mehr? Was kreuzt man da mit was? Es sind doch nur die männlichen Gene vorhanden? Heißt das, man erhält auf jeden Fall wieder ein männliches Tier? :-)
Irgend eine Meinung zur Machbarkeit im Allgemeinen? Rückt Jurassic Park näher?


Prof. Dr. Rudi Hausmann antwortete am 18.10.99 (16:20):

Einer Eizelle eines indischen Elefanten (die indischen sind mit den Mammuts viel näher verwand als die afrikanischen) wird mittels Mikromanipulation der Zellkern entfernt und durch einen vom eingefrorenen Mammut gewonnenen Kern ersetzt.Die Elefanten-Eizelle mit dem Mammutkern wird dann in die Gebärmutter einer Elefantenkuh injiziert und es erfogt eine normale Schwangerschaft, wobei am Ende ein kloniertes Mammut geboren wird.Nun glaube ich, dass diese Methode nicht funktionieren wird, da es höchst unwahrscheinlich ist, dass die Mammut-DNA die Jahrtausende im Eis völlig unbeschadet überlebt hat. Ein einziger Bruch, zum Beispiel,kann ein ganzes Chromosom funktionsuntüchtig machen. Was jedoch ohne weiteres möglich sein sollte, ist die Herstellung sogenannter transgener Tiere. Dabei wird Mammut-DNA in eine intakte, befruchtete Eizelle eines Elefantes gespritzt und so kann sich die Mammut-DNA in die Chromosomen des Elefanten einschleichen und mit der Elefanten-DNA rekombinieren, wobei sicherlich einige wenige Mammutgene in das Genom des Elefanten aufgenommen werden. Der junge Elefant mit den Mammutgenen wird, wenn er geschlechtsreif ist, wieder als Quelle fur mit Mammut-DNA zu transformierende Eier benutzt, so dass im Laufe de Generationen immer mehr Mammut-DNA ins Elefantengenom aufgenommen wird, bis schliesslich fast die Gesammtheit der Elefantengene durch Mammutgene ersetzt ist.So sehr dies an Juassic Park erinnert, ist dies eine fast mit Sicherheit machbare Methode, das Mammut wieder zum Leben zu erwecken.. In Anbetracht der Generationszeit des Elefanten würde dies jedoch sicherlich ein paar Jahrhunderte dauern (aber was ist das schon, in Anbetracht der Jahrmillionen der Evolution?)


Heinz-Hermann Haar antwortete am 18.10.99 (19:48):

Wem nützt (nicht materiell, sondern: Wer hat davon einen Nutzen!) eine solche Forschung? Welchem menschlichen Leiden wird damit aufgeholfen?
Warum wird nicht diese Intelligenz und die Zeit so guter Leute in andere Projekte gesteckt?
Sind das unzulässige Fragen angesichts der Grundlagenforschung??


Frank Hübler antwortete am 18.10.99 (23:52):

Erst mal Herrn Hausmann vielen Dank für die Erläuterungen. Interessant wäre zu wissen, unter welchen Umständen denn eine DNA bricht und ob das dann generell für alle Zellen des vorhandenen Mammutkadavers gilt, oder ob man nicht genügend Material hat, um doch einen Treffer landen zu können?

Ob diese Forschung nützlich ist, was Herr Haar in Frage stellt, ist freilich eine andere Sache. Das scheint mir eher einer wissenschaftstheoretische Frage zu sein. Ich kenne als Geisteswissenschaftler wahrlich eine ganze Reihe von Forschungsgebieten, die außer der puren Erkenntniserweiterung der Menschheit nicht viel zu bieten haben, schon gar nicht im selbstverschuldeten Überlebenskampf auf dem immer enger werdenden Planeten.

Es ist ja auch so, daß es nicht in allen Dingen der Wissenschaft darum gehen kann, ganz und allein dem Menschen direkt nutzbringend zu sein. Nutzen kann man so und so definieren: Mir als Individuum könnte es große Freude bereiten einmal ein lebendiges Mammut zu sehen. Wenn eine große Menge anderer Menschen ebenfalls dabei Freude empfindet, kann man das durchaus als ein lohnendes Ziel definieren. Auch der wiederbelebten Art Mammut wäre es von Nutzen, denn sonst bleibt es eben bei dem Ausgestorbensein!

Ich könnte mir grundsätzlich auch Einsatzgebiete wie Artenschutz vorstellen, sozusagen im Zuge der Schadensbegrenzung menschlicher Eingriffe in die Natur. Denkbar wäre es z.B. Genmaterial akut vom Aussterben bedrohter Tierarten einzufrieren und aufzubewahren um sie bei einer Besserung der Lebensbedingungen wieder einzuführen. Ob das nun wünschenswert, sinnvoll oder gar notwendig ist, ist eine philosophische Frage. Schließlich könnte dies auch wieder die Hemmschwelle herabsetzten Tierarten einfach aussterben zu lassen in der Gewißheit, sie ja später wieder herstellen zu können. Vieles hängt vom Werteempfinden ab, das bekanntlich keine Konstante ist.

Ich muß zugeben, daß mir schon den ganzen Tag die Frage im Kopf herumgeht, ob wir in Zukunft eine frühere Stufe der Menschheitsentwicklung regenerieren. Sollte es möglich sein, Ötzis Sohn in die Welt zu setzen? ... Ich kann mir vorstellen, daß manch einer doch eher wünscht, daß Herr Hausmann mit seiner Skepsis bezüglich der schnellen Durchführbarkeit Recht behält.


jürgen Ruhnau antwortete am 16.11.99 (14:31):

Die bisherigen Diskussionsbeiträge habe ich meinen Schülern zunächst unkommentiert vorgelegt ... Wir arbeiten dran!
Unsere Ergebnisse stellen wir dann in diesem Forum vor.
mfg


jürgen Ruhnau antwortete am 16.11.99 (14:32):

Die bisherigen Diskussionsbeiträge habe ich meinen Schülern zunächst unkommentiert vorgelegt ... Wir arbeiten dran!
Unsere Ergebnisse stellen wir dann in diesem Forum vor.
mfg


Klaus Riede antwortete am 26.11.99 (11:24):

Professor Hausmann erwaehnte genetische Verwandtschaftstudien, dieja in
der Tat die Voraussetzung fuer ein derartiges Vorhaben sind.
Porblematisch ist ja auch innerhalb der Elefanten die Stellung des
afrikanischen Waldelefanten (Unterart?). Gibt es hierzu solide genetische
Studien? Wenn ja, bitte ich um ein Kurzzitat,
Klaus Riede

(Internet-Tipp: http://www.groms.de)


hls Off antwortete am 09.12.99 (14:32):

warum kann man den lauf dernatur nicht so lassen wie er ist?