Landesmuseum Württemberg


Neukonzeption 2012

 

Das animierte Weltmodell „Ludwigsburger Weltmaschine“ von Philipp Matthäus Hahn

Dr. Irmgard Müsch, Kuratorin Uhren, wissenschaftliche Instrumente und Musikinstrumente, mit Ludwigsburger Weltenmaschine.

Die „Ludwigsburger Weltmaschine“ des Pfarrers, Mathematikers, Astronomen und Mechanikers Philipp Matthäus Hahn wird zusammen mit einer kürzlich erstellten Computeranimation im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart neu präsentiert. Die Animation, eine Arbeit von Studierenden der Hochschule für Medien Stuttgart, bietet neue didaktische Möglichkeiten. Sie veranschaulicht eindrucksvoll die Funktionsweise des astronomischen Wunderwerks und erläutert die komplexen Zusammenhänge mit ausgeklügelten Bildern und überraschenden visuellen Effekten.

Der geniale und vielseitige Gelehrte Philipp Matthäus Hahn schuf das Weltmodell 1768/69 in Onstmettingen. Auftraggeber war Herzog Carl Eugen, der es in seiner Bibliothek im Schloss Ludwigsburg aufstellen ließ. Die Weltmaschine besteht aus zwei mechanischen Kosmosmodellen: dem ptolemäischen oder geozentrischen - und dem kopernikanischen oder heliozentrischen Weltbild. Das komplizierte Räderwerk wurde von einem Uhrwerksmechanismus angetrieben. Im Mittelteil zwischen den beiden Weltsystemen befindet sich ein Kalenderwerk. Eine Besonderheit bildet das unterste Zifferblatt: Auf ihm ist das Weltalter ablesbar, wie es der pietistische Theologe Johann Albrecht Bengel errechnet hatte. Die Unterteilung der Weltzeit in Abschnitte, die durch biblische oder apokalyptische Ereignisse bestimmt sind, reicht bis zum „Ende der Welt“, das Bengel im Jahr 1836 erwartete.

Dieser faszinierende Versuch, die damaligen wissenschaftlichen und theologisch-spekulativen Erkenntnisse in einem räumlichen und beweglichen Modell zu vereinen, kann nun von Betrachtern des 21. Jahrhunderts mit Hilfe einer aktuellen Computeranimation nachvollzogen werden. Da aus konservatorischen Gründen das Räderwerk der Hahnschen Konstruktion nicht mehr betrieben werden kann, führt die Computeranimation die Funktionsweise der Bewegungen virtuell vor. Christoph Prenosil und Steffen Schönbrunn haben sie als Abschlussarbeit im Studiengang Medienautor an der Hochschule für Medien Stuttgart entwickelt. Betreut wurde das Projekt von Prof. Dr. Bernd Eberhardt. Dies ist nicht die erste Kooperation von Restauratoren und Wissenschaftlern des Landesmuseums Württemberg und Angehörigen der Hochschule für Medien. Bereits für eine andere Uhrwerkskonstruktion, eine Uhr auf schiefer Ebene, wurde von der Hochschule auf Vorschlag des Museums eine filmische Animation erstellt. Des weiteren gab es im Zusammenhang mit der Ausstellung „Ägyptische Mumien“ Animationen zur Restaurierung eines antiken Perlennetzes und zu einer Ibismumie.

Das Landesmuseum Württemberg besitzt die umfangreichste Sammlung von Werken Hahns. Die mediale Aufbereitung der Weltmaschine erfolgte bereits im Hinblick auf die geplante Neukonzeption der Schausammlungen. Die neue Präsentation dieses Ausstellungshighlights ist bis zum Frühjahr im Eingangsfoyer des Alten Schlosses zu sehen.

    Fotos: H. Zwietasch, LMW; Text: LMW

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